Die Wertpapierkurse sind im Keller, die Talfahrt geht munter weiter, Besserung steht zumindest nicht unmittelbar bevor. Da investiert man vielleicht besser noch in Kunst – in alte wie neue. Der herbstliche Auktionskalender bietet immerhin einige Gelegenheiten dazu, schöne Stücke zu erwerben.
Die drei Wiener Auktionshäuser zeigen sich in diesem Herbst von ihrer Schokoladenseite. Kein Wunder, haben doch sowohl das Dorotheum, das soeben erfolgreich ins vierte Jahrhundert seines Bestehens aufgebrochen ist, als auch die vor 15 Jahren „im Kinsky“ gegründeten Wiener Kunstauktionen ebenso wie das vor 30 Jahren ins Leben gerufene Ein-Mann-Unternehmen Wolfdietrich Hassfurthers mit Jubiläumsauktionen Grund zum Feiern.
Das Dorotheum hat einen „heißen Herbst“ für seine dritte Auktionswoche (14. bis 17. Oktober) mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, Antiquitäten und Juwelen angekündigt. Absolutes Star-Los ist ein Stillleben von Willem Kalf, einem der bedeutendsten holländischen Stilllebenmaler des 17. Jahrhunderts, der Schätzwert beläuft sich auf 400.000 bis 500.000 Euro. Große Namen finden sich auch bei der Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“: Neben Werken von Ferdinand Georg Waldmüller, Moritz Michael Daffinger und Emil Jakob Schindler kommt mit Friedrich von Amerlings aus dem Belvedere restituierten „Mädchen mit Strohhut“ eine Ikone der Biedermeiermalerei auf den Markt (250.000 bis 350.000 Euro).
Bei der abschließenden Juwelenauktion werden dann Romy-Schneider-Fans fündig: Ihr goldenes Bettelarmband mit einer Sissi-Widmung ist bei 2500 bis 3500 Euro angesetzt.
Im November wird es im Dorotheum schließlich international weitergehen. Die vierte Auktionswoche mit Schwerpunkten auf Zeitgenossen und Moderne hält neben Werken von Rousseau, Jawlensky, Klimt und Moser vor allem italienische Kunst bereit.
Starker Österreichanteil
Mit einer Fülle von heimischen Zimelien bestreiten die Wiener Kunstauktionen ihre Jubiläumsauktion am 14. und 15. Oktober: Zwar ist das Top-Los mit Annibale Carraccis „Porträt mit Kind“ (80.000 bis 150.000 Euro) ein Italiener.
Auf den Gebieten 19. und 20. Jahrhundert dominieren im Kinsky allerdings die Österreicher: Hier kann man bei Friedrich Gauermann, Eugen Jettel oder Anton Romako verhältnismäßig günstig einsteigen (jeweils ab 35.000 Euro), während die Latte bei der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Faistauer, Boeckl, Klimt über Hundertwasser, Rainer, Hausner bis zu Brandl – durchgehend hoch liegt. Friedensreich Hundertwassers mittelformatiges „Kaiser Franz Josef Spital“ aus 1972/73 etwa wird auf 100.000 bis 140.000 Euro geschätzt, vergleichsweise günstig nimmt sich da Herbert Brandls großformatiges Ölgemälde „Gomera“ aus, das mit 20.000 bis 35.000 ausgerufen wird.
Moderne und Gegenwart dominieren auch das Angebot bei Hassfurther. Spitzen-Los der Auktion am 27. November ist Albin Egger-Lienz' „Mittagstisch“, das Ölbild ist mit 300.000 bis 500.000 ein rekordverdächtiger Hoffnungsträger, gefolgt von einer prachtvollen Zeichnung Egon Schieles „Bildnis Adele Harms“ und einer strahlend bunten „Bregenzer Achbrücke“ des Vorarlberger Neu-Sachlichen Rudolf Wacker (beide 90.000 bis 130.000 Euro). Erwartet wird noch ein von Josef Hoffmann für das Brüsseler Palais Stoclet entworfener Flügel, und laut Wolfdietrich Hassfurther sollte „wie immer auch ein guter alter Meister“ dabei sein.
Keine Auktionen in Österreich veranstalten hingegen die beiden weltgrößten Auktionshäuser, Sotheby's und Christies, die mit ihren Niederlassungen am Kunststandort Wien selbstverständlich mit Repräsentanzen vertreten sind. Wer sein Begehren etwa auf Kasimir Malevichs „Suprematistische Komposition“ aus dem Jahr 1916 – eine Ikone der russischen Kunstgeschichte, die 50 Jahre Teil der Sammlung des Amsterdamer Stedelijk Museums war und nun an die Familie restituiert wurde –, gerichtet hat, der muss schon nach New York fliegen.
Bei der Auktion für Impressionismus und Klassische Moderne am Abend des 3. November im Haupthaus steht viel Interessantes auf dem Programm: etwa Edgar Degas' „Danseuse au repos“ oder Pablo Picassos „Arlequin“. Präsenz wird von den internationalen Leadern in Wien dennoch gezeigt, sei es durch Expertenschätztage oder kleine feine Ausstellungsaktivitäten. So lädt Sotheby's Wien im Herbst zu vier Expertentagen zu Impressionismus und Klassische Moderne, Russische Kunst, Kunst des 19. Jahrhunderts und Zeitgenössische Kunst.
Früh entdeckte Talente
Doch auch in Auktionsangelegenheiten hat Sotheby's-Wien-Chefin Andrea Jungmann alle Hände voll zu tun. Die studierte Kunsthistorikerin ist eine gefragte Auktioniatorin, vor allem für Charity-Veranstaltungen sowie zeitgenössische Kunst. Bei ihrem nächsten Einsatz setzt sie sich im Zoom Kindermuseum für „Seeding Art“ ein – ein ungewöhnliches und spannendes Projekt, dessen Erlös der Österreichischen Muskelforschung zufließt. Am 15. Oktober gelangen dort Werke zur Versteigerung, die nicht nur die Signatur von 40 prominenten Zeitgenossen wie Eva Schlegel, Jakob Gasteiger, Michael Kienzer oder dem Gugginger Art-Brutisten Arnold Schmidt tragen. Das Besondere dieser Werke ist, dass sie von den Künstlern in Gemeinschaft mit Sechs- bis 14-Jährigen angefertigt wurden.
Eine Woche später engagiert sich Jungmann für junge Kunst. Unter dem Titel „Young Art Auction“ bietet die Auktion im Haus der Industrie Sammlern heuer zum zweiten Mal die Möglichkeit, aufstrebende Künstler früh zu entdecken. 64 Werke österreichischer Zeitgenossen kommen dabei unter den Hammer. 80 Prozent des Hammerpreises fließen direkt den Künstlerinnen und Künstlern zu. Neben klingenden Namen der jungen Szene – Christian Eisenberger, Max Frey, Michael Höpfner oder Klaus Mossettig etwa – taucht hier auch manch unbekannter Name auf, was damit zu tun hat, dass die Young Art Auction in Zusammenarbeit mit den beiden Wiener Kunstuniversitäten stattfindet.
Und auch im MAK wird zeitgenössische österreichische Kunst versteigert, und zwar am 3. November zugunsten des Vereins „neunerHAUS“. Die Auswahl umfasst auch einige Kaliber der österreichischen Gegenwartskunst, unter anderem Cornelius Kolig, Markus Prachensky, Oswald Oberhuber.
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