| Amnestie für die Realität | |
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Den Originalbeitrag von Matthias Boeckl zur Planungsphilosophie von Ortner & Ortner finden Sie in architektur aktuell.
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Nach fünfzehn Jahren Konzept-, Planungs-
und Bauzeit kann über die architektonischen Aspekte der Idee von Ortner
& Ortner für das MuseumsQuartier eine erste Bilanz gezogen werden. Im
Mittelpunkt muss dabei ihr Konzept der dichten Monolithen und des darüber
gelegten layers an filigranen Nutzungsarten stehen. Reaktion auf "Kraftfelder" Der strukturelle Grundansatz aller Projekte von Ortner & Ortner für
das MuseumsQuartier ist die Reaktion auf "Kraftfelder" der Stadt - eine
Reaktion, die sich oberflächlich in bestimmten Ausrichtungen der Bauten
manifestiert, in der inneren Neuinterpretation etwa des Typus "Museum
moderner Kunst" jedoch weit über diese formale Ebene hinausgeht. Dahinter steht eine Vorstellung von Stadt, die Ortner & Ortner seit
ihren Experimenten der 1960er Jahre (damals noch in der Formation der
"Haus-Rucker-Co") während einer internationalen Karriere als in Österreich
lange Zeit unterschätzte Teilnehmer der weltweiten urbanistischen Debatte
entwickelt haben. Die "Amnestie für die Realität" und der Abschied von
idealistischen Denkmustern der Stadtplanung ist die Leitlinie dieses
Bewusstseins, das in europäischen Regionen fortgeschrittener Urbanisierung
und eines hohen gesellschaftlich-wirtschaftlichen Entwicklungsstandes (vor
allem in den Niederlanden) inzwischen selbstverständlich ist und bald auch
die anderen urbanen Zentren Europas dominieren wird. Die urbane Zivilisation - das ist das Prinzip dieser Überzeugung -
bildet mit ihren unüberschaubaren, durch demokratische, wirtschaftliche
und technologische Entwicklung forcierten heterogenen Kultur- und
Lebenspraktiken ein System von Kräften, das sichtbar gemacht und
infrastrukturell unterstützt werden muss, um dieser demokratischen
Vielfalt neue Räume und damit auch neue gesellschaftlich/wirtschaftliche
Produktivität zu geben. Antimodernistische Tradition Hier liegt eine traditionelle Schwachstelle im österreichischen
Verständnis von Zivilisation. Denn Infrastrukturen sind in der Regel auch
sichtbar, sei es die traditionelle "hardware" der Straßen und öffentlichen
Versorgungsstränge - oder die bauliche Vernetzung und Überlagerung mit
neuartigen Funktionen, wie es Ortner & Ortner noch radikal im ersten
Wettbewerbsprojekt vorschwebte. Aber sichtbare Modernisierung, das gebietet die lokale Kultur des
schönen Scheins, ist in Österreich weniger beliebt als eine getarnte,
versteckte. Exakt an diesem Punkt entwickelte sich jene Diskussion, die
sich in der nunmehrigen Realisierung des "größten Kulturbaus der Ersten
und Zweiten Republik" abbildet. Es waren weniger die Funktionen, die
Kritik hervorriefen, als vielmehr die Formen, in denen sie sich
darstellten. Die Kraft der Beharrung In der Ausdauer der Ortners, all diese Hoffnungen und auch die
Bedingungen in ihrem Projekt abzubilden, liegt die auf den ersten Blick
nicht sichtbare Kraft dieser Architektur. Gefordert ist ein immaterielles
statt einem bloß mechanischen Wahrnehmungsvermögen. Erwartet wird ein
"fluid environment", das sich aus dem gewerblich dominierten Stadtbezirk
Neubau hinter dem MuseumsQuartier über die "dunklen Gassen" seiner
rückseitigen Trakte über Treppen, Terrassen und Freiräume bis in die
imperiale Sphäre des Heldenplatzes entwickelt. Und nötig ist die
wesentlich entschlossenere Forcierung dieser zeitrichtigen Stadtidee der
Ortners durch weitere Durchbrüche, Vernetzungen, unter- und oberirdische
Verbindungen sowie das bauliche Signal alles dessen im öffentlichen Raum
vor dem Quartier. Sollte das gelingen, dann sind die anderen europäischen
innerstädtischen Kulturkomplexe wie der Pariser Grand Louvre und die
Berliner Museumsinsel nicht nur die gegebenen Klassenpartner, sondern
könnten in der Durchmischung und im Urbanisierungsgrad vom Wiener Beispiel
sogar noch profitieren. Den Originalbeitrag von Matthias Boeckl zur
Planungsphilosophie von Ortner & Ortner finden Sie in architektur aktuell. Link: Ortner &
Ortner | ||