VN Do, 20.11.2003

Politik
Lokal
Sport
Markt
Kultur
Welt

Chronik
Leserbriefe
TV
VN-Heimat

Anzeigen
eVN.vol.at
eVN-Offline






Kultur 

Ein echter Bildersturm

Ein etwas anderer Film über Peter Weibel im Künstlerhaus

VON ARIANE GRABHER

Bregenz (VN) Peter Weibel, namhafter österreichischer Medientheoretiker, Künstler und Philosoph, im Künstlerhaus Bregenz - man durfte gespannt sein.

Im jüngsten Projekt verschmelzen der Film- und Ausstellungsmacher auf überraschende Weise, und dass "B-Picture - Ein Film über Peter Weibel" mehr Ausstellung als Film und ein Marsch durch die Kunstgeschichte ist, ist nur scheinbar ein Widerspruch.

Wenn im Betriebssystem Kunst die kollektive Produktion einer Ausstellung mit jener eines Films verglichen wird, so nimmt Peter Weibel diese Metapher beim Wort und enttarnt den Mythos des Autors. Kompetenzverteilung heißt das Schlagwort, und für "B-Picture - Ein Film über Peter Weibel von Markus Huemer" zeichnen verantwortlich Peter Weibel (Treatment), Markus Huemer (Drehbuch und Regie) sowie Willi Meusburger (Produktion).

Land der Malschweine

Analog zum Titel entsteht mit den limitierten Mitteln einer Billigproduktion eine Independent Low Budget Exhibition (Kosten rund 100 Euro, das Material stammt aus dem entrümpelten Künstlerhaus-Fundus), die ein für allemal gründlich aufräumt mit obskuren Ideen und Begriffen der Moderne und stattdessen mit einem durchaus ernst gemeinten Zynismus die Funktionsgebundenheit der Kunst und den aufklärerischen Gedanken transportiert.

Dass dieser im Fall von Peter Weibel fast schon aufrührerisch ist, versteht sich. "Österreich ist das Land der Malschweine", so Weibel, der mit "B-Picture" einen veritablen "Befreiungsschlag für die österreichische Malerei" lanciert. Skizzen, geschriebene Aussagen wie "Wie werden Gegenstände zu Bildern" und gezeichnete theoretische Anwendungen, unprätentiös an die Wände geheftet, liefern die Basis. Zur Ausführung kommt, was Drehbuchautor und Produzent für gut befinden, und damit ist Weibels Zutun an der Produktion auch schon beendet. Marcus Huemer und Willi Meusburger haben tatsächlich aus dem Vollen geschöpft und zu Kunst gemacht, was nie als Kunst gedacht.

Schule des Sehens

Doch, so Weibel, "es steht alles unter ästhetischem Verdacht" und so verdichten sich rot-blau-gelbe Eimer zu einem Deckengemälde, farbige Handtücher markieren ein abstraktes Gemälde, die alte Hängevorrichtung wird zum reinsten Informel und ein gelber Schwamm fungiert als stilbildendes Erkennungsmoment. In Weibels "Schule des Sehens" gibt es keine "schlechten" Bilder. Kunst ist vielmehr Alltag, der Alltag Kunst, und nur langsam wandelt sich das Bild von der Betrachtungs- zur Handlungsform. Die beiden einzigen klassischen Bilder und einen Anflug von Sentimentalität erlaubt sich Weibel mit den malerisch verrosteten Plakatständern und der Aussage: "Ich glaube an den Untergang der Welt - aber nicht an den Untergang des Kapitalismus."

Eine Desillusionierung und Enttäuschung, wie sie Weibel ankündigt, ist die Schau vielleicht in Hinblick auf die ins Wanken geratenen Modelle der Moderne, per se ist sie dagegen eine Befreiung und ein echter Bildersturm.

Die Ausstellung "B-Picture" wird am Freitag 21. November, um 20 Uhr im Künstlerhaus in Bregenz eröffnet. Dauer der Ausstellung bis 4. Jänner 2004, geöffnet Dienstag bis Samstag 14 bis 18, Sonn- und Feiertag 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr.

Weibel, Huemer und Meusburger im Künstlerhaus. (Foto: A. Grabher)




Kultur 

Zum Seitenbeginn