VON ARIANE
GRABHER
Bregenz (VN) Peter Weibel, namhafter österreichischer
Medientheoretiker, Künstler und Philosoph, im Künstlerhaus Bregenz -
man durfte gespannt sein.
Im jüngsten Projekt verschmelzen der Film- und Ausstellungsmacher
auf überraschende Weise, und dass "B-Picture - Ein Film über Peter
Weibel" mehr Ausstellung als Film und ein Marsch durch die
Kunstgeschichte ist, ist nur scheinbar ein Widerspruch.
Wenn im Betriebssystem Kunst die kollektive Produktion einer
Ausstellung mit jener eines Films verglichen wird, so nimmt Peter
Weibel diese Metapher beim Wort und enttarnt den Mythos des Autors.
Kompetenzverteilung heißt das Schlagwort, und für "B-Picture - Ein
Film über Peter Weibel von Markus Huemer" zeichnen verantwortlich
Peter Weibel (Treatment), Markus Huemer (Drehbuch und Regie) sowie
Willi Meusburger (Produktion).
Land der Malschweine
Analog zum Titel entsteht mit den limitierten Mitteln einer
Billigproduktion eine Independent Low Budget Exhibition (Kosten rund
100 Euro, das Material stammt aus dem entrümpelten
Künstlerhaus-Fundus), die ein für allemal gründlich aufräumt mit
obskuren Ideen und Begriffen der Moderne und stattdessen mit einem
durchaus ernst gemeinten Zynismus die Funktionsgebundenheit der
Kunst und den aufklärerischen Gedanken transportiert.
Dass dieser im Fall von Peter Weibel fast schon aufrührerisch
ist, versteht sich. "Österreich ist das Land der Malschweine", so
Weibel, der mit "B-Picture" einen veritablen "Befreiungsschlag für
die österreichische Malerei" lanciert. Skizzen, geschriebene
Aussagen wie "Wie werden Gegenstände zu Bildern" und gezeichnete
theoretische Anwendungen, unprätentiös an die Wände geheftet,
liefern die Basis. Zur Ausführung kommt, was Drehbuchautor und
Produzent für gut befinden, und damit ist Weibels Zutun an der
Produktion auch schon beendet. Marcus Huemer und Willi Meusburger
haben tatsächlich aus dem Vollen geschöpft und zu Kunst gemacht, was
nie als Kunst gedacht.
Schule des Sehens
Doch, so Weibel, "es steht alles unter ästhetischem Verdacht" und
so verdichten sich rot-blau-gelbe Eimer zu einem Deckengemälde,
farbige Handtücher markieren ein abstraktes Gemälde, die alte
Hängevorrichtung wird zum reinsten Informel und ein gelber Schwamm
fungiert als stilbildendes Erkennungsmoment. In Weibels "Schule des
Sehens" gibt es keine "schlechten" Bilder. Kunst ist vielmehr
Alltag, der Alltag Kunst, und nur langsam wandelt sich das Bild von
der Betrachtungs- zur Handlungsform. Die beiden einzigen klassischen
Bilder und einen Anflug von Sentimentalität erlaubt sich Weibel mit
den malerisch verrosteten Plakatständern und der Aussage: "Ich
glaube an den Untergang der Welt - aber nicht an den Untergang des
Kapitalismus."
Eine Desillusionierung und Enttäuschung, wie sie Weibel
ankündigt, ist die Schau vielleicht in Hinblick auf die ins Wanken
geratenen Modelle der Moderne, per se ist sie dagegen eine Befreiung
und ein echter Bildersturm.