| Salzburger Nachrichten am 9. März 2005 - Bereich: kultur
Räume besetzen Zum ersten Mal ist die
Sammlung der Wiener Generali Foundation im Ausland zu sehen. Auftakt war
am Dienstag im Haus der Kunst in München.
MÜNCHEN (SN). "Wir sind eine sehr einseitige Sammlung", beschreibt
Sabine Breitwieser, die Direktorin der Generali Foundation Wien, die
Kollektion. Vor 17 Jahren nahm die Kollektion ihren Ausgang vom Ansinnen
des Versicherungsunternehmens, eine Skulpturensammlung anzulegen. Man hat
in den ersten drei Jahren auch klassische Bildhauerarbeiten angekauft,
dann aber den speziellen Fokus gesucht, aktuelle Kunst der 60er und 70er
Jahre anzulegen, die einem erweiterten Begriff des Skulpturalen folgen.
Fotos, Videos, Medienkunst, Körperkunst, Installationen, Materialien und
Dokumentationen ergeben einen einerseits konzeptuellen, andererseits
prozessualen Ansatz. Damit erhält die Sammlung der Generali Foundation das unverwechselbare,
scharfe, für ein Wirtschaftsunternehmen zudem höchst ungewöhnliche Profil.
Längst der Pionierrolle entwachsen, bleibt die Sammlung gleichwohl
kompromisslos radikal, schwierig im kreativen und produktiven Sinn. Sie ist nicht auf monografische Präsentation angelegt, sondern auf
Dialog und Diskussion. Die US-Künstlerin Andrea Fraser hat protokolliert,
wie Unternehmen und Kunst, Mitarbeiter und Künstler kommunizieren und
beiderseits zu einer speziell definierten Unternehmenskultur finden
wollen. Zitate daraus sind eines der Leitsysteme der Münchner
Ausstellung. Österreichische Pioniere und internationale Stars Kern der Sammlung
sind Pioniere der österreichischen Avantgarde: Valie Export, Walter
Pichler, Peter Weibel, Bruno Gironcoli, Gerhard Rühm, Hans Hollein. Ihre
Arbeiten werden aber nicht als Ikonen gehandhabt, sondern als Impulsgeber.
Sie bewegten jeweils in ihrer Zeit die Gemüter. Sie bewegen aber auch
weiter eine jüngere und junge Generation, mit der sie auch in der von
Breitwieser und Thomas Westi eingerichteten Münchner Schau in
Korrespondenz treten. Erweitert wird dieser doppelte Ansatz durch
internationale Künstler wie Allen Sekula, Gordon Matta-Clark oder Dan
Graham, die der Sammlung zugewachsen sind und ihre Perspektive erweitern.
Damit wird ein entscheidendes Kriterium erfüllt: Kunst bezieht Position,
greift ein in gesellschaftliche und soziale Prozesse, greift weit hinaus
über bloße Behübschung eines (Büro-)Alltags. Im Kontext der Ausstellung werden buchstäblich Räume besetzt.
"Occupying Space" lautet treffend der Titel der Schau. Die Räume
beschreiben kritisch-gesellschaftspolitische Positionen, thematisieren den
Körper des eigenen Ichs, beobachten prozesshaft Verläufe der Zeit oder sie
erheben Dokumentation und Material zum eigenen ästhetischen
Kunstgegenstand. Die erzählerischen Fäden dieser Präsentation aufzunehmen, zu verfolgen
und für sich als Betrachter neu zu verknüpfen, wird zur spannenden, aber
schwierigen Herausforderung. Kunst wird hier nicht als Konsum verstanden,
sondern als Aufforderung, sie in ihrer Komplexität denkerisch zu
erfassen.In München ist die Schau bis zum 16. Mai zu sehen. Danach sind
Rotterdam und Zagreb weitere Stationen. |