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derStandard.at | Kultur | Kultur & Politik 
08. Jänner 2007
15:25 MEZ
Hintergrund: Kulturpolitik seit 1945
Minister, Staatssekretäre und "Chefsache": Seit 1970 waren die Kulturagenden in den Bereich des kulturellen Erbes und den der modernen Kunstproduktion getrennt

Wien - Mit der Zusammenlegung von Unterricht und Kunst in ein SP-geführtes Ministerium wird in der Großen Koalition unter Kanzler Alfred Gusenbauer an eine Tradition angeknüpft, die 1970 mit dem Wahlsieg Bruno Kreiskys begann. Und es wird ausgebügelt, was 1997 der SPÖ viel Kritik einbrachte: Die nur nominelle Aufwertung der Kunstpolitik zur "Chefsache" - was nichts anderes bedeutete, als die Übertragung der Agenden an einen Staatssekretär.

In der Regierung Gusenbauer soll nun die zuletzt im Bundeskanzleramt angesiedelte Kunstsektion in das Unterrichtsministerium wandern, womit künftig Bundesmuseen und Bundestheater erstmals seit 1970 wieder demselben Minister unterstehen würden. Die Verwaltung der aktuellen Kunst hat sich in allen Koalitionsregierungen immer die Kanzlerpartei gesichert.

Staatsamt für Volksaufklärung, Unterricht, Erziehung und Kultusangelegenheiten

In der ersten provisorischen Nachkriegs-Regierung 1945 unter Karl Renner gab es ein Staatsamt für Volksaufklärung, Unterricht, Erziehung und Kultusangelegenheiten, geleitet von Staatssekretär Ernst Fischer bzw. dem für Kultusangelegenheiten zuständigen Unterstaatssekretär Ernst Hefel. In den folgenden rot-schwarzen Koalitionen (1945-66) und der ÖVP-Alleinregierung unter Bundeskanzler Josef Klaus (1966-70) war die Kultur im Unterrichtsministerium angesiedelt, allerdings nicht namentlich ausgewiesen. Politisch stand sie im Einflussbereich der ÖVP, die mit Felix Hurdes (1945-52), Ernst Kolb (1952-54), Heinrich Drimmel (1954-64), Theodor Piffl-Percevic (1964-69) sowie zuletzt Alois Mock (1969-70) kontinuierlich die Unterrichtsminister stellte.

Mit dem Wahlsieg von Bruno Kreisky 1970 gelangten Kunst und Kultur in der Zweiten Republik erstmals in die Zuständigkeit der SPÖ. Das Unterrichtsministerium wurde zum Ministerium für Unterricht und Kunst, parallel dazu wurde ein eigenes Ministerium für Wissenschaft und Forschung gegründet, dem die Kunsthochschulen, die Bundesmuseen und der Denkmalschutz übertragen wurden. Die Auslandskultur wanderte 1973 aus dem Kunst- ins Außenministerium. Das Wissenschaftsministerium unterstand die gesamte Kreisky-Ära hindurch Hertha Firnberg.

Minister für Unterricht und Kunst

Erster Minister für Unterricht und Kunst war Leopold Gratz, gefolgt ab 1971 von Fred Sinowatz, der auch in der dritten und vierten Kreisky-Regierung bis 1983 in dieser Funktion blieb und somit der längst dienende Kunstminister Österreichs war. In der rot-blauen Koalition unter Kanzler Fred Sinowatz (1983-1986) wurde Helmut Zilk (S) Minister für Unterricht und Kunst, gefolgt 1984 von Herbert Moritz (S). 1985 kamen die Sportagenden dazu. Wissenschaftsminister unter Sinowatz wurde Heinz Fischer (S). Fischer und Moritz blieben auch in der ersten Regierung unter Kanzler Franz Vranitzky (1986/87) im Amt.

In der zweiten Vranitzky-Regierung 1987 löste Hilde Hawlicek (S) Moritz ab, während das Wissenschaftsministerium, in dem Bundesmuseen, Denkmalschutz und Kunsthochschulen ressortierten, an den Koalitionspartner ÖVP abgetreten wurde: Die SPÖ war für die lebende, die ÖVP für die "tote" Kunst zuständig. Wissenschaftsminister Hans Tuppy wurde im Zug der Regierungsumbildung 1989 von Erhard Busek (V) abgelöst. Für die Auslandskultur war während der gesamten Großen Koalition das Außenministerium zuständig.

Scholten, Busek, Gehrer

Auf Hawlicek folgte 1990 Rudolf Scholten, im Jahr darauf wurden außerdem die Sportagenden wieder ausgelagert. 1994 folgte eine Umstrukturierung in den Ressort-Zuständigkeiten: Scholten nahm die bisher im Unterrichtsministerium angesiedelten Bundestheater, bildende und darstellende Kunst, Literatur und Kunstförderung mit in das neue Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Die Bundesmuseen, Bibliotheken und der Denkmalschutz wurden nunmehr im Ministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten betreut, das bis 1995 von Busek und seither von Elisabeth Gehrer (V) geleitet wurde.

"Chefsache"

In der nächsten großen Koalition unter Kanzler Viktor Klima (S) wanderten die Kunstagenden 1997 dann vom Wissenschaftsministerium ins Bundeskanzleramt und wurden zu "Chefsache" erklärt. Statt des Kanzlers kümmerte sich mit Peter Wittmann (S) ein Staatssekretär im Bundeskanzleramt um die Kunstagenden.

Auch die schwarz-blaue Wende unter Kanzler Wolfgang Schüssel (V) beließ die Kunst am Ballhausplatz: Auf den für Kunst, Europa und Sport zuständigen Staatssekretär Wittmann folgte 2000 Franz Morak (V) als Staatssekretär für Kunst und Medien. Das Ministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten wurde zum weiterhin von Elisabeth Gehrer geleiteten Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. (APA)


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