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vom 31.01.2007 - Seite 021
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Der Kulturprophet und sein heiliger Berg
"Was bringt's für Linz?" Seine Sicht der Dinge vom Sinn der Kulturhauptstadt 09 breitete Intendant Martin Heller am Montag vor dem Management Club Linz im VKB-Kundenzentrum aus. Die OÖN sprachen mit dem Schweizer.
VON BERNHARD LICHTENBERGER
OÖN: Was zieht Sie auf den Pöstlingberg?
MARTIN HELLER: Zum einen schon die Tatsache, dass der Ort unglaublich beliebt ist. Er ist sehr schön, vom Blick her. Aber er hat noch kein Versprechen für die Kulturhauptstadt. Wenn ich jetzt da wäre, keine kleinen Kinder hätte, dann würde ich wegen der Grottenbahn oder der Kirche nicht hinauffahren.
Deshalb ist uns die Idee mit dem "heiligen Berg" als Marke eingefallen. Wir arbeiten daran, etwas zu bieten, damit das Kulturpublikum hochfährt. Charles Esche vom Van Abbemuseum in Eindhoven macht ein Vorprojekt.
Das erste Projekt "Schaurausch" bringt schon in diesem Mai Kunst in die Schaufenster der Innenstadt. Sie nennen das ein Risiko?
HELLER: Wenn man etwas zum ersten Mal macht, ist es nie gesichert. Wie und ob es wirkt, wird man erst sehen, wenn es Realität wird. Das Risiko ist, ob es die Leute annehmen, ob sie verstehen, dass es auch ein Wagnis für die Künstler ist, die sich da weit mehr exponieren, als wenn sie im Museum drinnen sind. Für mich ist Risiko im Übrigen kein negativer Begriff. Risiko und Chance gehören immer zusammen. Ich könnte mir kein Leben ohne Risiko vorstellen.
OÖN: Sie haben eine Firma begleitet, die überlegte, ihre Forschungsabteilung in Linz anzusiedeln, sich aber dann für Wien entschieden hat. Was fehlt Linz zur Internationalität?
HELLER: Da geht es um eine stärkere Rolle der kulturellen Einrichtungen als Selbstverständlichkeit des Stadtgeschehens. Da ist das Lentos ein wunderbarer Anfang, das AEC und die prominenteren Bauten und vieles, was geschieht. Aber für eine Stadt mit 200.000 Einwohnern dürfte es beträchtlich mehr geben, auch an Kinos und Vielfalt in der Stadt selbst. Da will man nicht raus in die Vorstadt. Die haben sich auch Bildungseinrichtungen angeschaut und was so zum normalen Profil gehört, wenn man eine ganze Abteilung übersiedelt. Daran muss man arbeiten, denn wirtschaftspolitisch wird sich der Standort Linz nur halten und verbessern können, wenn er nicht nur produktionsorientiert ist, sondern wenn man auch solche Forschungsabteilungen hier hat.
OÖN: Was interessiert Sie am Künstler und Menschen Hubert von Goisern, der im Juni für Linz09 auf einem Konzertschiff zu einer kulturellen Donau-Expedition aufbricht?
HELLER: Wir mochten uns von Anfang an. Er bringt Dinge mit, die ich sehr schätze. Er hat damals die Volksmusik umgestülpt, gegen den Strich gebürstet. Er ist sehr ehrlich und leidenschaftlich. Er ist auch nicht zimperlich, und das gehört zum großen Strom und zum Schiff. Es kommt dazu, dass wir uns sehr einig sind, dass dieses Projekt nicht bloß ein Musikprojekt ist, sondern sehr stark mit Politik zu tun hat, mit der Neugier auf ein Europa, das eben nicht stromlinienförmig ist, sondern Überraschungen enthält.
OÖN: Welche Städte haben im vergangenen Jahr den Kulturtouristen Martin Heller angezogen?
HELLER: Ich liebe Hamburg sehr, wo ich auch stadtentwicklungsmäßig arbeite. Barcelona finde ich als Kulturstadt ausgesprochen interessant. Riga war für mich eine Neuentdeckung. Städte sind für mich grundsätzlich etwas enorm Spannendes und Wandlungsfähiges. Ich bin ein Stadtmensch.
Kulturhauptstadt-Intendant Martin Heller will den Pöstlingberg für ein Kulturpublikum anziehend machen. |
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