
Wien - Die Hoffnungen von Mumok-Direktor Edelbert Köb (67), dass sein im September 2010 auslaufender Vertrag verlängert werden könnte, haben sich zerschlagen: SP-Kulturministerin Claudia Schmied bestätigte die Standard-Meldung vom 26. Juni, nach der sie den Posten ausschreiben werde.
Bei einem Pressegespräch am Montagabend sagte sie, dass sie mit Köbs Arbeit zufrieden sei, aber "frische Impulse" für das Mumok wolle. Die Ausschreibung werde Ende der Woche veröffentlicht. Köb, der in New York weilte, zeigte sich in einer Aussendung "einigermaßen überrascht über den Zeitpunkt, vor allem aber über die Form und den Stil der Mitteilung".
Eigentlicher Grund für das Gespräch waren die neuen Museumsordnungen, die noch heuer als Verordnungen erlassen werden sollen. Die Entwürfe wurden den Beteiligten, darunter auch der Gewerkschaft und dem Finanzministerium, zugeschickt. Begutachtungsfrist ist der 27. Oktober.
Die Museumsordnungen enthalten einen allgemeinen, für alle Bundesmuseen gültigen Teil. Die Direktoren, die auf den Autonomiestatus der ausgegliederten Anstalten gepocht hatten, konnten sich mit betont vagen Formulierungsvorschlägen nicht durchsetzen: Künftig sind von ihnen "langfristige Museumskonzepte" zu erstellen, die dem Ministerium zur Genehmigung vorzulegen sind. Zudem werden "Rahmenzielvereinbarungen" abgeschlossen.
Gescheitert sind die Direktoren auch mit dem Vorschlag: "Das Museum wird von einem Geschäftsführer geleitet, der auf fünf Jahre bestellt wird." Denn Schmied legt sich nicht auf einen Zeitraum fest, zudem behält sie sich ausdrücklich vor, einen zweiten Geschäftsführer zu bestellen. Diese Option reicht Wolfgang Zinggl, dem Kultursprecher der Grünen, aber nicht: Seiner Meinung nach wäre es höchste Zeit, das Vier-Augen-Prinzip in den Bundesmuseen verpflichtend einzuführen.
Jede Museumsordnung hat auch einen besonderen Teil, in dem auf die Sammlungs- und Forschungsschwerpunkte der einzelnen wissenschaftlichen Anstalten eingegangen wird. Schmied will damit "Klarheit und Transparenz" schaffen. Zu einer erhofften Neuordnung der Sammlungen oder zumindest Strukturierung kam es nicht: Die Kernkompetenz der grafischen Sammlung Albertina ist zwar die Grafik und jene des Museums für angewandte Kunst die angewandte Kunst, aber trotzdem darf jedes Museum fast alles machen. Die Geschäftsführer müssen sich aber in der Direktorenkonferenz einigen, wer was sammelt.
"Die Überschneidungen gibt es und sie bleiben bestehen", gestand Schmied ein. Das Wort "Museumsreform" nahm sie dennoch mehrfach in den Mund. Sie hat auch nichts dagegen, wenn das Museum für angewandte Kunst eine Ausstellung mit angewandter Kunst ablehnt - und diese, kuratiert vom Direktor für moderne Kunst, daher im Belvedere realisiert wird.
Zinggl kritisierte, dass Schmied sich nicht getraut habe, ein Machtwort hinsichtlich der Sammlungsbestände der einzelnen Häuser zu sprechen. Und die APA stellte lakonisch fest: "Die vom Ministerium in einer Grafik anschaulich dargestellten Kompetenz-Überschneidungen werden nicht beseitigt, sondern einzementiert." (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 30.09.2009)