Salzburger Nachrichten am 7. März 2005 - Bereich: kultur
Aussichten für die Zukunft

Der "Bétonsalon" im Wiener Museumsquartier ist ein Projekt, bei dem Studierende von Kunstuniversitäten die Ausstellungswirklichkeit üben können.

WIEN (SN-mo). Der Raum mag klein sein, die Wirkung aber könnte um so größer ausfallen: im Wiener Museumsquartier (MQ) wurde am Freitag der "Bétonsalon" im Bereich des "quartier 21" eröffnet. Das "quartier 21" ist der Bereich für junge, experimentelle Kunstkonzepte aus allen erdenklichen Genres.

Im "Bétonsalon" werden seit Samstag, in Zukunft junge Künstler ausstellen, die noch an der Akademie der bildenden Künste oder an der Universität für Angewandte Kunst oder an der Kunstuniversität Linz studieren oder deren Absolventen sind: es steht ihnen mit der neuen Einrichtung ein Ausstellungsraum im Zentrum Wiens zu Verfügung, eine "autonome Ausstellungsplattform der Kunstuniversi- täten", wie der Initiator und Leiter des Projekts, der Künstler Georg Leutner bei der Präsentation am Freitag sagte. Dieser Raum soll dabei helfen, den für bildende Künstler besonders heiklen Übergang von den Hochschulen in die Praxis zu schaffen.

Den Nachwuchsgezielt fördern Der neue Ausstellungsraum, der gezielt der Förderung des an den Kunstuniversitäten ausgebildeten Nachwuchses gewidmet ist, wurde im "quartier 21" dort eingerichtet, wo bisher die Bundesländer ihren Ausstellungsraum "A9" hatten. Dessen Vertrag ist, wie im "quartier 21" üblich, ausgelaufen. Georg Leutner ergriff die Initiative, hier den "Bétonsalon" einzurichten, auf Grund seiner Erfahrung mit einer identischen Einrichtung dieses Namens in Paris, die er dort ebenfalls 1993 ins Leben gerufen hatte. Der "Bétonsalon" Paris liegt mitten im Galerienviertel und gibt österreichischen Studenten und Absolventen der Kunstuniversitäten die Chance, ihre Arbeiten im Zentrum dieses Kunstmarktes vorzustellen. Nicht zuletzt sollen Galeristen auf die Arbeiten junger österreichischer Künstler aufmerksam werden. Der Pariser Salon wird unterstützt vom Kunststaatssekretariat in Wien und vom Österreichischen Kulturforum in Paris; auch beim Wiener Projekt ist das Kunststaatssekretariat mit 20.000 Euro im Jahr dabei.

"Das Projekt möchte Studierenden und Absolventen den Schritt von der Ausbildung zum Beruf und der Positionierung auf dem Kunstmarkt erleichtern", sagte Leutner. Die Künstlerinnen und Künstler, die von den Leitern ihrer Klassen für eine Ausstellung im "Bétonsalon" vorgeschlagen werden, können ihre Arbeiten dort eine bis vier Wochen lang zeigen. Vorläufig sind nur die beiden Kunstuniversitäten in Wien und jene in Linz am "Bétonsalon" beteiligt. Kunststaatssekretär Morak zeigte sich begeistert und sprach davon, auf diese Weise die "Internationalisierung" der österreichischen Kunst fördern zu wollen.