Feldkirch (VN-ag) Über mehrere Jahrzehnte hat Irmengard Schöpf in
aller Stille und künstlerischer Konsequenz, fernab von den rasch
wechselnden Moden und Stilen des Kunstbetriebs, ein Œuvre
entwickelt, das mehrere tausend Werke umfasst.
Nach einer Ausstellung im Rohnerhaus vor zwei Jahren zeigt die
1923 in Lauterach geborene, in Tirol lebende Künstlerin nun in der
Feldkircher Villa Claudia einen Ausschnitt aus dem grafischen
Schaffen der letzten Jahre.
Lebendige Glaubenswelt
Zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Poesie und Politik,
zwischen Tirol und Ostafrika, wo sie viele Jahre gelebt hat, hat
Irmengard Schöpf nie den Menschen aus ihrem Fokus verloren.
In ihrer Bildsprache thematisiert sie sowohl gesellschaftliche
als auch ethische Belange. Gerade die kleinformatigen, von der
UnmittelbarkeitdeszeichnerischenStrichs getragenen Papierarbeiten
eröffnen einen reichen Kosmos an philosophischen und religiösen
Fragestellungen. Seelische Zustände und aktuelle Ereignisse münden
in Bildfolgen, in denen für die Künstlerin die "Umkehr nach Innen"
immer wichtiger wird. In der Reihe der "Psalter", die den Betrachter
an der lebendigen Glaubenswelt der Künstlerin teilhaben lassen,
manifestiert sich diese Umkehr besonders deutlich. Aus der Nähe zu
Wortgefügen (und mit deutlichen kalligrafischen Anklängen) entstehen
fein gestrichelte, in Schwingung transformierte Pendants zum
meditativen Ausdruck von Gebeten.
Aufruf zur Erinnerung
Ein eigener Raum in der Villa Claudia ist mit der Serie "Die
Kinder vom Spiegelgrund" dem eindringlichen Aufruf zur Erinnerung
gewidmet. Im kleinen Format, vornehmlich mit schwarzem, konzentriert
eingesetztem Tuschestrich, thematisiert Irmengard Schöpf in diesen
Blättern die zwischen 1940 und 1945 verübten Verbrechen der
Nationalsozialisten an behinderten Kindern in der Heil- und
Pflegeanstalt "Am Steinhof", genannt "Am Spiegelgrund".