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Kunstberichte
Das "museum fluxus+" in Potsdam ist weltweit das einzige seiner Art

Ein Museum, das gar keines sein dürfte

Constantino Ciervos Installation "Profit" prangert die Gier nach selbigem und die Globalisierung an; in seinem Büro thronen Weltkugeln, gefüllt mit Schnipseln. Foto: Matras

Constantino Ciervos Installation "Profit" prangert die Gier nach selbigem und die Globalisierung an; in seinem Büro thronen Weltkugeln, gefüllt mit Schnipseln. Foto: Matras

Von Silvia Matras

Aufzählung Eigentlich wollte sich die Kunstrichtung Fluxus nie in einem Museum wiederfinden. Denn sie war – und ist weiterhin – ein Protest gegen Kommerzialisierung und Musealisierung der Kunst. Dennoch: Im Potsdamer "museum fluxus+" gelingt es, den nicht leicht fassbaren Begriff wenn auch nicht zu fassen, so doch immerhin nachvollziehbar zu machen.

Befragt man die einzelnen Künstler, was Fluxus sei, so verweigern sie eine Antwort. "Fluxus" heißt "Fluss, Bewegung" – ist also etwas, das sich dauernd ändert und sich einer Definition widersetzt. Deshalb ist der Versuch, ein Fluxus-Museum zu gründen, auch durchaus kühn.

Basis der ausgestellten Objekte und Bilder ist die Sammlung von Heinrich Liman. Im Erdgeschoß werden Theorie und Praxis der Fluxus-Kunst aufgearbeitet. In riesigen Buchstaben ist an der Wand zu lesen "Leben=Kunst=Leben".

Korrumpierte Kunst

Also doch eine Art von Definition! Hier erfährt man von den Anfängen der internationalen Bewegung, die um 1960 von New York ausging und bald ganz Europa erfasste. Fluxus löste in Aktionen, Konzerten, Videoinstallationen die Grenzen zwischen Leben und darstellender sowie bildender Kunst auf und agierte mit Gegenständen und Geräuschen aus dem Alltag.

Von den bekanntesten Fluxuskünstlern, wie zum Beispiel Ben Patterson oder Nam June Paik, sind die wichtigsten Werke ausgestellt. In ironischer Verflechtung von Kunst und Banalität wird das Kunstobjekt von seinem ästhetischen Anspruch befreit und einer neuen Bedeutung zugeführt – dem herrlich unsinnigen Unfug. Wie etwa in Ben Pattersons "Hasenorchester" oder Paiks "Dharma Wheel Fluxus".

Die zentrale Stelle unter den Museumsexponaten nehmen jedoch die Werke von Wolf Vostell (1932-98) ein. Da sind seine berühmt gewordenen TV-Installationen zu sehen, wie etwa die "Berlinerin": In einer weiblichen Bronzestatue, die an griechische Göttertorsi erinnert, ist ein kleines TV-Gerät installiert und der Arm durch eine Trinkflasche ersetzt. Banalität korrumpiert die "hohe" Kunst. Als Maler beeindruckt Vostell wegen seiner kompromisslosen Grausamkeit.

Gelebte Einheit

Was aber das Plus-Zeichen hinter dem Namen des Museums zu bedeuten hat? Es weist auf die Wechselausstellungen im Atrium hin. Zurzeit werden Werke des in Brandenburg lebenden Künstlers Lutz Friedel gezeigt, unter anderem dessen berühmte Holzköpfe. Ein weiteres Plus des Museums sind der äußerst witzig und bunt gestaltete "art+life-shop" und das Café, von dem man einen herrlichen Blick auf den "Tiefen See" hat. Motto und Gestaltungswille dieser beiden Einrichtungen: "Leben=Kunst" oder "Kunst=Leben".

Also ganz im Sinne der Fluxus-Bewegung.

Aufzählung Ausstellung

museum fluxus+

Schiffbauergasse 4f, Potsdam http://www.fluxus-plus.de Die Werke von Lutz Friedel sind noch bis 17. Mai im Atrium zu sehen.

Printausgabe vom Freitag, 24. April 2009

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