Über Türen und deren Funktion hat sich Richard
Artschwager nicht nur im Zusammenhang mit dem hydraulischen Türschließer
viele Gedanken gemacht. Mit diesem verbindet sich ein Wechsel der
Betrachtung zwischen dem Offenen und Geschlossenen. In Artschwagers Fall
vor allem des Verschlossenen.
Denn grundsätzlich entziehen sich seine von Möbelstücken
abgeleiteten Objektformen einer Qualifizierung. Es handelt sich weder um
funktionierende noch um funktionslose Stücke. In einem übergeordneten Sinn
dienen sie als Modell für das, was der Künstler unter einer "Denkstation"
versteht.
Eine Tür mit seitlich applizierten plastischen
Anführungszeichen führt in einen Pseudoaufzug, eine Kammer
("Janus III"). In anderen Fällen hat Artschwager große Frage- und
Rufzeichen in den Raum gestellt. 1971 sprach er von einem Raum als
Abstraktion. Sie entstehe "ganz natürlich aus unserer Betrachtungsweise",
dem "Hineinschauen, Durchschauen (vielleicht auch durch-schauen?, Anm.),
Gehen, Öffnen, Schließen, Sitzen, über das Sitzen nachdenken, vorbeigehen
u. s. w.". - Zum Nachdenken über das Sitzen soll ein
großdimensioniertes, thronartiges Objekt laden. Aus Panelplatten und
Eichenfurnier gefügt, Bank-Atmosphäre ausstrahlend, will das als
"Haltestelle" bezeichnete Konglomerat als eine Art Meditationsort dienen.
Vielleicht auch das vom "Zugänglichen ins Unzugängliche" führende Stück
"L'Arbre Chez Lui" aus Holz, Acryl, Metall und einem Bäumchen an Stelle
des "Säulenheiligen", an den sich vor diesem Gebilde denken ließe.
Der gelernte Möbeltischler Artschwager ist ein Meister
des Gegenstands, "der etwas zelebriert", seit er 1960 von der katholischen
Kirche einen Auftrag für Schiffsaltäre annahm. Die Simulation des Sakralen
bestimmt auch andere Stücke. Tarnen und Täuschen zählt zu seiner Technik,
unter Verwendung des Trompe-l'oeil-Effekts. Mitunter erreicht er dabei die
Grenze des Erträglichen.
Resopal, Holz, die Camouflage bestimmen seine Sessel,
Tische, Pulte, Truhen und Wandobjekte. Holz als solches läßt er nur in
seiner 14teiligen Ansammlung von Kisten, den "Crates", gelten. Die sehen
aus wie die für Bildtransporte gezimmerten Behälter. Die Holzmaserungen
sind hier echt, nicht aufgemalt wie das Marmorierte in anderen Fällen.
Übrigens tritt Artschwager in dieser Stadt nicht zum
ersten Mal auf. Als Sohn eines in die USA emigrierten ostpreußischen
Botanikers und einer dem Künstlerischen zugewandten Ukrainerin war er am
Kriegsende bei der Ardennenoffensive dabei. Über das Hauptquartier
Eisenhowers in Frankfurt am Main kam er nach Wien. Dort heiratete er eine
Österreicherin und kehrte 1947 Europa den Rücken. Was er seit den
sechziger Jahren hervorbrachte, überschwemmte zeitweise die Märkte.
Der etwa vier Jahrzehnte umfassende Werküberblick läßt
erkennen, daß es nicht nur die mächtigen, häufig aufdringlich ummäntelten
Objekte sind, von denen eine "Resonanz zwischen zwei Zuständen" ausgeht.
Häufiger sind es die bescheideneren, minimalistischen skulpturalen Mittler
eines Dazwischen, die den Betrachter anziehen. Vielfach entsprechen sie
einem Katalog von 53 Zeichnungen, einem 1974/75 entstandenen Zyklus,
dessen Teile oft mehr "erklären" als die Objekte selbst.
Bis 16. Juni, Di. 10 bis 24 Uhr, Mi. bis So. 10 bis
18 Uhr.
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