Salzburger Nachrichten am 17. Juni 2005 - Bereich: kultur
Lust auf Investition in Kunst

270 Galerien auf der weltgrößten Kunstmesse, der "Art Basel"

BASEL (SN, dpa). Während das Wirtschaftswachstum in der EU lahmt, ist auf dem Markt für moderne Kunst keine Flaute zu spüren. Auf der "Art Basel", der weltgrößten Messe für zeitgenössische bildende Kunst, werden nach sieben Jahren Expansion heuer neuerlich Umsatzzuwächse erwartet. Die Investitionsbereitschaft der Händler, Sammler und Kunstliebhaber sei ungebrochen, berichtet der Leiter der Messe, Samuel Keller.

Auf der "Art Basel" präsentieren 270 Galerien seit Mitte dieser Woche bis 20. Juni Werke von mehr als 1500 Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts. Österreich ist mit neun Galerien vertreten: Atelier (Graz), Ernst Hilger, Martin Janda, Georg Kargl, Christine König, Krinzinger, Mezzanin und nächst St. Stephan (aus Wien) und Thaddaeus Ropac (Salzburg). Mehr als 50.000 Besucher werden erwartet.

"Der Kunstmarkt bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau", sagte Keller. "Es wird viel gekauft, und es werden hohe Preise gezahlt." Vor allem in dem für die Verkäufer lukrativen hochpreisigen Bereich gebe es eine große Nachfrage. Der Markt werde, wie bereits in den Vorjahren, von zahlungskräftigen Käufern aus den USA sowie aus Asien bestimmt. Hingegen schrumpften der deutsche und der italienische Markt geringfügig.

"Wegen der vergleichsweise unsicheren Situation an den Börsen und nach dem Terror-Schock vom 11. September 2001 haben viele Geschäfts- und Privatleute die Kunst als sichere Geldanlage entdeckt", erläuterte Keller. Zwar stehe die Leidenschaft beim Kunstkauf im Vordergrund, die Wertsicherheit der Investition spiele aber eine immer größer werdende Rolle. Dies sei der Branche in den vergangenen Jahren zugute gekommen.

Große Meister statt Experimentalkunst Besonders im Trend liegen nach Angaben Kellers die junge, europäische Malerei sowie der Bereich Fotografie. "Nachgefragt werden nicht nur die Werke großer Meister, auch Arbeiten noch unbekannter Künstler sind begehrt." Für Experimentalkunst oder aufwändige Installationen, etwa mit Videotechnik, sei hingegen das Interesse gering. "Unsere Erfahrung zeigt, dass die neuen Darstellungsformen die klassische Kunst nicht verdrängen, sondern lediglich ergänzen", sagte er.