Das Essl Museum widmet sich der legendären Malergruppe "CoBrA"
In den wilden Gefilden des Unwillkürlichen
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Scheinbar dem Unbewussten abgetrotzt: Appels "The Whirling Sun", neben
weiteren farbstarken Werken in Klosterneuburg zu sehen. Foto: Franz
Schachinger/Karel Appel Foundation
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Was als Revolte in der Kunstwelt begann, ist in die Jahre gekommen.
1948 entstand die Malergruppe "CoBrA", deren Name die Heimatstädte
ihrer Gründer komprimiert: Asger Jorn (Kopenhagen), Pierre Alechinsky
(Brüssel) und Karel Appel (Amsterdam) schworen in der Nachkriegszeit
dem etablierten Kunstkanon ab.
60 Jahre später zeigt nun die Sammlung Essl unter dem Titel "post
CoBrA" ihre umfangreiche Sammlung der Gruppe, von der heute nur noch
der 1927 geborene Alechinsky lebt. Kurator der Schau ist mit dem
langjährigen Direktor des Stedelijk-Museums in Amsterdam, Rudi Fuchs,
ein Spezialist. Angesichts der Fülle der Exponate – immerhin an die 60
Arbeiten – bezeichnet er sich aber nur als Koch, der mit guten Zutaten
eine kulinarische Hängung geschaffen hat.
Da bebte die Leinwand
Understatement ist hier aber nur die Sache des Kurators: Die drei
Maler waren seinerzeit gewillt, die verkrusteten Strukturen der Kunst
zu sprengen. Der Postkubismus des alternden Picasso war ihnen zu
statisch geworden, also versuchten sie, spontan und stillos zu agieren.
Ihre Vorbilder waren die Kunst von Kindern, von "Primitiven" und
Geisteskranken. Man kann den Sprung in eine neue Ära am besten im Werk
des "Vaters" der Gruppe, Asger Jorn, sehen: Sein Frühwerk ist ein
Abglanz von Paul Klee oder Marc Chagall, doch ab Beginn der 50er Jahre
malt er mit purem Eigensinn "Wippernymphen am Bahnhof" als Kopffüßler
in grellbunten, dick aufgetragenen Farben.
Im Essl Museum zeigt ein Film, wie spontan und eruptiv – scheinbar
aus dem Unterbewusstsein, in einer Art Kampf mit dem Material und der
unter ihrem Pinsel bebenden Leinwand – die drei Gründungsmitglieder der
später größeren Gruppe arbeiteten. Immer noch zieht der Aufbruch von
"CoBrA" in die Gefilde des Unwillkürlichen junge Künstler an –
mittlerweile bereits die dritte Generation. In Österreich haben neben
den Aktionisten vor allem die Gruppe "Wirklichkeiten" und die jungen
wilden Maler der 80er Jahre diese Weiterentwicklung des Expressionismus
übernommen.
Stillosigkeit wird Stil
Bei Jorn spielen nordische Mythen eine Rolle, bei Alechinsky, der
heute teppichartige Kompositionen malt, ist es die Kalligrafie des
Ostens – bei Appel das Spiel mit meist grellen Kontrastflächen.
Heute sieht die Kunstgeschichte die Stillosigkeit der Gruppe
freilich schon wieder als typischen Individualstil: "CoBrA" steht nicht
mehr isoliert für sich, sondern ist einfach nur an die Spitze der
wilden Malerei zu reihen. Die Konfrontation von alten und neuen Werken
der drei Künstler kommt im Essl Museum übrigens ganz ohne Leihgaben
aus. Auch wenn einige Bilder durch das "KunstHaus", das Kunstforum und
die Galerie Ulysses in Wien bekannt sind: Die Fülle – etwa an frühen
Jorns – überrascht.
Ausstellung
post CoBrA –
Alechinsky Appel Jorn Rudi Fuchs (Kurator) Essl Museum Klosterneuburg http://www.sammlung-essl.at Bis 16. August
Printausgabe vom Samstag, 24. Jänner 2009
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