Pragmatische Lösungen

"Ich bin nicht interessiert daran, das Angebot an Ausstellungsflächen in dieser Stadt zu vergrößern", erteilte Edelbert Köb allen Überlegungen, das "20er Haus" als weitere Ausstellungshalle nutzen zu können, eine Absage.


Neun Prozent des Sammlungsbestands werden auf der derzeit laufenden, von Köbs Vorgänger Lorand Hegyi konzipierten, Eröffnungsschau "Die Sammlung" gezeigt. Mit der Schaffung von Raum für Wechsel-Ausstellungen werden die Möglichkeiten für die Sammlungspräsentation naturgemäß um über 1.000 Quadratmeter weniger.

Man will sich auf die Präsentation wesentlicher Sammlungsteile beschränken. Diese sollen aber vertiefend - auch mit Archiv- und Dokumentationsmaterial- gezeigt werden. Hingegen soll im Kuppelsaal und einem darunter liegenden Studioraum in wechselnden Präsentationen auf die Breite der Sammlung und deren Highlights aufmerksam gemacht werden soll.

Eröffnung am 4. September

Eröffnet wird der Ausstellungsbetrieb in der neuen Wechsel-Ausstellungshalle auf Ebene 6 am 4. September mit einer "Antonin Artaud (1896-1948)" gewidmeten Schau.

Die von Cathrin Pichler kuratierte umfassende Ausstellung war ursprünglich für den "steirischen herbst" konzipiert worden. Aus verschiedenen, nicht zuletzt finanziellen Gründen, wurde sie verschoben und zieht nun ganz nach Wien ab. Im Dezember folgt eine umfangreiche Ausstellung für Heimo Zobernig. Ab Februar 2003 wird dann eine umfassende Werkschau des kanadischen Künstlers Jeff Wall zu sehen sein.

"Fokus"-Programm

Im verbleibenden "Museumsbereich" werden unter dem Titel "Fokus" künftig im jährlichen Wechsel wissenschaftlich bearbeitete Teile der Sammlung präsentiert. "Fokus 1" ab 19. Juni dieses Jahres soll die Sammlungsschwerpunkte zeigen, die das Haus auch international auszeichnen. Pop Art und Hyperrealismus, Fluxus und Nouveau Realisme und Wiener Aktionismus. Bei "Fokus 2" will man dann die in der Sammlung vertretene Kunst der 60er und 70er Jahre präsentieren.

Die für die "Factory" im Untersten Geschoss vorbereitete Reihe beginnt am 4. September mit einem Ausstellungsprojekt von Jason Rhoades. Dem folgt eine Schau der Afroamerikanerin Kara E. Walker (Die Künstlerin gestaltete 1998/99 den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper.). Danach bereitet Rainer Fuchs eine Präsentation von Videokunst aus Polen vor.

Klassische Moderne im "20er Haus"

Neue Möglichkeit einer musealen Sammlungspräsentation bietet das "20er Haus", das Direktor Köb nach dem Auszug des Museums aus dem Pavillon im Schweizergarten zurückerobert hat. Hier soll ein Museum der klassischen Moderne entstehen. Gemeinsam mit der Österreichischen Galerie als logischem Partner, die ebenso wie das "mumok" das Problem hat, ihre Sammlung vor allem der internationalen Moderne ausreichend zu präsentieren. Vor allem biete das ehemalige (und künftige) "Museum des 20. Jahrhunderts" Platz für die Skulpturen-Sammlung.

Neukonzeption aus Beständen

Die Neukonzeption sei pragmatisch aus den bestehenden Sammlungsbeständen herausgearbeitet. Sie sei im Rahmen der Museumsordnung und deren historisch gewachsenen Leitlinien erfolgt: "Wenn alle in diesem Rahmen handeln und agieren würden, würde sich eine klare Museumslandschaft ergeben. Da gäbe es auch das Gedränge im Wiener Ausstellungsbetrieb nicht", betonte Edelbert Köb.

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