Neue Karten braucht die Welt

In Animationen, wird im Rahmen der Ars Electronica die Welt, ökonomisch, ökologisch und politisch neu kartografiert.
Von Andreas Wolf.


Eines der inhaltlichen Standbeine der Ars Electronica ist das Weltkarten-Projekt "Change The Map". Gezeigt werden aktuelle Weltprojektionen, in denen der nationalstaatlich legitimierten Geografie die Wechselwirkungen und Bruchstellen unserer modernen Informationsgesellschaft überlagert werden: Cybergrafien einer Welt der Daten- und Informationssysteme, deren Meridiane die ökonomischen, ökologischen und politischen Kraftlinien sind. Künstler als Kartographen.

"Change the Map" / ©Bild: Sabine Starmayr

  • Mehr über die allgemeinen Hintergründe der Weltkartenleiste bei der Ars Electronica in kultur.ORF.at

Zwei Beispiele

Neunzig Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den hundert weltgrößten Konzernen, sitzen in mindestens einem anderen Aufsichtsrat, der ebenfalls hundert größten Konzerne. Ein Öltanker wurde auf den Namen der amerikanischen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice getauft, weil sie vor ihrem politischen Amt einen Aufsichtsratsposten bei Chevron hatte. Der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney, als auch Präsident George Bush waren Manager in der Ölindustrie. Welche außenpolitischen Prioritäten lassen sich an diesen Fakten ablesen? Vielleicht ist doch etwas dran, dass eine kleine Gruppe von Menschen in Wahrheit die ganze Welt regiert?

"They Rule"

In seiner Arbeit thematisiert der neuseeländisch/amerikanische Künstler Josh On, die personellen Querverbindungen zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht. "Ich sehe 'They Rule' nicht vorrangig als künstlerisches Projekt. Ich wollte auch Ideen zur Informationsvisualisierung und das Internet als soziales Konstrukt erkunden. Ich wollte die gegenseitigen Beziehungen der regierenden Klasse offen legen", sagt der Computerkünstler.

Weltkarten: They Rule / ©Bild: Josh On Futurefarmers
Weltkarten: They Rule / ©Bild: Josh On Futurefarmers

Visualisiert hat Josh On die Beziehungsgeflechte von Institutionen und Namen mit Linien. Um manche Personen verdichten sie sich und bilden so ein Gravitationszentrum der Macht, das mit den anderen Paralleluniversen der wirtschaftlichen und politischen Macht, verbunden ist.

Die Welt schrumpft mit der Geschwindigkeit

Zwischen fünf Servern, die in Los Angeles, im nabischen Windhuk, in Daressalam, der Hauptstadt Tansanias, im indischen Mumbai und im kirgisischen Bischkek stehen, kreist ein Signal. Abhängig vom Ausbau und Zustand der Netze und Leitungen benötigt das Signal unterschiedliche Zeitspannen für gleiche räumliche Distanzen. Die gemessenen Zeitabstände, die das Signal von einem Server zum anderen braucht, werden mit den realen geographischen Entfernungen abgeglichen und auf eine Weltkarte übertragen.

Dort wo die Signale schnell vorankommen, schrumpfen die Entfernungen. Wo die Signale lange brauchen, werden die Distanzen gedehnt. Das Ergebnis von Thomas Feuersteins Arbeit, ist eine Welt in der Nordamerika fast schlauchartig dünn ist. Europa ist zu einem Mini-Wurmfortsatz von Asien und Afrika geschrumpft. Während sich Afrika vor allem um den Äquator in die Breite zieht. Im Vergleich zur realen Weltkarte hat Asien seinen Umfang fast verdoppelt.

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