
In der Neuen Galerie, wo die Karriere des damals 26-jährigen gebürtigen Grazers einst begann, hat man nun die Gelegenheit, fast 30 Jahre Schmalix – von frühen Stillleben über besagte Christusbilder bis hin zu streng geometrischen Stadtansichten aus den Neunzigern – Revue passieren zu lassen. Gleich am Eingang der Ausstellungsräume hängt das Bild "14 Zigaretten" aus dem Jahr 1976, das für den langjährigen Leiter der Neuen Galerie, Wilfried Skreiner als Initialwerk der "Neuen Malerei in Österreich" galt. "Junge Wilde" wurden jene Maler, die es sich Ende der 70er und Anfang der 80er nicht nehmen ließen, wieder zum Pinsel zu greifen und es auf den aus der Mode gekommenen Tafelbildern krachen zu lassen, damals genannt: Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch oder Alois Mosbacher waren neben Schmalix Vertreter der besonders in der Steiermark angestachelten Bewegung.
Wirklich "wild" waren aber die meist in Formen und Farbe durchkomponierten Bilder von Schmalix eigentlich selten. Dafür war der Stil des inzwischen seit 20 Jahren in Kalifornien lebenden Künstlers aber unbestrittenermaßen immer neu – im Sinne von eigenständig und sich selbst immer weiter entwickelnd. Und er behielt sich stets die Freiheit vor, sich selbst und seiner Ölfarbe treu zu bleiben.
Die Kuratorin der Retrospektive und heutige Leiterin der Neuen Galerie, Christa Steinle, konnte bei der Eröffnung am Freitag selbst auf die Geschichte des heute 54-jährigen Künstlers zurückblicken – war sie es doch, die 1978 seine erste Personale am selben Ort kuratierte.
Heute einer der bedeutendsten österreichischen Maler, war Schmalix damals frisch gebackener Absolvent der Wiener Kunstakademie. Von staatlichen Kunstschulen oder Kunst-Unis hält Schmalix, der 2006 nach vielen Jahren seine Professur an der Wiener Akademie der Bildenden Künste zurücklegte, wenig: "Ich glaube, eine Kunstschule sollte im besten Fall ein Ort sein, wo einfach viele Menschen zusammenkommen und sich austauschen. Man kann nicht auf einem Podest stehen und sagen, wie Kunst zu sein hat, denn Kunst ist immer anders."
In den USA seien es vor allem private Schulen, an denen Kunst mehr oder weniger "unterrichtet" werde: "Ich glaube das ist die Zukunft der Kunstschulen, auch in Europa." Ähnlich kritisch und "immer problematischer, je länger ich aus Österreich weg bin", sieht Schmalix das Verhältnis zwischen Kunst und Politik. Auf die Frage des Standard, ob ihm die neue österreichische Kulturministerin schon vor ihrem Amtseintritt ein Begriff gewesen sei, meint Schmalix: "Ich kenne sie nicht einmal jetzt, wer ist das denn?"
Je weniger sich der Staat und staatliche Institutionen in die Kunst einmischten, desto besser für Letztere, meint der Maler, der 1987 nach Los Angeles kam – ursprünglich, um ein halbes Jahr zu bleiben – und hängen blieb. Auch der Brauch, dass Politiker Ausstellungen eröffnen, käme einem von Amerika aus betrachtet reichlich seltsam vor. Doch bei seiner bis 15. April geöffneten Schau in Graz ging es freilich nicht ohne Kulturlandesrat. (Colette M. Schmidt/ DER STANDARD, Printausgabe, 13.02.2007)