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„Paracelsus“ als Lebensaufgabe

Skulptur für Salzburg. Der „Paracelsus“ aus Bronze hat den Bildhauer Josef Zenzmaier 25 Jahre lang beschäftigt. Nun steht die Skulptur im Hof des Salzburg Museums.

Gudrun Weinzierl Salzburg (SN). Die Privatmedizinische Universität in Salzburg trägt seinen Namen, ein Bad der Stadt Salzburg ist nach ihm benannt, wo auch sein Leben und Werk von einer Gesellschaft erforscht wird: Paracelsus. Der aus Einsiedeln stammende Theophrast Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, lebte 1524/25 und in seinem Todesjahr 1541 in Salzburg. Seine Aufenthalte waren hier – wie in anderen Städten – kurz. Denn sein Leben war durch Wandern und Auf-dem-Weg-Sein bestimmt.

25 Jahre lang hat sich der Salzburger Bildhauer Josef Zenzmaier mit der Figur des Paracelsus beschäftigt. Seit gestern, Dienstag, steht die rund drei Meter hohe Bronzeskulptur im Hof des Salzburg Museums in der Neuen Residenz.

„Paracelsus war ein Renaissancemensch, der suchte, der dem Überlieferten, dem tradierten, sicher geglaubten Wissen misstraute, der um Erkenntnis rang, der auch nach Missratenem voranschritt“, beschreibt der Bildhauer Josef Zenzmaier die Idee zur Gestaltung seines „Paracelsus“.

Ähnlich wie beim „Heiligen Virgil“ im Salzburger Bildungshaus St. Virgil, den Josef Zenzmaier als sein bisher wichtigstes Werk bezeichnet, visualisiert der Künstler mit dem „Paracelsus“ das Schreiten des Menschen. Darin wird Existenz sichtbar gemacht, und darin vertieft sich das Sein eines Individuums. „,Virgil‘ stößt sich mit einem Bein ab und sucht mit dem anderen einen Grund, thematisch geht es darum zu schauen, wo man auftritt“, sagt Josef Zenzmaier im SN-Gespräch. „Auch das Schreiten bei ,Paracelsus‘ ist nicht das selbstbewusste, von einem, der alles besser kann, sondern der oft verzweifelt sucht, sich nicht aufgibt und an einer Sache festhält.“

Paracelsus’ Spruch „Ich habe mein Wissen nicht an Universitäten gelernt, sondern mein Wissen erwandert“ kommt der Kunstauffassung Josef Zenzmaiers nahe. Nicht in Theorie und akademischem Unterricht sieht er die Grundlagen, um Kunst zu schaffen, sondern im „Anschauen der Welt“ und in der Arbeit in Werkstätten und Ateliers.

Oskar Kokoschka und Giacomo Manzú waren ihm wichtige Mentoren. Die Begegnung mit Oskar Kokoschka bei der Salzburger Sommerakademie beschreibt er als Schlüsselerlebnis: „Die Leidenschaftlichkeit Kokoschkas war von einer Art, die Welt durch und durch anzuschauen, sich von ihr nähren zu lassen. Er stand über den Zeiten, kam von den alten Griechen, denn das Existenzielle bleibt und muss stets neu verarbeitet werden.“

Als Josef Zenzmaier zu Giacomo Manzú an die Akademie in Mailand wollte, nahm dieser ihn mit in seinen Werkstattbetrieb. Auch Manzú war der Kunsttheorie abgeneigt und sagte: „Geht nicht an die Akademien, dort werdet ihr nur verdorben, denn Kunst kann man nicht lernen, sondern muss man erfahren“, erzählt Zenzmaier. Diese Auffassungen nahm er mit für seine lange Lehrtätigkeit an der Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg und in den Tennengauer Kunstkreis, den er 1970 begründete.

Schüler habe er nie wirklich gehabt, sondern es waren Menschen, deren Wege sich gestreift haben, erläutert Josef Zenzmaier. Dabei habe seine Technik des Bronzegusses mit der verlorenen Form, die er in Italien nach altem Vorbild erlernt habe und die von keiner österreichischen Gießerei praktiziert worden sei, besonders interessiert.

In diesem Wachsausschmelzverfahren sind alle seine Bronzeplastiken gegossen, auch der rund 800 Kilogramm schwere Hohlguss des „Paracelsus“. Dessen Gestaltung hat Josef Zenzmaier seit 25 Jahren beschäftigt. „Einmal ist sogar das fertige Wachsmodell vor dem Gießen abgebrannt, und ich musste neu beginnen“, erzählt er. Auch Krankheit, finanzielle Engpässe und Mangel an Elan haben den „Paracelsus“ zu einer Lebensaufgabe werden lassen.

„Dennoch bin ich darüber froh. Diese Arbeit ist nicht nur die Umsetzung einer vor langer Zeit gefundenen Idee, sondern ein Zusammenspiel von Bewegungselementen, von Details, die mehr sind als ihre Addition. Im rau belassenen, nicht gefeilten oder geschliffenen Zustand trägt die Figur auch ihr Nervenkleid äußerlich sichtbar.“

Der Hof des Museums ist ein provisorischer Standort. Ein endgültiger wird gesucht. Er wünsche sich einen ruhigen Ort, wo man an die Figur herangehen, sie fühlen und darüber reflektieren könne, sagt der Künstler. Denn ein Konterfei des berühmten Arztes sei sein „Paracelsus“ nicht.

Kultur / 18.11.2009 18.11.2009 / Print

 
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