04.02.2003 19:28
Architektur im "Dampfer"
MAK-"Kapitän" Peter Noever bestimmt den Kurs für 2003
Wien - Der "Dampfer" MAK, der mit einem
Ausstellungsbudget von 1,69 Millionen Euro (2002, davon 190.000 Euro
Fremdmittel) weit unter seiner Manövrierfähigkeit auf Fahrt gehalten wird, hat
zunächst eines erreicht: Der Urheberrechtsstreit mit dem Frankfurter Museum für
angewandte Kunst um die Kurzform "MAK" ist gewonnen.
Und damit,
argumentiert Peter Noever, sei klargestellt, dass "MAK" eine Trademark sei, ein
international bekanntes Symbol für sein Haus, das Ausstellungen produziert, sich
einmischt, und zudem, so Noever, einen "Fluchtpunkt" darstelle, "dem Lärm der
Welt zu entkommen".
Und der Kapitän belegte seine Selbsteinschätzung mit
den Manövern "Acconci", das vor gut zehn Jahren das MAK verdoppelte, und damit
womöglich eine Murinsel als Folge zeitigte, "Gironcoli", dessen Werk Jahre nach
der MAK-Doppelpersonale zur Biennale nach Venedig verfrachtet wird, und "Judd",
der für seine MAK-Personale '91 ein Manifest gegen den Golfkrieg verfasste, das
jetzt ob der neuerlichen Kriegsgefahr eine Neuauflage (Hatje Cantz)
erfährt.
Der Kurs 2003 sieht vor, bei den Architekten Zaha Hadid (ab 14.
5.), Greg Lynn (ab 10. 9.) und Farshid Moussavi (ab 21. 5.) zu halten, und das
Lebenswerk der Maler Kurt Kocherscheidt (ab 25. 6.) und Otto Mühl (ab 3. 12.) zu
kreuzen. Ein weiterer Halt gilt dem Preis der Schönheit, einer
Aufarbeitung der 100-jährigen Geschichte der Wiener Werkstätten mit Heimo
Zobernig am Ruder (vom 26. 11. 2003 bis 29. 2. 2004 ). Der Aktivitäten des
Stammschiffs nicht genug, plant die Tochterfregatte Schindler-Haus, die
Nachbarschaft in L.A. zu besetzen. Unmittelbar neben dem Architekturjuwel soll
ein Wohnkomplex entstehen, "der die Aura zerstört und das Haus wesentlich
beschädigt".
Peter Noever konnte 50 Architekten motivieren,
Alternativpläne für das Grundstück zu entwerfen, um derart Druck auszuüben, auf
dass sich doch noch Geld findet, eine Schändung zu verhindern, wie sie
vergleichsweise in Wien das Wittgenstein-Haus irreparabel erfahren musste. Und:
Der SOS-Ruf, trotz Finanzkrise die Sammlung erweitern zu können, blieb nicht
ungehört, einige der Objekte des "Wunschzettels" fanden bereits private
Sponsoren. (Markus Mittringer/DER STANDARD; Printausgabe, 5.02.2003)