VN Do, 22.5.2003

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Kultur 

Region Bodensee im EU-Parlament

Abgeordneter Herbert Bösch brachte vier Vorarlberger Künstler nach Brüssel

VON CHRISTA DIETRICH E-MAIL: christa.dietrich@vn.vol.at

Brüssel (VN) Schöne Landschaft, Urlaub und was die Kultur betrifft, eine Bühne auf dem Wasser - das sind die Elemente, mit denen man europaweit die Region Bodensee in Verbindung bringt. Dass dort auch qualitätsvolle moderne Kunst zu Hause ist bzw. entsteht, erfährt man nun in Brüssel.

Dort, wo die Menschen aus den verschiedenen Ländern und Regionen zusammenkommen - im Europaparlament Ö, hat der Abgeordnete Herbert Bösch eine Ausstellung mit Arbeiten von vier Vorarlberger Künstlern organisiert. Am Dienstagabend nahm Johan Colom INaval, Vizepräsident des Parlaments, die Eröffnung vor.

In einem Gebäudekomplex, in dem jeder Ausstellungsquadratmeter inzwischen bis Ende 2004 fix vergeben ist, bedarf es besonderer Initiativen, um eine derartige Präsentation durchzusetzen, deren Start schon zahlreiche Vertreter der EU-Staaten zum Besuch animierte.

Herbert Bösch, als "Alpensozi" (so die Eigendefinition) ansonsten vor allem mit Umwelt- und Wirtschaftsfragen beschäftigt, hat die Ausstellung schon vor einiger Zeit angeregt, stieß bei der Vorarlberger Berufsvereinigung bildender Künstler zwar auf Interesse, aber schließlich auf Funkstilleundzogdie"Aktion" quasi im Alleingang durch. Sabine Lingenhöle-Rainer war die erste Ansprechpartnerin. Nachdem die vorwiegend grafisch arbeitende Künstlerin den Bildhauer Christian Lutz vorschlug, der wiederum an Ingo Springenschmid dachte, kam per Kettenreaktion mit Alexandra Wacker ein Quartett zusammen, in dem nicht nur verschiedene Positionen aktueller Kunst, sondern auch unterschiedliche Techniken vertreten sind.

Nicht nur Gemüse

Nachdem die Reaktion vieler Anwesender mit dem Satz "Aha, das ist ja moderne, nicht ortsspezifisch orientierte Kunst" zusammengefasst werden kann, steht fest, dass in den Köpfen der Menschen immer noch Klischeebilder existieren. Auf die Bodenseeregion bezogen, dominiert hier Beschaulichkeit, verbunden mit guter Luft und schöner Natur. Auch Herbert Bösch machte die Erfahrung, dass nicht einmal die Bregenzer Festspiele als "die" Kulturveranstaltung der Region trotz absolut internationaler Ausrichtung europaweit bekannt sind. Hier wollte er

ansetzen und erlaubte sich in Bezug auf den nun auf der Insel Reichenau lebenden Christian Lutz die reizende Bemerkung, dass so mancher Boden nicht nur gutes Gemüse hervorbringt und dass kulturelle Errungenschaften - die Reichenau mit ihren Schätzen aus dem Mittelalter ist bestes Beispiel dafür - nicht nur auf vergangene Epochen beschränkt sind.

Eine Visitenkarte

Verbunden mit einer sorgfältig erarbeiteten Dokumentationsmappe ist diese knapp einwöchige Ausstellung eine gelungene Vorarlberg-Visitenkarte mit Überraschungsfaktor, die weite Kreise ziehen wird.

Lutz und Co.

Dem Ausstellungstitel "Rationale und emotionale Spuren" entsprechen alle Künstler. Anhand der Arbeit von Christian Lutz lässt er sich schön erläutern, denn seine Bodenskulptur bzw. Rauminstallation aus Gips mit ihrem verschlungenen Muster ist von hohem ästhetischem Reiz. Die Form selbst basiert auf das Werfen einer Münze, Kopf oder Zahl gaben die Richtung des mäanderartigen weißen Bandes vor, die exakt nach der Vorgabe eingehalten wurde. Ingo Springenschmids Sprachvisualisierungen führen hier zu einem bodennah schwebenden, mit blauer Tinte getränkten und gefüllten Objekt, das den Schriftzug NOON aus Plexiglas trägt. Ablesbar wird damit eine bestimmte Tageszeit, auch Nein oder der Anfangsbefehl. Die dunkle Tinte ist zugleich romantisches Symbol als auch aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit ein Material, das - zudem kombiniert mit weiteren Statements - zahlreiche rationale Elemente aufweist.

Sabine Lingenhöle-Rainers Zeichnungen haben erzählerischen Charakter. Die Kombination von Menschendarstellungen mit Früchten, die vielfältige Assoziationen (etwa auch bezüglich Sexualität, Schönheit etc.) wecken, sowie beschriftete Kleidungsstücke, bei denen die jeweilige Farbe eine besondere Rolle spielt, ergeben eine frappierende Auseinandersetzung mit Sinn, Sinnlichkeit und Identität.

Hier setzt auch Alexandra Wacker mit ihren Porträts nach Fotos von Obdachlosen an. Triste Farbgebung und ein veränderter Ausdruck erhöhen die Anonymität der Personen. Was bleibt sind Gesichter, die einerseits den Blick für die Malerei an sich schärfen, auf der zweiten Ebene aber als konkretes Statement auf Lebensumstände hinweisen.

EU-Parlamentarier Herbert Bösch (2. v. links) mit den Künstlern Ingo Springenschmid, Sabine Lingenhöle-Rainer, Alexandra Wacker und Christian Lutz. (Foto: VN/Dietrich)

Es ging mir darum, die Region Bodensee als Ort zeitgenössischer Kunst bekannt zu machen.

HERBERT BÖSCH




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