VON ARIANE
GRABHER
Bregenz (VN) Das schöne und heiße Sommerwetter der vergangenen
Wochen ist dem Arbeitseifer nicht gerade zuträglich, beschert uns
aber zumindest ein mentales Hoch. Die Euphorie der Stunde nutzend,
kommt die Ausstellung "Klimatisch im Hoch" in der Galerie Lisi
Hämmerle da genau zur rechten Zeit.
Karin Pernegger, die die aktuelle Gruppenausstellung in der
Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz kuratiert, ist auf der Suche nach
einem weiteren Begriff für "Künstler" auf die Bezeichnung
"Klimaforscher" gestoßen. Nicht nur, dass sich in der
zeitgenössischen Kunst die Kategorien Malerei, Skulptur, Fotografie,
Video und Medien vermischen. Im Zusammenschluss mit
Gesellschaftstheorien verschiedenster Zugehörigkeit und orientiert
an Netzwerkbeziehungen wird die künstlerische Produktion "zum Pegel
dieser Messskala".
This is not a lovesong
Als Klima- bzw. als Wahrnehmungsforscher betätigt sich das
Künstlerinnenduo Halt + Boring (Marlene Haring und Kathi Bolt) mit
seinen impressionistisch-surrealistischen Kalenderblätter-Collagen,
Flora Neuwirth mit dem an die Sex Pistols angelehnten Schriftzug
"This is not a lovesong" oder Moussa Kone, der sich in seiner
Malerei und Zeichnungen mit der Identifizierung eines Künstlers nach
seiner Nationalität befasst.
Um das Funktionieren und Hinterfragen von Systemen dreht sich
sowohl das großformatige, dreiteilige Aquarell des aus Polen
stammenden Wawa Tokarski als auch die aus Einkaufswagen und
"Vienna-Bike" zusammengekettete Skulptur von Leopold Kessler.
In ihrer Mobilität ist sie ebenso behindert, wie die Hängematte
aus Nylonfäden von Michaela Math nicht benutzbar, wohl aber als
ironische Anspielung auf den Dienstleistungssektor Kunst zu
interpretieren ist.
Survival für Frauen
Peter Pommerer steuert moderne Hieroglyphen bei, die aus der
formalen Verquickung kindlich anmutender Zeichen und den Logos von
Street-Graffiti entstehen, während Johanna Kirsch in einem kleinen
Handbuch eine Art Survival-Kit für Frauen erstellt, Richard Hoeck
über zwei Porträtstudien eine leicht politisch untermauerte
Konfrontation von Realität und Fiktion herbeiführt oder Elfriede
ihre direkte Formensprache in "Wechselwesen" zum Ausdruck bringt.
In der thematischen Durchmischung von eigenwilligen
Einzelpositionen ist mit "Klimatisch im Hoch" einmal mehr ein
ambitioniertes Projekt in der Galerie Lisi Hämmerle zu sehen. Im
ungekünstelten Selbstverständnis ihres Auftretens wirken Künstler
und Werke dabei so frisch, wie die Luft nach einem Sommergewitter.