VN Sa, 12.7.2003

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Kultur 

Im Klima des Geschehens

"Klimatisch im Hoch" wird heute in der Galerie Lisi Hämmerle eröffnet

VON ARIANE GRABHER

Bregenz (VN) Das schöne und heiße Sommerwetter der vergangenen Wochen ist dem Arbeitseifer nicht gerade zuträglich, beschert uns aber zumindest ein mentales Hoch. Die Euphorie der Stunde nutzend, kommt die Ausstellung "Klimatisch im Hoch" in der Galerie Lisi Hämmerle da genau zur rechten Zeit.

Karin Pernegger, die die aktuelle Gruppenausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz kuratiert, ist auf der Suche nach einem weiteren Begriff für "Künstler" auf die Bezeichnung "Klimaforscher" gestoßen. Nicht nur, dass sich in der zeitgenössischen Kunst die Kategorien Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und Medien vermischen. Im Zusammenschluss mit Gesellschaftstheorien verschiedenster Zugehörigkeit und orientiert an Netzwerkbeziehungen wird die künstlerische Produktion "zum Pegel dieser Messskala".

This is not a lovesong

Als Klima- bzw. als Wahrnehmungsforscher betätigt sich das Künstlerinnenduo Halt + Boring (Marlene Haring und Kathi Bolt) mit seinen impressionistisch-surrealistischen Kalenderblätter-Collagen, Flora Neuwirth mit dem an die Sex Pistols angelehnten Schriftzug "This is not a lovesong" oder Moussa Kone, der sich in seiner Malerei und Zeichnungen mit der Identifizierung eines Künstlers nach seiner Nationalität befasst.

Um das Funktionieren und Hinterfragen von Systemen dreht sich sowohl das großformatige, dreiteilige Aquarell des aus Polen stammenden Wawa Tokarski als auch die aus Einkaufswagen und "Vienna-Bike" zusammengekettete Skulptur von Leopold Kessler.

In ihrer Mobilität ist sie ebenso behindert, wie die Hängematte aus Nylonfäden von Michaela Math nicht benutzbar, wohl aber als ironische Anspielung auf den Dienstleistungssektor Kunst zu interpretieren ist.

Survival für Frauen

Peter Pommerer steuert moderne Hieroglyphen bei, die aus der formalen Verquickung kindlich anmutender Zeichen und den Logos von Street-Graffiti entstehen, während Johanna Kirsch in einem kleinen Handbuch eine Art Survival-Kit für Frauen erstellt, Richard Hoeck über zwei Porträtstudien eine leicht politisch untermauerte Konfrontation von Realität und Fiktion herbeiführt oder Elfriede ihre direkte Formensprache in "Wechselwesen" zum Ausdruck bringt.

In der thematischen Durchmischung von eigenwilligen Einzelpositionen ist mit "Klimatisch im Hoch" einmal mehr ein ambitioniertes Projekt in der Galerie Lisi Hämmerle zu sehen. Im ungekünstelten Selbstverständnis ihres Auftretens wirken Künstler und Werke dabei so frisch, wie die Luft nach einem Sommergewitter.

Die Ausstellung "Klimatisch im Hoch" mit Arbeiten von Halt + Boring, Elffriede, Richard Hoeck, Leopold Kessler, Johanna Kirsch, Moussa Kone, Michaela Math, Flora Neuwirth, Peter Pommerer und Wawa Tokarski wird in der Galerie Lisi Hämmerle am 12. Juli um 19 Uhr eröffnet. Dauer bis 30. August, geöffnet Mittwoch bis Samstag 10 bis 12 und 15 bis 19 Uhr.

Der polnische Künstler Wawa Tokarski hinterfragt Systeme. (Foto: Galerie Lisi Hämmerle)




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