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25.10.2006 - Kultur&Medien / Kultur News
Ein Hauch Gegenwart
VON STEFAN MUSIL
München. 51. Kunstmesse und "Munich Highlights".

D
ie Wirtschaftsmetropole München präsentiert sich derzeit als deut sches Zentrum des Kunst- und Antiquitätenhandels. Die Laufzeit der traditionellen Kunstmesse wurde auf neun Tage verlängert. Womit Zeit bleibt, das überreiche Angebot zu sondieren. Denn, ein wenig drückt heuer schon die Macht der - nicht immer allerersten - Masse.

In Zahlen bedeutet das: rund 105 Aussteller vor allem aus Deutschland, aus Österreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden. Das Spektrum reicht von der Antike bis ins Zeitgenössische. Im Zentrum stehen all die schönen Dinge, die das gut betuchte Eigenheim noch ein wenig besser betucht machen: Barock, Biedermeier, etwas Jugendstil, ein Hauch Art Deco, Möbel, Bilder, Skulpturen und Porzellan.

Ein Stand wie jener von Van Leeuwen aus Eindhoven fällt dabei angenehm auf. Mit Geschmack wurde hier Wundersames versammelt. Im Zentrum steht dabei ein massiver spanischer Apothekerschrank des 16. Jahrhunderts (32.500 Euro). Flankiert wird er von einem nordfranzösischen Christus aus 1380, dazwischen stehen antike Gläser oder Zartgeschnitztes aus Elfenbein.

Umrahmt wird dieser Kernbestand der Messe von Asiatika, Antike, klassischer Moderne und einem Hauch von Zeitgenössischem, wobei Letzterer deutlich macht, dass es hierfür wohl trefflichere Messeorte gibt. Die steigende Beliebtheit für Kunst auf Papier manifestiert sich in einem Schwerpunkt innerhalb der Messe sowie der jährlich steigenden Zahl an Ausstellern. Aus Österreich sind die Stammgäste "Salis und Vertes" mit einer soliden Auswahl klassischer Moderne angereist, während sich Robert Keil und "Schütz Kunst und Antiquitäten" erstmals dem Münchner Publikum präsentieren. Die Galerie Rudolf Budja setzt mit Arbeiten von Andy Warhol auf Nummer sicher.

Der Gegenentwurf zur Messe hat sich unter der Stabführung von Altmeister-Händler Konrad O. Bernheimer in der Münchner Innenstadt etabliert. Vor drei Jahren wurden diese "Munich Highlights" gemeinsam mit einigen Ausstellern der weltbesten Antiquitätenmesse in Maastricht initiiert. Heuer sind es 21 Galeristen der deutschen und internationalen Oberliga, die während der Messezeit wenige, aber exquisite Stücke präsentieren. Bei Bernheimer in der Brienner Straße trifft man neben Papierarbeiten bei Kartrin Bellinger, die sich seit kurzem hier fix eingemietet hat, auch auf außerordentliche Bernsteinobjekte aus der Kunstkammer von Georg Laue.

Bernheimer selbst zeigt ein Blumen-Stillleben von Jan Breughel d. J. (1,65 Mio. €) als eines seiner "Highlights". Frank C. Möller hat einen der raren Rollschreibtische aus der Werkstatt von Abraham und David Roentgen (um 1770) in einer norddeutschen Sammlung entdeckt. Ein paar Schritte weiter, im Amira-Palais, hat Gerhard Röbbig dem Meißener Modellmeister Johann Joachim Kändler zum 300. Geburtstag eine Ausstellung organisiert: Über 115 Porzellanvögel aus privaten Sammlungen haben sich in dieser Pracht-Voliere eingefunden und geben einen Eindruck der frühen Hochblüte der Porzellankunst.

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