Der Coup ist perfekt und erklärt das Rumoren
in der Wiener Museumslandschaft: Dem Albertina-Chef Klaus Albrecht
Schröder ist es gelungen, seinem Haus die Sammlung von Herbert und Rita
Batliner zu sichern.
Obwohl derzeit nur ein Teil der insgesamt
500 Leihgaben gemeinsam mit bereits vorhanden gewesenen Blättern des
Hauses und mit Gemälden aus der Sammlung Mathias Forberg präsentiert
werden, ist eines klar: In Wien gibt es nun genügend sensationelle
Beispiele aus dem Bereich klassische Moderne zu sehen, nachdem sich die
staatlichen Ankäufe in Grenzen hielten und wohl auch weiterhin halten
werden.
Genau das war der Grund, aus dem sich der Liechtensteiner Anwalt
Batliner, der seine Kanzlei unter dem Motto "Guter Rat ist teuer"
führte, entschieden hat, seine Gemälde, Skulpturen und Grafiken
umfassende Sammlung in der Albertina der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen. In der Sammlung Guggenheim wäre er nur einer von Vielen.
In der Albertina hingegen werden die "Seerosen" Claude Monets, die
Porträts von Pablo Picasso und die Landschaften von Paul Klee, Emil
Nolde oder Edvard Munch Mengen wenn nicht sogar Unmengen an Besuchern
in die Ausstellung locken. Außerdem hat für Batliner, wie er sagt, auch
die Sympathie eine Rolle gespielt: Der Sammler mag Wien und hat
obendrein ein Faible für die österreichische Gegenwartskunst.
Der neue Kurs der Albertina
Die Sicherung der Sammlung Batliner ist nicht nur für Schröder ein
großer persönlicher Erfolg und die Absicherung seines internationalen
Rufes als Direktor; es wandelt sich auch die Albertina von einem
Kompetenzzentrum für Grafik in die internationale Spitzenliga von
Ausstellungshäusern.
Dabei kann und will sich Schröder nicht auf die Grafik beschränken.
Sein Ziel ist es, seine Bestände an anderen Kunstgattungen zu messen.
Diese enorme Erweiterung, die das Haus in eine längst angepeilte, jetzt
aber auch konkretisierte Richtung führt, ist durch diese Sammlung auf
höchstem Niveau untermauert. Und das bedeutet für Wien eine
tiefgreifende Veränderung.
Der einzige Wermutstropfen ist vielleicht, dass die Dauerleihgabe an
den Direktor, also an Schröder, gebunden ist und nicht an das Haus.
Wechselt der Direktor, kann Batliner die Leihgabe zurückziehen. Doch
Leihgabe ist eben nicht Schenkung.
Neben Monets "Seerosen" sollte übrigens ein noch späteres Bild
seines Anwesens in Giverny 1925 nicht übersehen werden, das gilt auch
für ein Meerlandschafts-Pastell Edgar Degas’, das neben den Tänzerinnen
untergehen könnte.
Vom Impressionismus zum Expressionismus, vom "Blauen Reiter" in den
russischen Konstruktivismus, vom Kubismus zum Surrealismus: Zu allen
Strömungen der klassischen Moderne bietet die Sammlung Batliner
bekannte, aber auch qualitätsvolle weniger bekannte Beispiele. Etwa
Brücke-Künstler, Fauves und Nabis, aber auch seltene gegenstandslose
Gemälde von Franti š ek Kupka, Skizzen zum Eiffelturmwandbild Robert
Delaunays oder die mystischen Köpfe aus dem Spätwerk von Alexej von
Jawlenski.
Große Namen und Überraschungen
Die beiden Stockwerke bieten aber auch für Freunde von Marc Chagall,
René Magritte, Max Ernst, Oskar Schlemmer und Johannes Itten
Überraschungen; von El Lissitzky gibt es ein Gemälde aus der
Revolutionsserie "Proun", von Juan Gris eine "Komposition mit Violine"
– und immer wieder Besonderheiten, etwa Pawel Filonow, Chaim Soutine,
Francis Bacon.
Es blieb bei der Hängung nach "Ismen" natürlich auch die
Chronologie, aber manchmal ergibt sich eine gewagte Mischung. Dafür
sorgt nicht zuletzt auch die Verzahnung der Batliner-Sammlung mit
anderen Beständen: 127 Werke der Sammlung Batliner (in den
Bild-Beschriftungen stets als "Albertina. Dauerleihgabe der Sammlung
Batliner" angeführt) stehen 116 Kunstwerke aus den eigenen
Albertina-Beständen sowie 16 Stücke der ebenfalls übernommenen Sammlung
Forberg gegenüber.
Die Auseinandersetzung mit der Sammlung Batliner ist mit der nun
laufenden Ausstellung natürlich keineswegs abgeschlossen. Und man kann
schon jetzt auf die Fortsetzung gespannt sein.
Von Monet bis Picasso
Die Sammlung Batliner
Albertina
(Tel.: 01/534 83-555)
Zu sehen bis 6. April 2008
Sensationell.
Donnerstag, 13. September 2007