OÖN: In der Kunstszene bejubelt, in einer weiteren Antikunst-Hetzkampagne des medialen Kleinformates mit Dreck beschmissen. Was empfinden Sie heute, wenn Sie an das Forum Design zurückdenken?
Gsöllpointner: Vor allem finde ich es bemerkenswert und begrüße es aus ganzem Herzen, dass diese vielschichtige Thematik heute endlich in ihrer ganzen Tragweite aufgearbeitet wird. Das war schon längst überfällig. Abgesehen davon ist es für mich natürlich auch großartig, dass dieses unser Projekt nach immerhin mehr als zwanzig Jahren noch immer zum Nachdenken und zur Diskussion anregt.
OÖN: Ist nicht auch so etwas wie Sentimentalität dabei?
Gsöllpointner: Ein bissl, denn wenn ich mir das heute überlege, waren wir – und da beziehe ich auch Neue-Galerie-Chef Peter Baum und Laurids Ortner ein (damals in Linz Kunsthochschul-Leiter des Instituts für visuelle Gestaltung), weiters etwa auch Angela Hareiter – doch so etwas wie die Design-Pioniere.
OÖN: War Linz damals vielleicht noch nicht reif dafür?
Gsöllpointner: Die Bevölkerung ist – denke ich – für alles zu interessieren, wenn es nicht so gezielt in Misskredit gebracht wird, wie das bei uns der Fall war. Dabei war das die weltweit erste umfangreiche Aufarbeitung des Begriffs Design aus wissenschaftlicher und visueller Sicht.
OÖN: Dann war dieses Team durchaus so etwas wie Hebammen auf dem Weg von Linz zur Kulturhauptstadt...
Gsöllpointner: (lacht) Das ist gut, jaja... das stimmt, Kunsthebammen quasi...
OÖN: ...und bei so einer Geburt gehören ja Presswehen dazu. Immerhin mussten Sie sich aufgrund des überzogenen Budgets als Persona non grata vor Gericht verantworten. Waren Sie sehr enttäuscht?
Gsöllpointner: Heute ist das für mich Schnee von gestern. Ich will auch jetzt gar nicht als Märtyrer dastehen. Wir haben sicher auch viele Fehler gemacht. Damals hat es mich aber schon ordentlich gebeutelt. Enttäuscht war ich von Einzelnen. Sowohl in der Politik als auch in der Kunst. Aber die erwähne ich jetzt nicht, die wissen das eh selber, und den damaligen Bürgermeister Hillinger kratzt das auch nicht mehr. Und vom medialen Boulevard hatte man sich ja ohnehin nix anderes erwartet. Außerdem: Wenn heute ein Kunstprojekt – man denke da nur an das Ars Electronica Center – so eine Überziehungssumme wie wir damals hätte, würde kein Hahn mehr danach krähen. Aber eines ist schon klar: Ohne die moralische Unterstützung der OÖN-Kulturredaktion und des einstigen ORF-Landesintendanten Hannes Leopoldseder hätte ich das nicht überstanden.
OÖN: Gab es auch etwas, das Sie mit dem Forum Design bezwecken wollten?
Gsöllpointner: 1977 war ein spannendes Jahr für die Kunst in Linz: Die einstige Kunstschule war grad zur Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung geworden. Ich wurde nach dem Gründungsrektor Alfons Ortner (Anm. d. Red: Vater von Laurids Ortner) 1977 zum Rektor, arbeitete viel in der Vöest, als Künstler und als Leiter der Metallmeisterklasse der Kunsthochschule, die sich ebenfalls viel dem Design widmete. Das reichte bis zu Kristian Fenzls preisgekröntem Feuerwehrauto. Da lag der Gedanke nahe, den Linzern einmal zu zeigen, wie ihre Hochschule im internationalen Kontext dasteht.
Es ging nicht darum, Designstudios zu machen, sondern unser Haus zu positionieren, also ein Manifest für die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung abzugeben. So ein Name verpflichtet.
OÖN: Sie hatten ja große Design-Kapazunder wie etwa Herbert Bayer, Max Bill, Ettore Sottsass, Achille Castiglioni, Alessi, Malcolm McLaren beim Forum Design. Wie haben Sie die für Linz begeistern können?
Gsöllpointner: Durch das bereits durchgeführte Forum Metall an der Donaulände hatten wir beste Kontakte. Eben etwa zum „Designerkönig“ Max Bill, der beim Forum Metall ja auch mitgemacht hat. Und dann war das irgendwie fast so wie bei Kindern, die dem Peppi erzählen, dass der Franzi auch kommt. Dann kommt der Peppi auch, und dann die Mizzi und so weiter. Zu uns kam dann halt Superguru Raymond Loewy.
OÖN: Ein Dominoeffekt also. So viel Design-Haute-Volée und Linz wurde doch keine Design, sondern eine Ars-Electronica-Stadt. Da ließ sich wohl die kinetische und akustische Kunst besser über das Medium Fernsehen transportieren?
Gsöllpointner: Das ist sicher ein wesentlicher Grund.
OÖN: Viele sind der Ansicht, dass die heutige Linzer Kunstuni nicht mehr so aktiv ist, wie sie das unter Ihrer Leitung war. Was sagen Sie dazu?
Gsöllpointner: Naja. Es ist halt anders. Aber eine Schande war, dass man den Laurids Ortner aus der Kunsthochschule hinausgeekelt hat. Mit ihm und seinen HausRuckern wäre die Internationalität unseres Hauses schon besser gewahrt geblieben. Seine Erfolge, die jetzt mit Berlin, Wien und Düsseldorf verbunden sind, hätten dann für Linz gegolten. Aber andererseits: Man hört von anderen Kunsthochschulen oder -unis ja auch nicht dauernd was.
OÖN: Zurück zum Design: Das ist durch die fast inflationär vermarktete Wohn-Kultur auch so etwas wie ein Statussymbol.
Gsöllpointner: Ja. Man könnte da fast von einem Designer-Syndrom sprechen... auch nicht immer gut....
OÖN: Ist das aktuelle, unglaublich große Interesse an Ihrem Forum Design für Sie eine Art Rehabilitierung? Können Sie heute auch stolz darauf sein?
Gsöllpointner: Ja, doch. Und eines ist rückblickend – trotz aller Fehler, die auch mir passiert sind – schon klar: Da ist uns wirklich was Besonderes gelungen!