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Kunstberichte

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Ohne Fleisch kein Preis

Aufzählung (cai) Mmmh! Also diese fettigen Blondinen hat der Mel Ramos ja wieder appetitlich hingekriegt, mit seinem Pinsel. Mehr Sexappeal hat höchstens ein gemaltes Punschkrapferl. Gut, wär’ ich ein Mann, würd’ ich wahrscheinlich weniger wegen der goldgelben, knusprigen Erdäpfelstangerln trenzen (die sozusagen naturblond sind) als vielmehr wegen der Laetitia Casta, die dieser Portion Pommes frites von McDonald’s entsteigt wie eine exotische Tänzerin einer Torte.

Soll das die moderne Version der "Versuchung des Hl. Antonius durch irdische Lüste" sein, wobei der Betrachter des Bildes der Antonius ist? Genau dasselbe könnte zumindest ein asketischer Vegetarier halluzinieren, den plötzlich die Fleischeslust heimsucht. Eigentlich ist ja das, was der übriggebliebene Popart-Künstler Ramos macht, Werbung: Knackige Damen, denen er ungeniert prominente Köpfe aufsetzt, gesellen sich aufreizend zu Markenartikeln. Tja, Sex sells. Das ist dermaßen Retro, dass es praktisch schon wieder Avantgarde ist. Nein, so Retro auch wieder nicht.

In seiner neuen Hollywood-Serie spricht er einmal nicht unsern niedersten Instinkt an (das Streben nach Essbarem), er buchstabiert: H-O-L-L-Y-W-O-O-D. Und garniert jeden Buchstaben mit einer nackigen Schauspielerin. Hillary Swank etwa (die als "Million Dollar Baby" fast so viele Veilchen gepflückt hat wie Rocky Balboa) hat brav auf ihrem Buchstaben Platz genommen, auf einem O. Und hat sich natürlich zugleich auf ihre vier (oder fünf) Buchstaben gesetzt, also auf den Popo beziehungsweise auf den ... äh, das Wort mit A schreib ich jetzt sicher nicht hin. Doch irgendwie lässt mich diese glatte Sinnlichkeit kalt. Vielleicht ist der Ramos ja ein oraler Charakter wie ich, und Süßes und Fettiges inspiriert ihn einfach mehr. In Gegenwart von Essen benehmen sich seine Nackerpatzerln jedenfalls viel koketter.

Galerie Hilger
(Dorotheergasse 5)
Mel Ramos: Hollywood
Bis 23. Februar
Di. – Fr.: 10 – 18 Uhr
Sa.: 10 – 16 Uhr

Eh keine Schneemänner

Aufzählung (cai)Den Titel dieser sehr ästhetischen Fotoausstellung nimmt man besser nicht allzu ernst. Das verwirrt einen nur unnötig. Dass das Ganze "Into Landscape" heißt, dafür kann ja der Vladimír Zidlický nix, bei dem ein Mädel hinter völlig zerkratztem Plexiglas klaustrophobische Zustände hat. (Na ja, eventuell hat er die Plexischeibe vorher eh durch ein paar Dornbüsche geschleift.) Doch dafür bringt Emma Wieslander eine Winterlandschaft elegant auf den Punkt. Formt aus Schnee vom Vorjahr, den sie im Gefrierfach vom Kühlschrank archiviert hat, markante Skulpturen. (Keine Schneemänner. Das wäre billige naive Kunst.) Und Lotte Christensen ist das Kunststück geglückt, Grünpflanzen zu pflücken, ohne sie auszureißen. Sie blendet die Wiese drumrum kurzerhand aus, indem sie in ein weißes Blatt Papier ein Loch macht und das Pflänzchen durchsteckt. Auch Romantiker verhungern hier nicht. Immerhin hat Stefan Löffelhardt das unnatürlichste Material auf Erden (Plastikfolie) in die pittoresk schäumende Meeresbrandung verwandelt. Das technische Niveau der Fotos insgesamt ist höchst erfreulich.

Galerie Hartmann
(Gredlerstraße 2)
Into Landscape
Bis 13. Februar
Di. – Fr.: 14 – 18 Uhr
Sa.: 10 – 15 Uhr

Ganz normal banal

Aufzählung (cai)Auf diesen Bildern ist nicht grad viel los. Monets Heuhaufen sind dagegen reißerische Action. (Zumindest sind sie bunt.) In blassen, trüben Farben malt Lotte Seyerl quasi die unerträgliche Trivialität des Alltäglichen in der Vorstadt. Dabei geht sie von Fotos aus, die einen einsamen Augenblick festhalten, und auf diesem Augenblick reitet sie dann herum. Spielt diverse Lichtstimmungen und Depressionsgrade durch. Die Bilder haben durchaus ihre malerischen Qualitäten und das Verwaschene, Vage hat seinen Reiz. Ein Gefühl der Langeweile beschleicht einen trotzdem irgendwann.

Galerie Ulrike Hrobsky
(Grünangergasse 6)
Lotte Seyerl
Bis 27. Februar
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr

Printausgabe vom Mittwoch, 03. Februar 2010
Online seit: Dienstag, 02. Februar 2010 18:33:00

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