Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte
Christoph Thun-Hohenstein als neuer Leiter des MAK bestellt

Vernetzer als Direktor

Deklarierter Erneuerer: der designierte Museumsdirektor Christoph Thun-Hohenstein (l.) neben Kulturministerin Claudia Schmied und MAK-Kuratorium-Chef Andreas Treichl. Foto: apa/Robert Jäger

Deklarierter Erneuerer: der designierte Museumsdirektor Christoph Thun-Hohenstein (l.) neben Kulturministerin Claudia Schmied und MAK-Kuratorium-Chef Andreas Treichl. Foto: apa/Robert Jäger

Aufzählung Ab September soll das MAK zum Kreativlabor werden.
Aufzählung Fünfjahresvertrag für Thun-Hohenstein.

Wien. (irr) Derzeit braut er als Kooperationspartner hier ein Kaffeehausprojekt, ab 1. September wird er das Museum zur Gänze übernehmen: Christoph Thun-Hohenstein, Chef der Kreativagentur departure, steigt zum wissenschaftlichen Geschäftsführer des Museums für angewandte Kunst (MAK) auf. "Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Erneuerer bin", versprüht der 51-Jährige Selbstbewusstsein bei einem Termin mit Kulturministerin Claudia Schmied und Andreas Treichl, dem Vorsitzenden des MAK-Kuratoriums.

Von Reformwut will Thun-Hohenstein jedoch nicht besessen sein: Die Schausammlung etwa will er nicht eilig umkrempeln. Dagegen soll die Anzahl der Sonderausstellungen wachsen. Und wie zuletzt alle Direktoren, die Schmied erkoren hat, verspricht auch Thun-Hohenstein einen Ausbau der Vermittlungsprojekte.

Zeitgenössisches im Zentrum

Die Findung eines neuen Leiters war rascher nötig geworden als ursprünglich gedacht: Sollte Langzeit-Chef Peter Noever eigentlich bis Ende 2011 bleiben, trat er im Februar aufgrund diverser Geburtstagsfeste auf Kosten des MAK zurück, einen Monat später entließ ihn das Kuratorium fristlos. Der Rechnungshof prüft nun (der Rohbericht soll bis Oktober vorliegen), die Leitung des Hauses obliegt derzeit Noevers Stellvertreterin Martina Kandeler-Fritsch.

Unter Thun-Hohenstein wird sie diesen Posten wieder einnehmen. Und auch am thematischen Profil des Hauses dürfte sich nicht allzu viel ändern: Gerierte sich Noever als Vorkämpfer des Zeitgenössischen, so soll die Gegenwartskunst auch unter Thun-Hohenstein einen zentralen Stellenwert genießen. Zugleich möchte er das Design aufwerten und eine Position im Architekturbereich neu erarbeiten lassen. Und nicht zuletzt soll ein Sondierungsprozess mit Experten kläre, was angewandte Kunst im 21. Jahrhundert bedeute. Kurz: Das Haus solle ein "eigenständiges Kreativlabor" werden, sagt der "leidenschaftliche Vernetzer".

Als solchen kennt man den gebürtigen Kärntner: Nach einer Karriere an der Universität und im diplomatischen Dienst setzte er als Chef des Österreichischen Kulturforums in New York zeitgenössische Akzente. 2007 stellte ihn Vizebürgermeisterin Renate Brauner als Leiter der städtischen Agentur departure vor, einer Förderungs- und Servicestelle für die Kreativ-Wirtschaft. Zustimmung für Thun-Hohensteins Kür zum MAK-Chef kam am Montag aus allen politischen Lagern.

 

Printausgabe vom Dienstag, 17. Mai 2011
Online seit: Montag, 16. Mai 2011 17:53:00

Kommentar senden:
Name:

Mail:

Überschrift:

Text (max. 1500 Zeichen):

Postadresse:*
H-DMZN07 Bitte geben sie den Sicherheitscode aus dem grünen Feld hier ein. Der Code besteht aus 6 Zeichen.




* Kommentare werden nicht automatisch veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen. Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird online nicht veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Feedback-Regeln.

Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at