09.12.2001 20:28:00 MEZ
Schöne fremde Kunst - Doppelt
gemoppelt
Eine Rundschau durch Wiener
Galerien
Barbara Musil hat ein riesiges Ei in die Galerie gelegt,
in dem sich Besucher ablichten lassen und das entstandene Foto mit Kommentar zum
Fremdsein an die Wand kleben können. Ihr Kuckucksei bezieht sich auf Begriffe
wie "fremd", "eigen", "zugehörig", alles auf persönlicher Ebene und nicht im
Sinne der
documenta-unterstützten Diskurse über Migranten und andere
dislozierte Ichs. Musil ist eine von fünf jungen Kunstschaffenden aus dem Umfeld
der Linzer Kunstuni, die
Peter Assmann zum Thema
Fremdkörper
ausgewählt hat.
Das engagierte Projekt vereint sämtliche Medien rund um
dieses ominöse Fremde.
Herbert Christian Stöger begreift dies in Bezug
auf Sprache und Kommunikation und bringt es u. a. mit den doppelsinnigen Worten
"Wunder Körper Wunder" auf den Punkt. Auf die Ebene des Telefonierens verlegt
Holger Jagersberger "Die Unsichtbaren".
Andreas Egger besticht mit
nahezu klassisch-altmeisterlichen bzw. dramatisch-filmischen
Schwarz-Weiß-Kadergrammen. Lebensmittel verwandelt
Ernst Spießberger in
Videos zu makabren Monstren, die Kaugummi-Animation fällt dagegen ins
Kindlich-Peinliche ab.
Es werden Lebkuchen-Embryos präsentiert, echt
befremdlich.
artLab, 1., Dorotheerg. 12,
(01) 512 34-70. Bis
12. 1.
Doppelt gemoppelt Mit Doppelgängern,
symbolischen Spiegelbildern, Kopien, Verdopplungen und Transformationen spielt
sich die Gruppenschau im mezzanin.
Claude Closkys aus einem Männermagazin
entnommener, gestylter Waschbrettbauchmann empfängt die Besucher als arrogante
Diainstallation, das weibliche Spiegelbild als Gegenteil hat er dazu erfunden.
Metamorphosen bei
Martin Walde, dessen grünes Verpackungsplastik vom
Galeriepersonal auf Wunsch in unförmige Kringelhaufen gebändigt wird. Nichts
geht über
Candice Breitz' Doppelte Whitney (Houston). Die Video-Passagen
mit I bzw. You aus der Titanic-Heul-Leier "I Will Always Love You" stellt sie
gegenüber und entzaubert einmal mehr. Die Assistentin von Kopie-Künstlerin
Elaine Sturtevant,
L. Muzzey, kopiert verfremdend ihre Meisterin
und
Erwin Wurm findet es witzig, wenn er mittels eines bekannten
Galeristen nachbarliches Verhalten im eigenen Garten parodiert.
mezzanin,
7., Mariahilfer
Straße 74a, (01) 526 43-56.Bis 18. 1.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 12. 2001) Quelle: ©
derStandard.at