Vom "Happy End einer langen, intensiven und auch sehr
emotionalen Beziehung zur Kunsthalle und zum Karlsplatz" sprach
Kunsthallen-Direktor Gerald Matt bei der Präsentation der neuen Kunsthalle
auf dem Wiener Karlsplatz. Architekt Adolf Krischanitz hat seinen
Blech-Container durch einen kleineren Kubus ersetzt, dessen Außenhaut zur
Gänze aus Glas besteht. Milchig darin eingekratzt ziert "Kunsthalle" in
großen Lettern die Längsfront zur Secession hin, auf der Seite zur
Karlskirche steht "Karlsplatz".
In der Querachse teilt ein gemauerter Versorgungsbereich
den Kubus. Der Part zur Secession ist ein Ausstellungsraum mit 180
Quadratmeter, die andere Hälfte wird durch das Eingangsfoyer geteilt. Auf
der einen Seite hat sich das Café erhalten, auf der anderen befindet sich
neben der Garderobe ein zweiter, kleinerer Schauraum mit 70 Quadratmeter.
Vorgelagert ist dem Eingang eine sich über die gesamte Breite
erstreckende, erhöhte Terrasse.
Der alte Container konnte verkauft werden und dient nun
als Lagerhalle. Die von der Stadt Wien finanzierte Adaptierung hat rund
1,38 Millionen € (19 Mill. S) gekostet. Der Betrieb, der aus dem
Kunsthallen-Budget bestritten wird, erreicht dank Café und Vermietung eine
Eigendeckung von 75 Prozent, so Matt.
Gegenüber der hermetischen Situation der neuen
Ausstellungshallen im MQ ist der Pavillon das sich öffnende Außenquartier.
Unter dem Titel "project space" soll er als Labor dienen, ein schnelles
Reagieren auf neueste Strömungen möglich machen.
Ein Video pro Monat
Der große Ausstellungsraum wird drei bis vier Mal im Jahr
bespielt. Zur Eröffnung zeigt Krischanitz andere von ihm entworfen
Pavillons. Der erste künstlerische Beitrag gehört ab 13. Februar
einer Installation der Koreanerin Kim Sooja. Im Mai folgt parallel zur
"documenta 11" in Kassel eine Rückschau auf die legendäre "documenta 5" im
Jahr 1972. Im Herbst gehört der Pavillon Santiago Sierra und seinen
gesellschaftskritischen Kunsteingriffen in Mexiko City.
Im kleineren Schauraum wird jeweils ein "Video des
Monats" zu sehen sein. Bei "10-Tages-Projekten" werden dreimal im Jahr
junge Künstler vorgestellt. Den Anfang macht Peter Senoner. Auch eine
Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst soll das Programm
prägen.
Neuer Kunsthallen-Preis
Für Lehrveranstaltungen und Workshops wird die
Kunstuniversität den Pavillon nutzen. Jeweils im Juni möchte die
"Angewandte" Diplomarbeiten ihrer Absolventen zeigen, aus diesen wählt
eine internationale Jury den Träger des "Preises der Kunsthalle Wien", der
eine Ausstellung in der Kunsthalle und ein Stipendium für die Delfina Art
Studios in London bekommt.
Auf vier Jahre war die erste Kunsthalle geplant - acht
Jahre wurden daraus, aus dem "Provisorium ein Biotop, eine
Erfolgsgeschichte", so Matt, die in dieser Zeit von über einer Million
Menschen besucht wurde. Auch der gläserne Nachfolger hat ein Limit: Die
Genehmigung wurde auf zehn Jahre gegeben. mus
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