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18.01.2002 - Kultur News
Karlsplatz: Blech gegen Glas getauscht
Die Kunsthalle Wien hat nach dem Umzug ins neue Museumsquartier ihren früheren Hauptsitz umgebaut. Adolf Krischanitz ersetzte den umstrittenen Container durch einen luftigen Kunstpavillon.


Vom "Happy End einer langen, intensiven und auch sehr emotionalen Beziehung zur Kunsthalle und zum Karlsplatz" sprach Kunsthallen-Direktor Gerald Matt bei der Präsentation der neuen Kunsthalle auf dem Wiener Karlsplatz. Architekt Adolf Krischanitz hat seinen Blech-Container durch einen kleineren Kubus ersetzt, dessen Außenhaut zur Gänze aus Glas besteht. Milchig darin eingekratzt ziert "Kunsthalle" in großen Lettern die Längsfront zur Secession hin, auf der Seite zur Karlskirche steht "Karlsplatz".

In der Querachse teilt ein gemauerter Versorgungsbereich den Kubus. Der Part zur Secession ist ein Ausstellungsraum mit 180 Quadratmeter, die andere Hälfte wird durch das Eingangsfoyer geteilt. Auf der einen Seite hat sich das Café erhalten, auf der anderen befindet sich neben der Garderobe ein zweiter, kleinerer Schauraum mit 70 Quadratmeter. Vorgelagert ist dem Eingang eine sich über die gesamte Breite erstreckende, erhöhte Terrasse.

Der alte Container konnte verkauft werden und dient nun als Lagerhalle. Die von der Stadt Wien finanzierte Adaptierung hat rund 1,38 Millionen € (19 Mill. S) gekostet. Der Betrieb, der aus dem Kunsthallen-Budget bestritten wird, erreicht dank Café und Vermietung eine Eigendeckung von 75 Prozent, so Matt.

Gegenüber der hermetischen Situation der neuen Ausstellungshallen im MQ ist der Pavillon das sich öffnende Außenquartier. Unter dem Titel "project space" soll er als Labor dienen, ein schnelles Reagieren auf neueste Strömungen möglich machen.

Ein Video pro Monat

Der große Ausstellungsraum wird drei bis vier Mal im Jahr bespielt. Zur Eröffnung zeigt Krischanitz andere von ihm entworfen Pavillons. Der erste künstlerische Beitrag gehört ab 13. Februar einer Installation der Koreanerin Kim Sooja. Im Mai folgt parallel zur "documenta 11" in Kassel eine Rückschau auf die legendäre "documenta 5" im Jahr 1972. Im Herbst gehört der Pavillon Santiago Sierra und seinen gesellschaftskritischen Kunsteingriffen in Mexiko City.

Im kleineren Schauraum wird jeweils ein "Video des Monats" zu sehen sein. Bei "10-Tages-Projekten" werden dreimal im Jahr junge Künstler vorgestellt. Den Anfang macht Peter Senoner. Auch eine Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst soll das Programm prägen.

Neuer Kunsthallen-Preis

Für Lehrveranstaltungen und Workshops wird die Kunstuniversität den Pavillon nutzen. Jeweils im Juni möchte die "Angewandte" Diplomarbeiten ihrer Absolventen zeigen, aus diesen wählt eine internationale Jury den Träger des "Preises der Kunsthalle Wien", der eine Ausstellung in der Kunsthalle und ein Stipendium für die Delfina Art Studios in London bekommt.

Auf vier Jahre war die erste Kunsthalle geplant - acht Jahre wurden daraus, aus dem "Provisorium ein Biotop, eine Erfolgsgeschichte", so Matt, die in dieser Zeit von über einer Million Menschen besucht wurde. Auch der gläserne Nachfolger hat ein Limit: Die Genehmigung wurde auf zehn Jahre gegeben. mus



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