VN Do, 10.7.2003

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Kultur 

Tolles Pilotprojekt

Vier Kanadier in Vorarlberg

VON ARIANE GRABHER

Dornbirn (VN) Mit einem "Artists in Residence"- Pilotprojekt eröffnet der "Kunst.Raum.Dornbirn" heute seine Sommerausstellung. Vier kanadische Künstler stellen ihre Projekte vor, die seit Juni vor Ort entstanden sind.

Das Basiscamp, als das der "Kunst.Raum" in den vergangenen vier Wochen von Josée Fafard, Sylvie Fraser, Marie-José Laframboise und David Moore genutzt wurde, hat sich mittlerweile in eine veritable Ausstellung verwandelt. Angereist mit nicht viel mehr als ihren Ideen, haben sich die vier kanadischen Künstler intensiv mit dem Ort, mit Vorgefundenem und Erlebtem, auseinander gesetzt.

Porträt eines Ortes

Die Stadt im Visier, hat sich das Quartett für die Ausstellung "Without/Within. Künstler als Seismografen" auf Erkundungstour begeben. Kuratiert vom Bregenzer Künstler Marbod Fritsch und im Rahmen eines viel beachteten Künstleraustausches betreut, sind vier verschiedene Porträts eines Ortes entstanden.

Keine vordergründigen Ansichten, wird Dornbirn nicht als Heimat, sondern als temporärer Aufenthaltsort dargestellt. Was die vier indes nicht daran gehindert hat, der Sache mit viel Engagement und Herzblut nachzugehen.

"Träum was Schönes" überschreibt der Bildhauer David Moore seine Installation als Referenz an das Land von Sigmund Freud. Zwischen Realität und Reflexion hat Moore, mannigfaltig und versatzstückartig, einen rahmenartigen Raum konstruiert, der in einer zweiten Arbeit ("Was kann da sonst noch sein") zur objektiven Außenansicht überleitet. "Ich komme, um ein Land zu erobern", postuliert die Bildhauerin und Konzeptkünstlerin Josée Fafard scherzhaft und postiert eine kleine Spielzeugfigur mit Flagge an den Lieblingsplätzen der Dornbirner. Diese hat sie zuvor mittels Fragebogen und aufgezeichnetem Weg dorthin ausfindig gemacht, abgefahren, fotografisch dokumentiert, in ein Modell übersetzt und als imaginäre Topografie eines Ortes in den Ausstellungsraum übertragen.

Tempel der Erinnerung

Als höchst eigenwillige Assimilation des Ortes mag auch die Arbeit von Sylvie Fraser gelten. In den letzten Jahren verstärkt mit dem Verhältnis von Natur und Kultur befasst, bringt sie ein fotografisches Stück kanadischer Kultur mit. Bäume, vermummt für den Winter und wie abstrakte Skulpturen wirkend, provisorische Garagen, sind solch augenzwinkernde Attribute einer Gesellschaft, der das Künstliche natürlicher als die Natur selbst scheint. Eingestellt in die Architektur der Dornbirner Stadtkirche St. Martin entsteht ein ganz persönlicher Tempel der Erinnerungen.

Als Letzte in Dornbirn eingetroffen ist Marie-Josée Laframboise. Beruhend auf der materialimmanenten Ambivalenz, schlägt das Spielerische ihrer grünen, labyrinthartig im Raum aufgehängten Netze unvermittelt in ein "Jetzt habe ich dich" um. Der Geradlinigkeit der Architektur setzt sie das Geschwungene gegenüber, das sie an die Berge, denen sie nicht entfliehen kann, erinnert.

Die Ausstellung "Without/Within" wird heute Abend um 20 Uhr im Kunst.Raum.Dornbirn eröffnet. Dauer bis 10. August, geöffnet jeweils Dienstag bis Sonntag 16 bis 19, Sonntag 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr.

David Moore meint "träum was Schönes". (Foto: A. Grabher)




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