VON ARIANE
GRABHER
Dornbirn (VN) Mit einem "Artists in Residence"- Pilotprojekt
eröffnet der "Kunst.Raum.Dornbirn" heute seine Sommerausstellung.
Vier kanadische Künstler stellen ihre Projekte vor, die seit Juni
vor Ort entstanden sind.
Das Basiscamp, als das der "Kunst.Raum" in den vergangenen vier
Wochen von Josée Fafard, Sylvie Fraser, Marie-José Laframboise und
David Moore genutzt wurde, hat sich mittlerweile in eine veritable
Ausstellung verwandelt. Angereist mit nicht viel mehr als ihren
Ideen, haben sich die vier kanadischen Künstler intensiv mit dem
Ort, mit Vorgefundenem und Erlebtem, auseinander gesetzt.
Porträt eines Ortes
Die Stadt im Visier, hat sich das Quartett für die Ausstellung
"Without/Within. Künstler als Seismografen" auf Erkundungstour
begeben. Kuratiert vom Bregenzer Künstler Marbod Fritsch und im
Rahmen eines viel beachteten Künstleraustausches betreut, sind vier
verschiedene Porträts eines Ortes entstanden.
Keine vordergründigen Ansichten, wird Dornbirn nicht als Heimat,
sondern als temporärer Aufenthaltsort dargestellt. Was die vier
indes nicht daran gehindert hat, der Sache mit viel Engagement und
Herzblut nachzugehen.
"Träum was Schönes" überschreibt der Bildhauer David Moore seine
Installation als Referenz an das Land von Sigmund Freud. Zwischen
Realität und Reflexion hat Moore, mannigfaltig und
versatzstückartig, einen rahmenartigen Raum konstruiert, der in
einer zweiten Arbeit ("Was kann da sonst noch sein") zur objektiven
Außenansicht überleitet. "Ich komme, um ein Land zu erobern",
postuliert die Bildhauerin und Konzeptkünstlerin Josée Fafard
scherzhaft und postiert eine kleine Spielzeugfigur mit Flagge an den
Lieblingsplätzen der Dornbirner. Diese hat sie zuvor mittels
Fragebogen und aufgezeichnetem Weg dorthin ausfindig gemacht,
abgefahren, fotografisch dokumentiert, in ein Modell übersetzt und
als imaginäre Topografie eines Ortes in den Ausstellungsraum
übertragen.
Tempel der Erinnerung
Als höchst eigenwillige Assimilation des Ortes mag auch die
Arbeit von Sylvie Fraser gelten. In den letzten Jahren verstärkt mit
dem Verhältnis von Natur und Kultur befasst, bringt sie ein
fotografisches Stück kanadischer Kultur mit. Bäume, vermummt für den
Winter und wie abstrakte Skulpturen wirkend, provisorische Garagen,
sind solch augenzwinkernde Attribute einer Gesellschaft, der das
Künstliche natürlicher als die Natur selbst scheint. Eingestellt in
die Architektur der Dornbirner Stadtkirche St. Martin entsteht ein
ganz persönlicher Tempel der Erinnerungen.
Als Letzte in Dornbirn eingetroffen ist Marie-Josée Laframboise.
Beruhend auf der materialimmanenten Ambivalenz, schlägt das
Spielerische ihrer grünen, labyrinthartig im Raum aufgehängten Netze
unvermittelt in ein "Jetzt habe ich dich" um. Der Geradlinigkeit der
Architektur setzt sie das Geschwungene gegenüber, das sie an die
Berge, denen sie nicht entfliehen kann, erinnert.