Das Künstlerhaus engagiert sich aufgrund
seiner Mitglieder für Druckgrafik: so kommen nun nicht zuletzt die
Kuratoren einer weltumfassenden Leistungsschau, Georg Lebzelter und
Wojtek Krzywoblocki, aus dem Haus.
Und sie schreiben hier auch als Künstler
ein Kapitel Mediengeschichte, das seit einigen Jahren neues Terrain
gewinnt: Denn Druckgrafik, in den Sechzigerjahren billiger Einstieg für
Kunstsammler durch die hohen Auflagen damaliger Techniken, ist Ende des
Jahrtausends am westlichen Kunstmarkt in Verruf geraten. Durch Computer
und neue Medien erklärte man an den Kunstakademien allzu schnell die
alten Techniken für ausgestorben.
Vielfalt der Techniken
Dagegen gab es in den Oststaaten laufend Biennalen und Triennalen,
auch Spanien oder Japan behielten ihr Interesse. Was dann passierte,
kann nun in der das ganze Haus umfassenden Print-Ausstellung im
Künstlerhaus gut nachvollzogen werden: weltweit werden heute alte und
neue Medien für den Druck auf Papier oder auch auf andere Materialien
verbunden.
Dabei entstehen völlig neue grafische Mischtechniken, das Medium ist
damit lebendiger als die Malerei. Neu ist auch die Reduktion der
Auflage, die entweder bewusst zu Stande kommt oder durch Kombination,
die zu Unikaten führt. Damit ist auch die Angst des Käufers vor zu
hohen Auflagen und Preisminderung getilgt.
Keine Männer-Kunst
Im Gegensatz zur Krakauer Triennale, die es seit 1966 gibt, wurde
bei der Künstlerhaus-Schau die Teilnehmerzahl reduziert – es bleiben
immer noch 350 Arbeiten von 165 Künstlern aus 50 Nationen. Druckgrafik
ist auch nicht mehr auf kleine Papierformate beschränkt: die Arbeiten
füllen locker die großen Wände des Hauses oder sind in offene weiße
Stellagen gehängt, die gestalterisch an die hohe Ästhetik von Friedrich
Kieslers "Raumstadt" erinnern.
Zur Verbindung ins Obergeschoß hat Brigitte Pamperl eine
Schriftbandarbeit für die Stiegenabsätze geschaffen, womit sie neue
Kommunikationsformen im Printbereich nutzt – und feministisches
Engagement erkennen lässt: Alle Theoriestatemens über das Genre, die
nun auf den Treppenabsätzen stehen, stammen von Männern. Deren Dominanz
widerspricht allerdings die Praxis: allein Österreich zeigt mit Lore
Heuermann, Natalia Weiss, Helga Cmelka oder Henriette Leinfellner ein
großes weibliches Engagement, und das gilt auch international, da
Künstlerinnen seit den Sechzigerjahren in neuen Medien stark engagiert
sind.
Auch die Polen oder die Japaner zeigen längst nicht mehr
traditionellen Umgang mit Druckgrafik, sondern haben die Einbeziehung
der Fotografie, die Mischung von Digitaldruck und Lithografie etwa, das
Übertragen auf Objekte oder die Prägungen des Papiers samt aktueller
Thematik mitvollzogen.
Neues vom Grafik-Star
Der nach Krakau zweite Mitveranstalter der Schau, das Horst
Janssen-Museum Oldenburg, hat von gleichnamigem deutschen Star-Grafiker
noch nie gezeigte Fotoarbeiten und Radierzyklen für die
Künstlerhaus-Galerie als Ergänzung geborgt. Bei einem Symposium vom 21.
bis zum 23. September wird das Erkundungsfeld Druckgrafik diskutiert.
Internationale
Grafiktriennale 07
Künstlerhaus: Print
Kuratoren: G. Lebzelter,
W. Krzywoblocki
1., Karlsplatz 5
http://www.kuenstlerhaus.at
Bis 12. Oktober
Spannender Neustart.
Dienstag, 18. September 2007