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Klaus Maria Brandauer baut in El-Arisch Kulturbrücken

Islam, der Westen und Brandauer


300 Jahre Wiener Zeitung!Am Wochenende ging, mit Unterstützung der österreichischen Botschaft, das dritte Al-Asala-Filmfestivals in der Beduinenstadt El-Arisch in der Nähe des Gazastreifens, über die Bühne. Das Pionierprojekt des Dialogs zwischen den Kulturen mit arabischen und internationalen Künstlern in der ägyptischen Wüste ließ so manchen Teilnehmer desillusioniert zurück.
Es geht um Dialog, so der Festival-Direktor und Organisators Dessouki Said, der gegen alle Widerstände des bürokratiegelähmten Staates als erster Ägypter eine derartige private Initiative auf die Beine stellte. Dialog zwischen dem Islam und den westlichen Gesellschaften durch die Künstler der verschiedenen Länder.
Gast dieses Festivals war auch Klaus Maria Brandauer, der in Ägypten ausschließlich als Bösewicht Largo in dem James- Bond-Streifen "Never Say Never Again" bekannt ist, beim Al-Asala-Festival war er in Fritz Lehners "Jedermanns Fest" zu sehen. "Man kann nicht immer vom Brücken-bauen sprechen und dann, wenn es drauf ankommt, Nein sagen", erklärt Brandauer.
Nationale und internationale Stars, Filme und bildende Kunst sowie Journalisten wurde zu diesem Festival, in ein von der Weltpolitik gehemmtes Gebiet, gebracht. "Es geht nicht um Dialog, sondern vor allem um Tourismus", bilanziert die teilnehmende österreichische bildende Künstlerin Lotte Seyerl, sie fühlt sich "als Künstlerin missbraucht für eine Tourismus-Initiative".
Der Aufwand des inspirierten Organisators Said, ein internationales Filmfestival aus dem Sandboden zu stampfen, ist gewaltig, die Veranstaltung selbst jedoch "ein bisschen noch in den Kinderschuhen", wie Brandauer vermerkt.
Bei einer Pressekonferenz spielen Brandauer und der österreichische Botschafter, Ferdinand Trauttmannsdorf, den Schwarzen Peter der kulturellen Versteinerung zurück an die westliche Welt. "Auch in Altaussee wird Kulturfundamentalismus betrieben", so Trauttmannsdorf mit dem Hinweis, dass dort Brandauer in Lederhosen anzutreffen sei. "Mein Kopftuch ist die Lederhose", vergleicht zustimmend Brandauer, der bilanziert: "Das Wichtigste sind die Menschen. Die sind Grund genug, dass es dieses Festival gibt."
Der kürzlich ins siebte Lebensjahrzehnt übergegangene Klaus Maria Brandauer fühlt sich "mordsmäßig jung", plant ein Jahr des Filmes und sucht "zündende Ideen" für sein nächstes großes Theaterprojekt. Das immer wieder aufkeimende Gemunkel, ob er jemals ein großes Theater leiten wird, wünscht sich Brandauer beendet: ",Sag niemals nie' gilt in Bezug auf diese Sache nicht mehr."
Im Oktober sollten die Dreharbeiten zur Sandor-Marai-Verfilmung "Die Glut" unter Regisseur Milos Forman beginnen, wo jedoch gerade Partner Sean Connery abgesprungen ist.
Zu Fragen der österreichischen Kulturpolitik will sich der politisch "hoch interessierte" Brandauer jedoch nicht äußern: "Ich will mich da nicht wichtig machen." Der Unterschied zwischen Politik und Kunst sei, dass "in meinem Scheitern als Schauspieler auch Positives liegen kann. In der Politik ist Scheitern gefährlich".

Erschienen am: 08.08.2003

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