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vom 26.08.2005 - Seite 002
Mit "Origin" - einer Serie digital bearbeiteter Fotos - will der US-Künstler Daniel Lee jenes Bild vermitteln, das er sich von der Evolution des Menschen macht. Foto: AEC/Daniel Lee

Der künstlerische Leiter Gerfried Stocker im OÖN-Gespräch über das diesjährige Festival-Thema "Hybrid - Living in Paradox", den Begriff "hybrid" und Beispiele dafür im Alltagsleben.

VON SILVIA NAGL UND CLAUDIA WERNER

OÖN: Das diesjährige Thema "Hybrid - Living in Paradox" klingt sehr spröde ¼

STOCKER: Es ist wohl das Wort "hybrid", das Konfusion auslöst. Obwohl es kaum einen Lebensbereich gibt, auf den dieses Wort nicht zutrifft. Der Begriff bedeutet, dass sich Dinge aus einer bestimmten Zuordnung heraus wegentwickeln und überschneiden.

OÖN: Zum Beispiel?

STOCKER: Am stärksten zeigt sich der Begriff derzeit in der Debatte um Terrorismus und Fundamentalismus. Am tragischsten und aktuellsten bei den Ereignissen vor Kurzem in London: nämlich dadurch, dass Terroristen, die solche Anschläge verüben, nicht aus dem so genannten "Fremden" kommen, sondern aus unserer eigenen Gesellschaft und dieser Gesellschaft Schaden zufügen.

Oder schon länger gibt es das Phänomen Hybridisierung im Bereich Popkultur: Denn es gibt längst keine Trennung von Pop, Avantgarde oder Klassik. Dass beispielsweise junge Türkinnen, die in Berlin in zweiter oder dritter Generation leben, das Kopftuch als Zeichen für eine bestimmte kulturelle Zugehörigkeit tragen. Und genau diese Frauen legen in Berliner Nachtclubs amerikanische, schwarze Rap-Musik auf - für ihre Eltern Symbol ihres Todfeindes. Und die stärkste Form der Hybridisierung ist, dass wir tagtäglich als reale Menschen in realen Häusern mit realen Menschen zu tun haben und doch jeder in einer virtuellen Infosphäre lebt. Denn jeder, der irgendetwas wissen will, geht ins Internet, tippt Google ein, und zack - da ist schon die Information. Das ist Teil der Hybridisierung.

OÖN: Das Thema auf den Punkt gebracht?

STOCKER: Dass unsere Welt davon charakterisiert ist, dass die Dinge sich vermischen.

OÖN: Wie wird die Hybridisierung im Festival umgesetzt?

STOCKER: Der Bereich der Hybridiserung in unserem Kultur- und Gesellschaftsleben wird im Symposion abgehandelt. Die Auswahl der Symposionsreferenten ist ja heuer eher Ars-untypisch: Viele kommen aus Politologie, Sozialwissenschaften und Kunst.

In anderen Bereichen zeigt sich Hybridisierung vor allem mit künstlichen Lebewesen, vom Golem-Mythos über die Roboter bis hin zur Biotechnologie unserer Zeit. Und da wird dieser Begriff auch gut sichtbar gemacht, wenn Künstler zwei verschiedene Lebensformen zusammenbringen: menschliche und maschinelle Intelligenz. Oder Theo Jansen mit seinen riesigen, nur vom Wind betriebenen "Tieren", die auf dem Hauptplatz präsentiert werden. Und natürlich die Ausstellung "Digital Creatures", also fotorealistisch animierte Schauspielfiguren, die nur mehr mit dem Computer erzeugt werden.

OÖN: Wie glauben Sie, jemanden, der mit Ars Electronica bisher gar nichts anfangen konnte, zu einem Besuch des Festivals überreden zu können?

STOCKER: Weil Projekte gezeigt werden, die den Aspekt der neuen Technologien in attraktiver und spannender Weise präsentieren. Egal, ob jemanden das Thema interessiert, aber es ist sicher faszinierend, sich diese Kunstprojekte anzuschauen.

OÖN: Ist das Festival auch für normal arbeitendes Volk zu besuchen?

STOCKER: Ja, denn Samstag und Sonntag sind die Highlight-Tage, und die Abende werden mit Performances bespielt. Und unsere Bemühungen, in den öffentlichen Raum und damit auf die Leute zuzugehen, wurden heuer noch mehr verstärkt: Sogar der Bahnhof ist Ausstellungsstation. Die Öffnungszeiten der Ausstellungen sind teilweise bis 21 und sogar bis 24 Uhr.

OÖN: Was sollen Besucher keinesfalls versäumen?

STOCKER: Auf jeden Fall sollte das Konzert am Freitag mit Mercan Dede, eine Fusion aus Electronic und orientalischer Musik aus der Sufi-Tradition, in den Kalender eingetragen werden! Und die Figuren von Theo Jansen wird man in dieser Woche in Linz sowieso nicht übersehen können. Zum Einstieg am Donnerstag das Fest in der ÖBB-Halle, die schon alleine als neue Location Spannung verspricht.

Gerfried Stocker Foto: Starmayr

OBERÖSTERREICHER BEIM FESTIVAL

Oberösterreicher beim Festival

"Es gibt wohl kein zweites Festival im Lande, wo so viele Künstler aus Oberösterreich mitmachen", sagt Gerfried Stocker über das diesjährige Festival Ars Electronica. "Die u19-Ausstellung ist natürlich von jungen Oberösterreichern dominiert. Und in der Kategorie ,next idea` wurde der Preisträger nicht in Japan, sondern in Oberösterreich gefunden."

Einige Namen: Erich Berger, Reinhold Binder, Didi Bruckmayr, Gerhard Dirmoser, Fadi Dorninger, Alois Ferscha, David Haslinger, Andreas Jalsovec, Ursula Hentschläger mit Zelko Wiener, Friedrich Kirschner, Hans Kropshofer, Dietmar Lehner, Martin Mairinger, Pascal Maresch, Dietmar Offenhuber, Stephan Pirker, Stefan Schilcher, Barbara Siegel, Christa Sommerer und "Interface Culture"-Studierende, Cherry Sunkist, Spring String Quartet, Time's up u. v. a. m.

Alles vermischt sich immer mehr


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