Preisverleihung Fr. 3.4., 18 Uhr, Kunstakademie am Schillerplatz, Ausstellung bis 5. 4.


Wien - "Das hat ja nichts mit meiner Arbeit zu tun" , wundert sich Susanne Miggitsch über die Fragen, die ihr nun mitunter gestellt werden: "Zum Beispiel, wann ich das erste Mal eine Kamera in der Hand hielt" . Es ärgert sie, dass sie dann überrumpelt doch Auskunft gibt. Die 22-jährige Steirerin, die am Freitag den Birgit Jürgenssen-Preis verliehen bekommt, hat sich noch nicht ganz an das Interesse an ihrer Person gewöhnt.
Miggitsch absolvierte 2006 die Schule für künstlerische Fotografie bei Friedl Kubelka und studiert nun an der Akademie der bildenden Künste; zunächst Fotografie bei Matthias Hermann, nun Video und Videoinstallation in der Klasse von Dorit Margreiter. Die Fotografie bleibt ihr Medium, allein der Körper-Raum-Bezug, das Verhältnis von medialem Bild, physischem Raum und Körper bekommt nun mehr Gewicht.
"Mit einer sehr eigenwilligen Beharrlichkeit verdichtet die Studierende ihre Lösungen für die jeweils bearbeitete Thematik" , heißt es unter anderem in der Begründung der Jury, die sich einstimmig für Miggitsch entschied. Solche Beharrlichkeit zeigt sich in ihrer Arbeit etwa als ein Hinwegsetzen über Bedenken: Als sie ihre Arbeit Ein Buch, Teil eines Semesterprojektes zum Thema Aids, letzten Juni auf Weltreise schickte - sie gab es jemandem nach London mit, der es einem Australien-Reisenden weiterreichte - hielten das manche ihrer Studienkollegen für leichtsinnig. Das Kunstobjekt, dessen Dokumentation vom Bund angekauft wurde, könnte ja verlorengehen.
Miggitsch war es aber wichtig, dass das Buch, eine Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichem, von Hand zu Hand weitergereicht wird und sie das nicht mehr beeinflussen kann. Vielleicht erlebe sie es auch nicht mehr, lacht Miggitsch, wenn das 600 Seiten dicke Buch, angefüllt mit vielen persönlichen Erfahrungen zum Thema Aids, nun im Buch öffentlich geteilt, nach Wien zurückkehrt.
"Ja" , bestätigt Miggitsch, das Abgeben von Kontrolle sei schon eine Frage, die sie interessiere. Auf so eine Position festnageln lassen will sie sich aber nicht. Im Video Konstruktionselemente (2007/ 2008) verweigert Miggitsch die Eindeutigkeit und die Chronologie der filmischen Narration, tauscht die Position der Bilder aus, um neue Lesearten und Bezüge herzustellen. Auch in Konstruktion einer Geschichte (2008) spiegeln sich diese Haltungen künstlerisch wider: Der Aufgabenstellung im Seminar "Theoretische Positionierung von KünstlerInnen" begegnete sie mit einer multiperspektivischen, sich einem eindeutigen Standpunkt verweigernden Textcollage zwischen Realem und Fiktivem. Zur Präsentation in der Klasse, stellte Miggitsch eine Kamera auf, schlug die Klappe und verschwand.
Der mit 2000 Euro dotierte Preis, erinnert an die 2003 verstorbene Künstlerin Birgit Jürgenssen, die an der Entwicklung der Hochschule maßgeblich mitwirkte. Die Auszeichnung, die bisher unter anderem Pirmin Blum und Andreas Duscha erhielten, wird heuer zum sechsten Mal an einen Studierenden für Arbeiten im medialen Bereich vergeben. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2009)