


Judith Hopf: "Some ends of things", Ansicht einer Schau zum stets aktuellen Thema Erschöpfung
Arbeiten von Judith Hopf sind meist von literarischen Vorlagen inspiriert: Im Video "Bartleby" wird eine Geschichte von Melville in eine neoliberal geführte Firma verlegt, und in der Schau "some ends of things" bilden Überlegungen von Samuel Beckett den Ausgangspunkt.
Wenn sich Judith Hopf mit "some ends" befasst, schaut das erwartungsgemäß gar nicht so traurig aus. Dabei hat sich die Künstlerin eigentlich mit dem Begriff der "Erschöpfung" befasst, den man unschwer mit der gegenwärtigen Arbeitswelt in Verbindung bringt. Beckett hat den Begriff insofern gewendet, als für ihn Erschöpfung nicht nur Müdigkeit ist, sondern auch Antrieb für (literarische) Innovation: Selbst wenn der Erschöpfte Fehler macht, sind seine nicht kalkulierbaren und unvorhersehbaren Aktivitäten genau das, was Beckett literarisch, aber auch in Bezug auf neue Modelle von Subjektivität interessiert.
Judith Hopf redet damit nicht dem Burnout das Wort, sondern nimmt mit dem Begriff der "Erschöpfung" auf einen auffälligen Zustand der Gesellschaft Bezug, den sie in Anlehnung an Becketts Variationen unter einer verschobenen Perspektive zu beleuchten versucht: Bei Andreas Huber präsentiert sie selbstgemachte formschöne Vasen, die sie auf verschieden hohen weißen Sockeln platzierte. Die meisten stehen auf dem Kopf und sind mit einfachen Strichen bemalt, die comicartige Gesichter ergeben: Betritt man die "Aufführung" der ratlos blickenden Vasen, fallen einem die Kohlköpfe von Louis de Funès ein oder auch die Filme von Jacques Tati, wobei dessen stets überernstes Gesicht auf einer der Vasen sogar verewigt scheint.
Tatsächlich lieferten aber weder de Funès noch Tati die Vorbilder für die Gesichter, sondern der amerikanischen Karikaturist Saul Steinberg, dessen Selbstironie Hopf mit zwei Zeichnungen Reverenz erweist: Es handelt sich dabei um eine weibliche und eine männliche Version Wartender Laptops, die erschöpft, aber dauerbereit auf den nächsten Klick warten. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.12.2009)
Galerie Andreas Huber, 1060 Wien, Capistrangasse 3 Bis 9. 1.
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