| Frankfurt/Main (APA) - Etwa 30 Zuschauer verfolgten das
Schauspiel vor einem der ausgestellten Werke von Nitsch.
"Schaun`s einfach mal, wie das Blut fließt", forderte der
63-Jährige die Anwesenden auf. Ein weibliches Modell war dazu
mit verbundenen Augen an ein Holzkreuz gebunden. In
wechselnder Reihenfolge goss der Künstler Schweineblut,
Eigelb, Wasser und weißen Kleister in ihren Mund. Dann ließ
sie die Flüssigkeiten auf ihr weißes Gewand rinnen.
Außer mit Farbe arbeitet Nitsch auch mit Blut, Schleim und
Innereien. Ziel seiner Arbeit sei Intensität, sagte er, damit
die Realität erfahrbar werde. Das müsse doch auch ohne Terror
und Krieg gehen, eben im Theater, erklärte er im Hinblick auf
die Ereignisse des 11. Septembers. 1998 realisierte er unter
Protest von Tierschützern und Behörden in seinem Privatschloss
ein Orgien- Festspiel, an dem er weiter arbeitet.
Die Zuschauer interessierte, was das Modell empfinde. "Es
schmeckt stark, intensiv. Die körperliche Wahrnehmung ist
gesteigert", sagte die junge Frau. Sie habe diese Erfahrung
unbedingt machen wollen, obwohl sie Vegetarierin sei. Proteste
blieben in der Schirn aus, denn die meisten Gäste waren
ehemalige oder jetzige Studenten von Nitsch der seit einigen
Jahren an der Frankfurter Städelschule lehrt.
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