KunstHalle Wien: Arbeiten von Robert Adrian X
Collage, Kampfflieger und die Kunst der Selbstreflexion
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Seine Arbeiten tauchen seit den siebziger Jahren zuweilen in
Galerien und einigen wenigen Ausstellungen auf: Robert Adrian X, 1935 in
Toronto geboren, ist nun seit drei Jahrzehnten Wahlösterreicher. Die
KunstHalle zeigt bis 10. Februar eine erste umfassende Retrospektive, die
von Lucas Gehrmann kuratiert wurde; der Titel "Cultural Collaging" spielt
auf die Arbeitsmethode des Künstlers an. Zu Beginn der neunziger Jahre
war am Handelskai eine seiner großen Arbeiten im öffentlichen Raum
entstanden - davon ist die Variante "Picasso's Eye" auch in der Schau zu
finden. Sie erinnert an Medienkunst, die schon sehr früh wesentlicher Teil
der Strategien Robert Adrian X' geworden ist. Er hört heute, in der
Hochzeit von Telekommunikation und Netzkunst, schon wieder auf, damit zu
arbeiten, da der frühe experimentelle Charakter ihn offenbar mehr
interessierte. Einflüsse der Arte povera, der Konzeptkunst und auch
der Pop-Art finden sich in den bekannten Arbeiten "76 Airplanes" - mit
Papieren collagierten Modellkampffliegern in einer
Allrichtungsinstallation an einer Wand -, in der audiovisuellen
Installation "Green Light" oder den "Arcs" aus bemaltem Japanpapier, die
zwischen Wandskulptur und Collage, in sich vielteilig, letztlich auch noch
die Herkunft des Künstlers aus der traditionellen Landschaftsmalerei
Kanadas verraten. Der gegangene Abstraktionsprozess, die Erweiterung der
Medien und Konzepte - auch in Richtung Fotografie und Video - lässt sich
in der Schau an interessanten Exponaten sehr gut nachvollziehen.
Bleibt noch über den wesentlichen Faktor der Ironie zu sprechen: Nicht
nur Yves Kleins "Sprung aus dem Fenster" hat Robert Adrian X in einer
kleinen Fimomasse-Figur an einem Pfeiler nachvollzogen; auch seine
zahlreichen Jobs vom Aktmodell zum Kartenabreißer, mit denen er seine
Kunst als junger Mann finanzierte, sind in den "24 Jobs" in Miniatur als
Selbstreflexion gegen den Geniebegriff nachzuvollziehen.
Erschienen am: 04.01.2002 |
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