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Kunstberichte

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Illustration

Der Jessas-na-Effekt

(cai) Wenn eine Mutter, deren Sohn verheiratet ist, mit nacktem Gesäß auf einem Kaktus Platz nähme, um mit ihrem stummen Schmerz gegen den diskriminierenden Namen der Pflanze aufzubegehren ("Schwiegermuttersessel"), was wäre das dann? Na ja, eher amüsant als provokant . Die Ausstellung "Provokation" (mit Fragezeichen) hält sich aber eh nicht mit den fragwürdigen Aktionen narzisstisch Gekränkter auf. Und verdient vermutlich sogar die Prädikate "besonders blutig" und "besonders jugendverboten". Empathische Personen müssen jedenfalls mit diffusen Gliederschmerzen und der einen oder andern Kolik rechnen. Mindestens.

Migräne kriegen sie garantiert, wenn sie sich das tragikomische Medley aus Hollywood-Kopfschüssen reinziehen, schmissig gemixt von Oliver Pietsch. Da geht’s zu wie bei einem Hirn-Weitspritz-Wettbewerb (pflatsch!). Sehr gatschig. Dann dieser unzensurierte Katz-frisst-Ratz-Schocker von Adel Abdessemed. Degoutant. Ein Pfuigack-Ereignis. Katzen sind also doch keine Vegetarier, obwohl wir unbedingt glauben wollen, Whiskas sei ein Kas mit Whiskyaroma oder wenigstens ein Ufo-T. Ein unbekanntes Fleischobjekt der Tier-Kategorie? Äh, andersrum: Tofu!

Und Judith Pichlmüller massakriert mit der gefährlichsten Waffe einer Frau 50 Küchenschaben. Mit dem Stöckelschuh. Zertritt die eklige Kreatur. Der unfaire Triumph artet bei der Aggressorin freilich irgendwann in panische Notwehr aus (wie beim Onkel Fritz angesichts der Maikäfer). Dann ist’s vorbei. Mit der Kakerlakelei! Roberta Lima schließlich lässt sich im süßen Kleinmäderllook von einem Piercer bearbeiten (da läuft bei mir der Freud heiß). Alice im Wundenland. Ein hochästhetisches, geradezu beschauliches Martyrium. Schmerzromantik. Und durch die ganze Galerie zieht in dicken Schwaden die eine Frage: Wie nötig hat die Kunst den Jessas-na-Effekt?

Fotogalerie Wien
(Währinger Straße 59)
Provokation?
Bis 3. Oktober
Di. bis Fr. 14 bis 19 Uhr
Sa. 10 bis 14 Uhr
Gib da des! (Pfoa!)

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Die Reifeprüfung

(cai) Ist Kunst immer Kunst oder nur während der Öffnungszeiten? Kann ich auch nicht beantworten. Und welcher Ismus das sein soll, noch weniger. Minimalismus vielleicht. Oder Surrealismus. Oder gar kein Ismus, sondern Ikea. Mit dem Metabolismus haben die kargen Eingriffe von Maik und Dirk Löbbert zumindest nix zu tun. Ein weißer Teppich (seltsam, man verspürt den Drang, ihn so respektvoll zu behandeln wie ein Bild, auf das man ja ebenfalls nicht draufsteigt), ein umgedrehter Schrank mit rot angemalter Rückseite, vom Plafond baumelt eine Kette, zwei Klebestreifen vereinen sich zu einem Plus. Oh, ich weiß: Es ist ein Rätsel. Was passt nicht dazu: K ette, K asten, K reuz, T eppich? Die einzig logische Reaktion auf diese Ausstellung ist somit, den Teppich aufzurollen und damit abzuhauen. Andererseits könnte genau das ein Zeichen dafür sein, dass man endgültig den Kunstverstand verliert. Manche Installationen sollte man einfach hinnehmen. Ohne genauer nachzufragen. Im Zweifelsfall ist sowieso alles Konzeptkunst.

Galerie Mezzanin
(Getreidemarkt 14)
Maik & Dirk Löbbert
Bis 3. November
Di. bis Fr. 13 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Hm... äh... tja.

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Der Pinsel von Oz

(cai) Sie malt, wie die Königin der Nacht singt: ziemlich reißerisch. Bleibt einem fast die Luft weg. Maja Vukoje kriegt mit dem Pinsel und dem Spray regelrechte Koloraturen hin. Ihr gebührt das Adjektiv "virtuos" wirklich. Alles da: handfeste Materie und ätherische Erscheinung, das (kontrolliert) Hingefetzte und das Hingehauchte. Auch vor Glitzer schreckt sie nicht zurück, um die Unwiderstehlichkeit ihrer märchenhaften Bilder zu gewährleisten. Solang sie sich Marzipanröschen verkneifen kann, ist mir alles recht.

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11)
Maja Vukoje
Bis 31. Oktober
Di. bis Fr. 13 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Jawoll!

Mittwoch, 19. September 2007


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