Ernst P. Strobl Wien (SN). "Sex - ein süßer Sport", "Mannsbilder!", "Gerüstet für's Turnier", "Die schärfsten Fankurven" oder "Die schönsten Fouls der Kunstgeschichte", das sind einige der Themen, mit denen sich das Kunsthistorische Museum werbemäßig auf die Fußball-Europameisterschaft 2008 einstellt. Unter dem Titel "Wir sind Europameister" - und das bezieht sich selbstverständlich auf den Kunsttempel und nicht auf die Torjäger - will man den Massenauflauf auf der Fanmeile im Zentrum Wiens zwischen Rathausplatz, Ringstraße und Heldenplatz nützen, um die Besucherzahlen zu steigern. Es gibt Spezialtickets wie ein "Elferticket" oder "Ladies Ticket", auch ein "Halbzeit-Ticket" für 45-Minuten-Besuche wird aufgelegt. "Die Fans umlenken", nennt das Wilfried Seipel, der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, der sein Haus nicht "abschotten" will, sondern das Verhältnis Kultur/Sport "entkrampfen".
Unter "abschotten" meint Seipel vielleicht das Burgtheater. Dieses sperrt nämlich den Sprechtheaterbetrieb in der Zeit, da das Haus am Ring von lautstarken Sportfreunden umzingelt ist, einfach zu und überlässt es einem "Untermieter" wie der Telekom, vor geladenen Gästen, sozusagen Edel-Fussballfans, die Fußballspiele auf einer Videowall zu zeigen. Im Akademietheater oder im Casino am Schwarzenbergplatz geht der Theaterbetrieb normal weiter. Eine angekündigte Bundesländertournee des "ausgesperrten" Burgtheaterensembles ist noch in der Planungsphase.
Neben Wilfried Seipel sind auch andere Museumsbetreiber im Umfeld der Fanbewegungen auf Ideen gekommen, die laute Zeit zwischen 7. und 29. Juni 2008 mit Spezialangeboten für fußballaffine Kulturflaneure oder kulturaffine Fußballfreunde zu nutzen. Ein bisschen gemein, aber witzig klingt der Plan des Leopold Museums im Museumsquartier, "Moderne Kunst der Färöer Inseln" auszustellen und damit ironisch auf eine tief sitzende Schmach des Fußballlandes Österreich zu reagieren. Die Sonderausstellung "Der Ball ist rund" im Kindermuseum "Zoom" befasst sich mit physikalischen und sogar philosophischen Phänomenen rund ums runde Leder. Ansonsten ist das Museumsquartier nicht aus der Ruhe zu bringen, da man auf 70 Prozent Stammbesucher zählt und den Zuzug von neuem Publikum nicht forcieren will.
Ein wichtiger Fanmeile-Anrainer neben dem Kunsthistorischen Museum ist das Naturhistorische Museum. Auf SN-Anfrage hieß es am Montag, es werde noch überlegt, Spezialangebote zu erarbeiten. Vielleicht fallen Bernhard Lötsch einige "Hooligans" unter seinen Tieren ein oder eine Mistkäfer-Schau, denn die "Pillendreher" rollen auch etwas Rundes durch die Gegend - wenn auch nicht so schnell wie Fußballer, die ebenfalls damit ihren Lebensunterhalt fristen.






