


Christoph Thun-Hohenstein will als Mak-Direktor aus dem Museum für angewandte Kunst kein Designmuseum machen und den Flakturm verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Andrea Schurian fragte nach.
Wien - Ab 1. September wird im Museum für angewandte Kunst definitiv ein anderer Ton herrschen - im Gegensatz zu seinem Vorgänger Peter Noever spricht Christoph Thun-Hohenstein, der neue wissenschaftliche Geschäftsführer des Mak, auffallend leise. Er gehe voller Hochachtung und Demut an seine neue Aufgabe heran, sagte er bei seiner Präsentation am Montagvormittag. "Aber Demut heißt nicht Mutlosigkeit." Er setze vielmehr auf zielgerichtete Erneuerung: "Das Haus wird nicht sofort auf den Kopf gestellt." Das drückt sich nicht zuletzt auch darin aus, dass die derzeitige interimistische Leiterin Martina Kandeler-Fritsch, als Thun-Hohensteins Vizedirektorin am Haus bleibt. Allerdings, so der 51-jährige ehemalige Diplomat, plane er wesentlich mehr Sonderausstellungen als bisher.
Teamorientiert, auslandserfahren, kurzum: einen "Glücksfall" nennt Kulturministerin Claudia Schmied ihre Wahl. Thun-Hohenstein, der einen Fünfjahresvertrag bekommt, sei zwar nicht unter jenen 58 Bewerbern gewesen, die innerhalb der Ausschreibungsfrist ihr Interesse an der Position offiziell bekundeten. Aber er habe sie in persönlichen Gesprächen von seiner Zukunftsvision für das Mak überzeugt. "Personalentscheidungen sind wichtige kulturpolitische Weichenstellungen und daher nicht delegierbar", sagte Schmied. "Es geht um Fragen des Vertrauens. Aber ich fälle meine Entscheidungen nicht autistisch im stillen Kämmerlein, sondern spreche mit den Kandidaten, hole Informationen ein, berate mich mit Experten."
Einer der Ratgeber war Erste Bank-Chef Andreas Treichl in seiner Funktion als Mak-Kuratoriumsvorsitzender. "Nach der schwierigen Zeit der letzten Monate" sei er glücklich über die rasche und professionelle Lösung. Thun-Hohenstein könne als "Vollprofi" auf dem international anerkannt hohen Niveau des Mak aufbauen. Das Haus müsse, darin sind sich Schmied und Treichl einig, eine Stätte der Vielfalt bleiben: "Es braucht nicht mit anderen Museen in Konkurrenz zu treten mit Blockbuster-Ausstellungen." Befragt zur Causa Noever, antwortete Treichl, der Rechnungshof prüfe, der Rohbericht werde im Oktober vorliegen.
Thun-Hohenstein, aus Kärnten gebürtiger Doppeldoktor in Jus und Philosophie, ist ein geschickter und begeisterter Netzwerker,hoch angesehen in der österreichischen wie in der internationalen Kunstszene. Er war leitender Beamte des Außenministeriums, zwischen 1999 und 2007 Direktor des Austrian Cultural Forum New York und seit 2007 Chef der Kreativagentur departure, einer an der Schnittstelle von Kunst, Design und Wirtschaft operierenden Service- und Förderstelle der Stadt Wien. Dieser Job wird per 1. September vakant. Und das Bewerbungs- und Bestellungskarussell dreht sich weiter.
STANDARD: Könnte sein, dass einige der Anwärter auf die Mak-Direktion ihr Bewerbungsschreiben für die jetzt frei werdende departure-Geschäftsführung gleich direkt an die zuständigen Stellen der Stadt Wien schicken?
Thun-Hohenstein: Ich kenne die Namen der Bewerber nur aus der Zeitung, habe auch bezüglich der Nachbesetzung bei departure kein Vorschlagsrecht. Aber ich würde der zuständigen Stadträtin und Vizebürgermeisterin Renate Brauner, mit der ich hervorragend kooperiert habe, gern sagen, was aus meiner Sicht wichtige Anforderungen an das Profil der Geschäftsführung wären.
STANDARD: Nämlich?
Thun-Hohenstein: Durch Netzwerkaktivitäten präsent zu sein, Vernetzungsqualitäten auszuspielen, die Kooperationen vertiefen. Ich habe immer versucht, die besten Kräfte zu bündeln, Zusammenarbeit auszubauen. Das werde ich auch im Mak machen.
STANDARD: Da werden Sie Ihr diplomatisches Geschick brauchen können. Das Haus ist gespalten, gegen Ihre künftige Vizedirektorin wurde bei der Ministerin ein Misstrauensantrag eingebracht. Fürchten Sie interne Grabenkämpfe?
Thun-Hohenstein: Nein. Ich bin sehr sachlich und zielorientiert. Ich werde versuchen, das Team neu zu motivieren. Es macht aber keinen Sinn, Leute, weil sie angefeindet waren, auszuwechseln.
STANDARD: Bei Ihrer Antrittspressekonferenz haben Sie von "Change" gesprochen. Klingt nach Obama?
Thun-Hohenstein: Das war mir in diesem Kontext gar nicht so bewusst. Aber positiver Wandel unserer Gesellschaft ist eines der großen Themen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Museumsarbeit. Der Industriedesigner Dieter Rams hat sinngemäß gesagt, Designer haben nicht die Aufgabe, noch mehr Dinge zu entwerfen, sondern sinnvolle Beiträge für die Weiterentwicklung der Gesellschaft zu leisten. Dieses Verständnis von Design setzt sich immer mehr durch. Das heißt nicht, dass man anderes nicht zeigen wird. Aber es heißt, dass dieses Thema als Kernthema des Museums in den Vordergrund rückt.
Standard: Was verstehen Sie unter angewandter Kunst?
Thun-Hohenstein: Um das zu klären, möchte ich einen Sondierungsprozess in Gang setzen. Ein Thema, das für das Mak auf der Hand läge, wäre, die neuen handwerklichen Qualitäten in der Gegenwartskunst zu untersuchen: Künstlerinnen und Künstler wenden sich derzeit wieder verstärkt von rein digitalen Welten ab und versuchen, malerischen Ansprüchen zu genügen; im bildhauerischen Bereich mit entsprechendem handwerklichen Können zu arbeiten - diese Tendenz könnte man aufzeigen.
STANDARD: Bleibt es dabei, dass zeitgenössische Künstler Sammlungsräume gestalten?
Thun-Hohenstein: Ich möchte das im Prinzip behutsam fortführen. Vieles genügt immer noch höchsten ästhetischen Ansprüchen. Aber es wird das eine oder andere Thema geben, das man prominenter zeigen müsste - aber immer aus einer künstlerischen Gegenwartsperspektive heraus.
STANDARD: Teilen Sie die Meinung Ihres Vorgängers Peter Noever, es könne gar nicht genug Gegenwartskunst ausgestellt werden?
Thun-Hohenstein: Dem stimme ich zu. Gegenwartskunst wird weiterhin einen zentralen Stellenwert haben. Ich hielte es für völlig verfehlt, aus dem Mak ein reines Designmuseum zu machen. Design ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Teil. Man muss Kriterien für das Mak weiterentwickeln und hinterfragen, was man an den Schnittstellen von Architektur, Design und Kunst zeigen und sammeln soll. In der enormen Vielfalt gilt es, das Programm nicht beliebig werden zu lassen. Sondern Stringenz zu entwickeln, auch angesichts dessen, was im Flakturm im Arenbergpark zu sehen ist.
STANDARD: Welche Bedeutung werden der Flakturm oder auch das Mak-Center in Los Angeles und das Josef Hoffmann-Museum in Brtnice künftig haben?
Thun-Hohenstein: Das Haus bezieht seine Stärke aus diesen Konstellationen. L. A. und die Expositur in Brtnice sind eminent wichtig für das Mak. Und mir liegt daran, den Flakturm besser bekannt zu machen. Zu überlegen, mit welchen Ansätzen man Anlässe schafft, damit sich die Öffentlichkeit mit dem Gebäude und dessen Inhalten auseinandersetzt. Da geht es auch um die Auswahl der richtigen Künstlerinnen und Künstler. Ich habe einige Ideen, möchte aber noch abtesten, ob sie realisierbar sind. Man wird mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um das Gebäude stärker zu öffnen - auch zeitlich, um mehr Personal vor Ort einsetzen zu können. Aber es gibt im Mak an anderer Stelle noch Sparpotenzial. (Andrea Schurian, DER STANDARD - Printausgabe, 17. Mai 2011)
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halte ihn.nicht.aus.
lauter blabla.
aber hauptsache, man kennt die richtigen leute...
und jus und philo zusammen mit departure bilden sicher eine gute
grundlage um ein so ein - theoretisch - bedeutsames haus zu führen. ui,
bin beeindruckt.
gebe ihnen recht.
absolut grenzwertige entscheidung.
der typ hat es nicht mal annähernd geschafft das acf zu
positionieren. aber geschwafelt wird ja gern. kontakte? das ich nicht
lache, ja in die wirtschaftslobby vielleicht, aber zur basis sicher
nicht. fehlentscheidung (und das heisst nicht dass ich glaube dass
nollert oder fritz oder sonstwer besser geeignet wäre---)
die den Museumsdirektoren sehr schwer verstaendli h zu sein scheint:
Wenn man von angewandter Kunst redet, meint man damit landläufig angewandte Kunst.
und nicht, wie Herr noever offenbar meinte, Malerei.
Insofern ist es schon ein Fortschritt, dass der Herr T-H das Wort
Design mehrfach erwähnt, allerdings nur, um dann über bildhauerei
weiterzureden.
Jungs, das ist bildende Kunst. Das mit der angewandten Kunst
setzt die Anwendung in einem nicht-künstlerischen Zusammenhang voraus.
Ist doch wirklich nicht so schwer.
Frau Noever ist ja eine Kollegin von Thun-Hohenstein, aber weder das Aussehen noch seine Freunde sagen etwas über Hohensteins Kompetenzen aus. Die werden sich hoffentlich bald in positiver Art und Weise zeigen.
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