01.04.2003 13:12
Kein Sozialprojekt
Arnulf Rainer
präsentiert in Salzburg "Nichtkünstler II" - 113 Werke aus dem Grenzbereich
zwischen Kunstbetrieb und Klinik
Salzburg - Eine Ausstellung von Kunstwerken, die
von Menschen mit geistiger, körperlicher oder psychischer Behinderung stammen,
präsentiert Abend Arnulf Rainer in der Salzburger Galerie im Traklhaus. Unter
dem Titel "Nichtkünstler II" hat Rainer aus mehreren Hundert Bildern gut 100
Werke von 25 Kunstschaffenden ausgesucht und zu einer Schau zusammengestellt.
Dabei zeigt sich: Die Grenze zwischen der Kunst Behinderter und jener im
geregelten Kulturbetrieb ist fließend.
Öffentliche
Wahrnehmung
Die behinderten Künstler werden von sechs verschiedenen
Salzburger Einrichtungen betreut. "Ich bin sicher, es gibt noch viele hoch
begabte behinderte Künstler, die in irgend einem Hinterzimmer hervorragende
Kunstwerke erschaffen. Aber die konnten wir natürlich nicht alle finden", sagte
Rainer, der sich seit Jahrzehnten um diese Art der Kunst bemüht. Den Vorwurf,
das Ausstellen dieser teilweise intimen, bei Maltherapien entstandenen Werke sei
voyeuristisch, lässt Rainer nicht gelten: "Die Behinderten sind stolz,
ausgestellt zu werden und freuen sich über die öffentliche Wahrnehmung wie jeder
andere Mensch auch." Wichtig sei vor allem, dass der eigene Stil dieser
kreativen Menschen respektiert wird. Es ist ein Fehler, wenn Maltherapeuten die
Behinderten manipulieren und etwa zu großen Formaten anregen, die für viele
nicht zu schaffen sind."
'Echt'
Rainer sagte, er
haben versucht, jene Kunstwerke auszuwählen, die "nicht zu normal, nicht zu gut
sind". Es gebe behinderte Künstler, die von Galeristen gemanagt werden und über
regelmäßiges Einkommen verfügten. "Vor allem haben mich jene behinderten
Künstler interessiert, die sich gegen ihre Maltherapeuten durchgesetzt haben und
sich nicht beeinflussen ließen. Man sieht den Werken an, ob sie 'echt' sind oder
nicht."
Den Blick lenken
Die Bilder von
"Nichtkünstler II" stehen zum Verkauf - Rainer selbst hat viele für seine
persönliche Sammlung erworben. "Ich rechne damit, dass einige 'meiner'
behinderten Künstler in den verschiedenen Galerien auftauchen und zu sehen sein
werden. Was ich hier mache ist kein Sozialprojekt. Ich versuche, den Blick auf
eine andere, künstlerisch wertvolle Seite der bildenden Kunst zu lenken", sagte
der Maler.
(APA)