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Wenn Macht süchtig macht

Was die Macht rein äußerlich aus Menschen macht, zeigt die Ausstellung von Herlinde Koelbl in der Theologischen Fakultät.

Von E. SCHLOCKER
INNSBRUCK. Acht Jahre lang hat die Münchner Fotografin Herlinde Koelbl 15 maßgebliche Politiker, Manager und Medienleute begleitet und fotografiert. Was sie dabei interessiert, sind die Spuren, die die Ausübung der Macht in ihre Gesichter gegraben hat.

Paradebeispiel dieser formal kühlen Recherche ist die Metamorphose, die der deutsche Außenminister Joschka Fischer vom dicklichen, Jeans tragenden Grünbewegten zum schlanken Machtmenschen in Anzug und Schlips durchgemacht hat.

Bei ihm hat sich aber nicht nur sein Outfit grundlegend gewandelt, sondern auch sein Selbstverständnis als Person. Die Fotos von ihm zeigen, dass Macht süchtig machen kann, durchaus mit persönlichem Lustgewinn verbunden ist, wenn auch die Angst vor dem Fall immer mitschwingt.

Interessant auch die Bilder von CDU-Frontfrau Angela Merkel. Sie hat sich mit den Jahren von der unscheinbaren grauen Maus zur Persönlichkeit gewandelt, die mit dem Ausstieg aus der Politik kokettiert. Kanzler Gerhard Schröder gibt sich auf Koelbls Fotos als geschickter Schauspieler, der seine Verwundbarkeit kaum unter seinen Posen zu verstecken weiß. Wie schwer es ist, mit dem Verlust der Macht fertig zu werden, zeigen schließlich die Bilder von Bayerns Ex-Minister Peter Gauweiler.
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Katholisch-Theologische Fakultät, Karl-Rahner-Platz 1, Innsbruck; bis 31. Juli, Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr
2003-07-09 19:13:28