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vom 26.08.2005 - Seite 006
Vernetzen fremder Galaxien

Drei Universitäten, drei völlig unterschiedliche Kulturkreise: Hochschulen aus der Türkei, aus Indien und Österreich treffen zusammen, um sich gemeinsam mit Medienkunst und -kultur zu beschäftigen.

Die Überlagerungen von Identitäten und Kulturen im Kontext von Globalisierung werden in den jährlichen Campus-Ausstellungen an der Kunstuniversität Linz deutlich.

Zu sehen sind studentische Arbeiten der Srishti School of Art Design and Technology aus dem südindischen Bangalore, des Department of Visual Communication Design der Bilgi Universität in Istanbul sowie des 2004 gegründeten Lehrganges Interface Cultures der Kunstuni Linz. Eine Reise durch Konzepte und Ideen von jungen Medienkünstlern aus unterschiedlichen Regionen und kulturellen Kontexten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung der Srishti School steht das Konzept der Freiheit zwischen kommerziellen Interessen und individueller Kreativität. Der Erfolg oder die Weiterentwicklung einer Gesellschaft sollte weniger am wirtschaftlichen Fortschritt gemessen werden, so die These von Geetha Narayanan, Leiterin der Srishti School und Kuratorin der Ausstellung. Viel wesentlicher seien die Weiterentwicklung der persönlichen Freiheit im Sinne der Ausdrucksfähigkeit und die Verbesserung der Lebensqualität für alle Gesellschaften auf globaler Ebene.

Intensive Verflechtungen

"Wir glauben, dass sich die Prozesse von Kunst, Design und Technologie in unserer Zeit immer stärker verflechten und immanente und intensive Auswirkungen auf den einzelnen Menschen sowie auf die Systeme und Strukturen der Gesellschaft haben", sagt Geetha Narayanan. Für Gegenwart und Zukunft sei es von enormem Wert, wenn wir verstehen würden, wie diese Prozesse in lokalen und globalen Kulturen entstehen und gemanagt werden. "Wir glauben außerdem, dass ein solches Verständnis unweigerlich mit den größeren Fragen und Problemstellungen der so genannten ¸Freiheiten` verbunden ist."

Ein Punkt aus dem Hauptprogramm ist "Tana-Bana - Designing Substantive Freedoms", eine Produktion der Srishti School of Art Design and Technology. Der Ausstellungstitel "Tana-Bana" heißt wörtlich übersetzt "Kette und Schuss" (im Sinne des Vorgangs beim Weben) und evoziert das Ideal der Integration von Communities und Gesellschaften.

Die Ausstellung zeigt, wie sich der Erfolg einer Gesellschaft primär an den Freiheiten, die die Fähigkeiten zur Selbsthilfe und zur Gestaltung des eigenen Umfelds fördern, ablesen lässt.

Telematische Performance

Gezeigt werden Arbeiten von Studierenden, Absolventen und Artists-in-residence. Geboten werden außerdem Seminare und Diskussionen und eine telematische Performance auf dem Linzer Hauptplatz, bei der Künstler in Österreich und in Indien miteinander vernetzt werden.

"VCD: Relocate-Retro Tracks" nennt sich das Projekt der Istanbul Bilgi Universität. Das 1997 gegründete Institute for Visual Communication Design an der Istanbuler Bilgi Universität beschäftigt sich mit technologischen Entwicklungen und Designstrategien. Die Ausstellung zeigt Arbeiten der letzten fünf Jahre aus den Bereichen Grafik, Fotografie, interaktives Design und Video.

Interface Culture

Interface Culture schließlich, kuratiert von Christa Sommerer (AT) und Laurent Mignonneau (F) ist der heimische Beitrag. Der neu gegründete Studiengang "Interface Culture" an der Kunstuni Linz untersucht Interface-Technologien und deren kulturelle und soziale Anwendungen. Präsentiert werden Gestaltungen von Interfaces aus den Bereichen Interaktive Kunst, Tangible Interfaces, Intuitive Musik und Kompositionsinstrumente sowie interaktive Spiele.

Ein Interface beschreibt grundsätzlich die Schnittstelle zwischen verschiedenen Computersystemen, aber auch die Verbindung zwischen Mensch und Maschine. Es ermöglicht Menschen, mit digitalen Technologien zu kommunizieren, Daten zu generieren, diese zu empfangen und auszutauschen. Die im Rahmen des Festivals gezeigten Arbeiten bilden die erste "Interface Culture"-Ausstellung von Studierenden der Kunstuni Linz.

=Kunst, Design und Technologie werden sich immer stärker ineinander verflechten. }

GEETHA NARAYANAN

Leiterin der Srishti School, Kuratorin der Ausstellung "Tana-Bana"

Indisches Konzept der Freiheit zwischen Kommerz und Kreativität (Srishti School of Art Design & Technologies)


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