Was ist das Ziel Ihrer am Mittwoch eröffnenden Ausstellung „Inside Job“, die Sie gemeinsam mit Dan Cameron in den Galerien Insam, Krinzinger, Layr: Wuestenhagen und nächst St. Stephan zusammengestellt haben?
María de Corral: „Inside Job“ soll ein Bekenntnis dazu sein, neue Formen der Kooperation zwischen Kuratoren und Galerien zu finden. Schließlich scheint es mir neu für Galerien, eine Ausstellung zu beheimaten, die von eingeladenen Kuratoren zusammengestellt wird nach dem Prinzip: ein Künstler aus der Galerie, der andere als Gast.
Was waren Ihre Erfahrungen bei der Organisation der Ausstellung mit verschiedenen Galerien? Wie stark haben die einzelnen Galeristen sich eingemischt?
Wir hatten totale und absolute Freiheit, unter den Künstlern auszuwählen, die mit den Galerien arbeiten, wir konnten außerdem noch Künstler aus der ganzen Welt einladen. Dan Cameron und ich hatten aber natürlich immer im Kopf, dass es eine Einheit ergeben soll.
Was haben Sie während der Vorbereitung Ihrer Ausstellung für einen Eindruck der Wiener Kunstszene bekommen, der Galerien, Künstler, Institutionen?
Die Wiener Kunstszene ist sehr aktiv und interessant. Es gibt immer Ausstellungen hoher Qualität, die Galerien sind sehr stark, haben gute Programme, und das schon konstant über einen ziemlich langen Zeitraum.
Warum wirken die Kunstszenen etwa in Deutschland, in England aber viel präsenter, aktiver? Was könnte man verbessern?
Der Unterschied ist in der Größe zu sehen, die Zahl der Galerien, Museen, Sammler, Künstler, Kuratoren ist in London und Berlin nun einmal viel größer, dementsprechend gibt es dort auch mehr Budget für Kunst.
Hat Wien international überhaupt ein Image als Stadt, in der zeitgenössische Kunst stattfindet und Platz hat?
Dafür sind die Galerien von größter Wichtigkeit, und zwar schon seit den frühen 80er-Jahren, ich kann mich noch an ihre Qualität erinnern von der allerersten Arco-Kunstmesse in Madrid, sie waren ein Schaufenster für Wien als Kunststadt rund um die Welt. Aber auch viele Museen haben geholfen, ein internationales Image aufzubauen, etwa das MAK, das eine wunderbare Institution ist, um zeitgenössische Kunst zu erleben.
Welche österreichischen Künstler schätzen Sie am meisten?
Franz West, Jun Yang, Arnulf Rainer.
Stichwort Wirtschaftskrise – glauben Sie, dass die Kunst sich durch sie ändern wird?
Die Kunstszene hat sich schon ziemlich verändert durch die Krise, es ist jetzt viel einfacher für Museen und Institutionen, von den Galerien gute und wichtige Werke zu kaufen, im Vergleich vor allem mit der Situation in der jüngeren Vergangenheit, als noch alles an private Sammler und Fonds verkauft wurde. Auch auf Auktionen gibt es immer mehr wirklich gute Qualität, das hat sich in den letzten Monaten dramatisch verbessert. Die Kunstwelt betrifft die Krise jedenfalls lange nicht so heftig wie den Immobilen- oder Aktienmarkt.
Sie waren gemeinsam mit Rosa Martinez die erste Frau, die die Biennale Venedig leitete. Was erwarten Sie sich von der heurigen Ausgabe? Fahren Sie hin? Schauen Sie eher zurück im Ärger oder in Zufriedenheit?
Ich habe sehr hohe Erwartungen, weil ich die beste Meinung habe von Daniel Birnbaums kuratorischer Erfahrung. Natürliche werde ich kommen und versuchen, in fünf Tagen so viel anzusehen, wie ich kann. Für mich ist jede Reise nach Venedig ein Genuss. Ich erinnere mich fast liebevoll an meine Zeit als Direktorin der 51. Biennale 2005. Es war ein wunderbares Team, das sein Bestes gegeben hat, angesichts der sehr kurzen Zeit und des sehr kleinen Budgets, das wir für unsere Biennale hatten.
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