Bregenz
(VN-cd) Angst, Schmerz, eine tödliche Krankheit und
die Gewissheit, dass sie jeder von uns bekommen könnte - das sind
Themen, vor denen auch Künstler, die stets über das menschliche
Leben nachdenken, sehr oft kapitulieren. Edgar Leissing hat sie
überwunden - diese Sprachlosigkeit. Überwunden mit Bildern.
Eine Fotoserie mit deren Erstellung er begonnen hat, als
er selbst einige Wochen bei großer Unsicherheit im Krankenhaus
zubringen musste, wird nun im Foyer des Landhauses in Bregenz
gezeigt.
Sie wurde zur 10-Jahr-Feier der Vorarlberger Krebshilfe - einer
Beratungsstelle - bereits an einem Abend in Götzis präsentiert,
sollte aber durch diese Ausstellung nun einem breiteren Publikum
zugänglich gemacht werden.
Brücken bauen
Es sind meist Bildpaare, die Leissing da
zusammenstellte. Bilder, die eindeutig mit Krankheit zu assoziieren
sind - also beispielsweise Details von medizinischen Geräten zeigen
-, Bilder, die aber auch Heilung suggerieren - wie Blüten - und ein
Gefühlsspektrum zum Ausdruck bringen. Leissing schockiert nicht, er
beschönigt aber auch nichts und er setzt auch nicht auf die
Faszination eines Einblicks in das Innere des Körpers.
Wohl aber schafft er optische Verbindungen, die letztlich klar
machen, dass auch das was scheinbar unaussprechlich ist, eine Form
hat, eine Entsprechung in ganz alltäglichen Dingen, die wir leicht
benennen können. Damit schafft er es, wie auch Ariel Lang als Redner
bei der Erstpräsentation der Bilder betonte, Brücken zu bauen "über
den Abgrund der Sprachlosigkeit".
Ein winziges Knöspchen
Es ist bei aller Nähe, die er braucht, immer jenes
Quäntchen Distanz dabei, das von Respekt vor den Betroffenen zeugt,
es schwingt immer ein Quäntchen Hoffnung mit. Neben dem endgültigen
Ende steht ein Engel, der Dornenzweig trägt zumindest ein winziges
Knöspchen . . .
Edgar Leissings "Dornenknospenversteck" thematisiert
Schmerz ebenso wie Hoffnung.