"Egg, Egg" also "ei, ei" heißt es da bei der Ausstellung
von Ferdinand Götz in der Galerie der Stadt Wels. Eine wahre
Attacke auf die Lachmuskulatur bereitet uns der in Bad Ischl
lebende Künstler unter dem so unschuldig klingenden Motto
"constructing a house".
Absurde Wortspiele setzt er in
ebensolche Objekte um. In Gegenwelten zum üblichen Wohnen.
Manches ist nicht nur im gedanklichen Sinn "beweglich": Wände
heben und senken sich, Handtücher drehen sich. Im völlig
schwarzen Bücherregal lodert das Kaminfeuerchen und legt
schlimme Assoziationsbrücken. Er jongliert dabei virtuos mit
Doppelbedeutungen: Das allseits bekannte "Deckengemälde" wird
so flugs zum "Blanket Painting", zum flott auf eine Bettdecke
gepinselten Bildwerk.
Sogar der obligate grindig
lädierte Wasserhahn ist vorhanden, tropft dieser seltsamen
Wohnung die Zeit.
Von der flauschigen "Beauty Station"
über den kopfüber von der Decke wachsenden Ficus bis zum
"Dirty painting", dem dreckigen Bild über das ein Kehrbesen
rotiert - Ferdinand Götz ist ausgesprochen anregend. Sowohl
was das Denken betrifft als auch das herzliche Lachen.
Durch das Strichgespinst
Völlig anders präsentiert sich die zweite Station unserer
Wels-Kunstreise. Nur wenige hundert Meter entfernt von der
Stadtgalerie in der so sensibel renovierten Minoritenkirche
respektive einem Nebengebäude. Der Oberösterreicher Hans
Hoffmann-Ybbs zeigt hier eine (Über-)Fülle von neuen und
älteren Arbeiten.
Dicht an dicht hängt Gezeichnetes
und Gemaltes, Radiertes und anders Gedrucktes auf zwei Etagen.
In dieser überschwänglichen Präsenz tut sich das Auge
manchmal schwer, durch das Gespinst der virtuosen Striche und
expressiv gesetzten Farbschwünge und -flecken in den Kern
vorzudringen.
Sogar auf dem Boden stehen Werke des
Künstlers, dessen hochwertige, so explosiv gestaltete Bilder
weit mehr Aufmerksamkeit brauchen würden, als man ihnen hier
geben kann. Zu schnell sind die Betrachter abgelenkt von dem,
was bei den meisten Werken gleich daneben steht.
Wer
es schafft, sich trotzdem darauf einzulassen, wird sich
vielleicht an einen bestimmten Effekt erinnern, der einem beim
Betrachten eines Terrazzobodens passieren kann: Im Gewirr der
wahllos eingegossenen Steinchen erkennt man plötzlich
Gesichter, Figuren.
Auch bei Hoffmann-Ybbs tauchen sie
plötzlich auf. Schweinchen, Frösche, Menschenfratzen. Tauchen
auf, manifestieren sich, bleiben durch die energetische
Bildsprache ständig in Bewegung.
Augenzwinkern
Wer es nach dieser konzentrierten Kraftaufwendung noch
schafft, schließt einen Besuch im OÖN-Medienhaus an. Ebenfalls
nur ein paar Minuten entfernt, auf dem Stadtplatz angesiedelt.
Dort kann die Wels-Kunstreise nämlich mit einem weiteren
Auflachen abgeschlossen werden.
Denn die deftige
Ironie des phantastischen Realisten Alfons Eder serviert manch
augenzwinkernden Rundumschlag. Maria von Magdala ans Kreuz
genagelt etwa. Das totenschädelige Selbstporträt "Ich selber
anno 2927", Parodien auf Sexualität und Wellness, auf
Tierisches und allzu Menschliches. Eders bildnerisches
Vokabular erinnert an Hieronymus Bosch, was ja das
schlechteste Vorbild nicht ist.
OÖNachrichten
vom 29.04.2003 |