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Kunstberichte

Der Meister der Raumerweiterung

Oberes Belvedere: Neue Schau präsentiert Skulptur-Künstler Roland Goeschl mit Rückblicken bis 1957
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- Sprengen, um- und aufreißen: Roland Goeschl, Humanic-Werbeschocker und Skulptur-Revolutionär, präsentiert sich derzeit im Oberen Belvedere.  Foto: Roland Goeschl

Sprengen, um- und aufreißen: Roland Goeschl, Humanic-Werbeschocker und Skulptur-Revolutionär, präsentiert sich derzeit im Oberen Belvedere. Foto: Roland Goeschl

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Er hat die Skulptur in Österreich spektakulär erweitert: Roland Goeschl, der als Schüler und Assistent von Fritz Wotruba nur kurz dem abstrahierten Menschenbild der klassischen Moderne folgte. 1962 veränderte ein Aufenthalt in London seine Auffassung: Ab hier ging es, anfangs auf Holz, um die Trias Rot, Blau und Gelb und eine Formgebung, die auf Geometrie und konstruktive Prinzipien konzentriert ist.

Der Raum wurde mittels Bemalung und plastischer Bestückung – oft mit bemaltem Styropor – aufgerissen, Wände scheinbar durchbrochen, die zweite und dritte Dimension bis zum Schwindel erregenden Zustand verschränkt.

Auch in Richtung Film und Werbung riss Goeschl ein Tor auf, indem er für die Firma Humanic legendäre Hausfassaden bemalte und bis zur dekonstruierenden Sprengung seiner mobilen Kuben voranschritt. Damals als Schulterschluss mit dem Kommerz kritisiert, gilt er heute als Vorreiter der Zusammenarbeit von Kunst und Wirtschaft.

Springen und Kippen

Es verwundert wenig, dass der Vertreter von "Super Design" schon 1964 auf der Documenta IV und 1968 auf der Biennale von Venedig Österreich vertrat, dazu kamen internationale Skulpturenausstellungen in Uruguay und in Paris. Den totalen Farbraum schuf er für das Sammlerpaar Dieter und Gertraud Bogner auf Schloss Buchberg. Dort und andernorts beteiligte er sich an Symposien zu Tendenzen konkreter Plastik.

Die Ausstellung "Rückblicke 1957-2005. Bilder Fotos Modelle Skulpturen" benennt denn auch gleich, worum es sich bei seinen Interventionen und Raumgestaltungen im ganzen Erdgeschoß des Oberen Belvedere immer wieder dreht: Maximale Dreidimensionalität bis zum Umspring- und Kippeffekt der Perspektive.

Passage und Baukasten

Eine "Passage" empfängt die Besucher in der ersten Intervention der Sala Terrena: Goeschl hat sie aus der ehemaligen "Sackgasse" für den Steirischen Herbst 1967 neu konstruiert. In den letzten Serien gestaltet er mit Draht und nennt die Ergebnisse "Vernetzungen".

Davor ist ein Saal dem Material Kunststoff gewidmet, mit dem der Professor an der Technik in Reliefbildern wie Skulpturen immer wieder gearbeitet hat. Seine farbigen Säulen und Mauerstrukturen werden auch von einem Billardtisch und den Baukästen in den Stellagen seines Praterateliers unterbrochen.

Weiters gibt es viele Modelle und Plakate seiner heute nur mehr in Fotos vorhandenen Ausstellungen im Zwanzgerhaus (1969) oder der Secession (1994), aber auch im Belvedere selbst, wo er einen Beitrag zur Formalismus-Schau 1997 schuf: alles hinreißende Gesamtkunstwerke, leider ephemer, aber wesentliche Beiträge zur Archiskulptur, dieser Schnittstelle zwischen Architektur und Skulptur.

1994 hat Roland Goeschl im Atelier Augarten nicht zum ersten Mal mit seiner Frau, der Wotruba-Schülerin und Vertreterin der Pop-Art in Österreich, Ingeborg Pluhar, gemeinsam ausgestellt. Auch in dieser Kooperation ist Goeschl eine Ausnahme in der legendären abstrakten Gruppe der Galerie nächst St. Stephan, in der er von 1963 bis in die Siebzigerjahre seine Werke präsentierte. Heute tut er dies bei Peter Lindner und in der Galerie Edition Splitter.

Roland Goeschl

Rückblicke 1957-2005

Bis 15. Oktober

Oberes Belvedere

Hinreißend.

Mittwoch, 05. Juli 2006


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