Er hat die Skulptur in Österreich spektakulär
erweitert: Roland Goeschl, der als Schüler und Assistent von Fritz Wotruba
nur kurz dem abstrahierten Menschenbild der klassischen Moderne folgte.
1962 veränderte ein Aufenthalt in London seine Auffassung: Ab hier ging
es, anfangs auf Holz, um die Trias Rot, Blau und Gelb und eine Formgebung,
die auf Geometrie und konstruktive Prinzipien konzentriert ist.
Der Raum wurde mittels Bemalung und plastischer Bestückung – oft mit
bemaltem Styropor – aufgerissen, Wände scheinbar durchbrochen, die zweite
und dritte Dimension bis zum Schwindel erregenden Zustand verschränkt.
Auch in Richtung Film und Werbung riss Goeschl ein Tor auf, indem er
für die Firma Humanic legendäre Hausfassaden bemalte und bis zur
dekonstruierenden Sprengung seiner mobilen Kuben voranschritt. Damals als
Schulterschluss mit dem Kommerz kritisiert, gilt er heute als Vorreiter
der Zusammenarbeit von Kunst und Wirtschaft.
Springen und Kippen
Es verwundert wenig, dass der Vertreter von "Super Design" schon 1964
auf der Documenta IV und 1968 auf der Biennale von Venedig Österreich
vertrat, dazu kamen internationale Skulpturenausstellungen in Uruguay und
in Paris. Den totalen Farbraum schuf er für das Sammlerpaar Dieter und
Gertraud Bogner auf Schloss Buchberg. Dort und andernorts beteiligte er
sich an Symposien zu Tendenzen konkreter Plastik.
Die Ausstellung "Rückblicke 1957-2005. Bilder Fotos Modelle Skulpturen"
benennt denn auch gleich, worum es sich bei seinen Interventionen und
Raumgestaltungen im ganzen Erdgeschoß des Oberen Belvedere immer wieder
dreht: Maximale Dreidimensionalität bis zum Umspring- und Kippeffekt der
Perspektive.
Passage und Baukasten
Eine "Passage" empfängt die Besucher in der ersten Intervention der
Sala Terrena: Goeschl hat sie aus der ehemaligen "Sackgasse" für den
Steirischen Herbst 1967 neu konstruiert. In den letzten Serien gestaltet
er mit Draht und nennt die Ergebnisse "Vernetzungen".
Davor ist ein Saal dem Material Kunststoff gewidmet, mit dem der
Professor an der Technik in Reliefbildern wie Skulpturen immer wieder
gearbeitet hat. Seine farbigen Säulen und Mauerstrukturen werden auch von
einem Billardtisch und den Baukästen in den Stellagen seines
Praterateliers unterbrochen.
Weiters gibt es viele Modelle und Plakate seiner heute nur mehr in
Fotos vorhandenen Ausstellungen im Zwanzgerhaus (1969) oder der Secession
(1994), aber auch im Belvedere selbst, wo er einen Beitrag zur
Formalismus-Schau 1997 schuf: alles hinreißende Gesamtkunstwerke, leider
ephemer, aber wesentliche Beiträge zur Archiskulptur, dieser Schnittstelle
zwischen Architektur und Skulptur.
1994 hat Roland Goeschl im Atelier Augarten nicht zum ersten Mal mit
seiner Frau, der Wotruba-Schülerin und Vertreterin der Pop-Art in
Österreich, Ingeborg Pluhar, gemeinsam ausgestellt. Auch in dieser
Kooperation ist Goeschl eine Ausnahme in der legendären abstrakten Gruppe
der Galerie nächst St. Stephan, in der er von 1963 bis in die
Siebzigerjahre seine Werke präsentierte. Heute tut er dies bei Peter
Lindner und in der Galerie Edition Splitter.
Roland Goeschl
Rückblicke 1957-2005
Bis 15. Oktober
Oberes Belvedere
Hinreißend.
Mittwoch, 05. Juli
2006