| Hauptausgabe vom 23.05.2002 - Seite 007
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| TRAUER: Die Künstlerin Niki de Saint Phalle ist
71-jährig gestorben
Die Mutter der riesigen Überfrauen Ihre "Nanas" sind auf der ganzen Welt zu finden: in Paris, New York, Brüssel, Genf, Tokio, Luzern, Amsterdam, Los Angeles. Für das Moderna Museet in Stockholm schuf sie 1966 die "Größte Hure der Welt" - das liegende Überweib ist sechs Tonnen schwer und 27 Meter lang. Durch die Öffnung zwischen den Schenkeln strömen täglich rund 2000 Besucher in ihr komfortables Inneres. Das "phantastischste Unternehmen ihres Lebens" nannte die Künstlerin diese berühmteste ihrer "Nanas".
Die Schöpferin der "Nanas", die Künstlerin Niki de Saint Phalle, ist im Alter von 71 Jahren in San Diego / USA gestorben. Die gebürtige Französin, die als Zweijährige mit ihrem Vater nach New York zog, ist mit solchen Arbeiten zu einer der bekanntesten Pop-Artistinnen der Kunstwelt geworden. Der Name ist übrigens kein Pseudonym. Im Sommer 2000 hat Niki de Saint Phalle dem Sprengel Museum in Hannover mehr als 300 ihrer Werke übergeben. Mit dem großzügigen Geschenk kehrte die Künstlerin gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück, denn 1969 hatte sie in Hannover eine ihrer ersten großen Ausstellungen. Auch der Stadt Nizza schenkte die Künstlerin mehr als 170 Kunstwerke.
Bevor sie mit den breithüftigen und großbrüstigen Frauenskulpturen international populär wurde, hatte sie sich bereits mit ihren "Schießbildern" einen Namen gemacht. Robert Rauschenberg und Jasper Johns ließen ihren aggressiven Instinkten freien Lauf, wenn sie auf die von der Künstlerin geschaffenen Gipsfiguren mit Farbbeuteln schossen. Die Schöpferin der Figuren nannte sich damals eine "Terroristin der Kunst": "Ich schoss gegen Daddy, gegen alle Männer." Danach begann sie mit ihren Riesenfrauen an ihrem Mythos des Matriarchats zu arbeiten: "Männer waren sehr erfinderisch. Sie haben alle diese Maschinen erfunden, das Industriezeitalter, aber keine Ahnung, wie man die Welt verbessert."
Bei der Arbeit an den "Nanas" atmete sie jahrelang gefährliche Dämpfe ein, litt schließlich unter einem Emphysem, einer Lungenaufblähung. Seit Jahren lebte sie in der Toskana. Ihren großen Garten in Capalbio hat sie in einen Zaubergarten mit bewohnbaren "Nanas" verwandelt. Ihr zweiter Mann, der Schweizer Maschinenpoet Jean Tinguely, arbeitete bis zu seinem Tod 1991 daran mit.
Den Garten verstand sie als ihr Lebenswerk: "Ich habe für diesen Garten alles geopfert. Meinen Geliebten und mein Privatleben." |