Vaduz
(VN-ag) Mit Steinen zur Meditation von Karl Prantl
und Spanplattenobjekten von Willi Kopf verspricht die aktuelle
Ausstellung in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz ein spannendes
und zugleich gewagtes Gegenüber.
Eine besondere Verschränkung verbindet zwei ansonsten
sehr ungleiche Künstler: Da ist zum einen der 1923 geborene Karl
Prantl, der an der Akademie bei Gütersloh in Wien eigentlich Malerei
studierte, seit 1950 aber ausschließ lich mit dem Stein arbeitet und
zu den großen österreichischen Bildhauern der Gegenwart gehört.
Demgegenüber steht das Werk des bekannten Vorarlberger Künstlers
Willi Kopf (geboren 1949), der bei Wotruba studierte und dessen
bildhafter Werkzyklus aus Spanplatten einer Gratwanderung zwischen
Bild und Objekt gleichkommt. Bei Karl Prantls Skulpturen scheint
nicht nur die Natur selbst Hand angelegt zu haben. Sie fordern auch
den Betrachter zum haptischen Erlebnis, zur Berührung heraus.
Energie des Steines
Die Natur bildet einen wesentlichen Bezugspunkt seiner
zwischen groß und klein variierenden, immer aber monumental
angelegten Meditationssteine. Immer wieder gelingt es ihm
überzeugend, in Anlehnung an die Zen-Poesie, die Weichheit eines
harten Materials unter Beweis zu stellen. Bruchstellen wechseln sich
ab mit glatt polierten Flächen, mit viel Gefühl folgt der Bildhauer
einer andersfarbigen Ader im Stein, erarbeitet sich Vertiefungen und
Rillen oder holt die Energie des Steines an die Oberfläche.
Bei allem Tun spielt der Faktor Zeit, das Verfolgen eines Steines
und das Wiederaufnehmen eines Themas auch nach Jahren eine wichtige
Rolle.
Wo bei Prantl die durch Naturkräfte entstandenen Strukturen den
Stein bestimmen, gestaltet Will Kopf seine Objekte aus
artifiziellem, industriell produziertem Material: Spanplatten,
normiert, in verschiedenen Farbschattierungen, ein Schreiner im
Dienst der Sinnlichkeit. Flächen werden von einem Linienraster
umfangen, die Punktauflösung des Materials erinnert an mediale
Eigenschaften (Pixel). Was sich bildhaft an der Wand orientiert,
entwickelt beim Näherkommen Volumen, denn Kopfs Spanplattenobjekte
pendeln den Bereich von Bild und minimalistischem Objekt aus.
Im Spirituellen, das sich bei beiden Künstlern unterschiedlich
äußert, liegen für Willi Kopf, der ausschliesslich Arbeiten aus
Privatbesitz, zum Teil auch älteren Datums, zeigt, die
Gemeinsamkeiten. Durch die kluge Beschränkung auf eine geschlossene
Werkgruppe von Kopf, der die Konturen des Raumes besetzt, während
Karl Prantl den Raum als Volumen bespielt, geht das eigenwillige
Konzept auf: Berührungspunkte bei gleichzeitiger maximaler Distanz.
Die Ausstellung in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz
ist bis 16. November zu sehen, Dienstag bis Freitag 10 bis 18,
Samstag 10 bis 16 Uhr.
Steine und Spanplattenobjekte von Prantl und Kopf.