VN Di, 15.10.2002

Politik
Lokal
Sport
Markt
Kultur
Welt

Chronik
Notdienste
Wohin
Leserbriefe
TV
VN-Heimat

Anzeigen
eVN.vol.at






Kultur 

Nähe bei maximaler Distanz

Karl Prantl und Willi Kopf in der Galerie am Lindenplatz

Vaduz (VN-ag) Mit Steinen zur Meditation von Karl Prantl und Spanplattenobjekten von Willi Kopf verspricht die aktuelle Ausstellung in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz ein spannendes und zugleich gewagtes Gegenüber.

Eine besondere Verschränkung verbindet zwei ansonsten sehr ungleiche Künstler: Da ist zum einen der 1923 geborene Karl Prantl, der an der Akademie bei Gütersloh in Wien eigentlich Malerei studierte, seit 1950 aber ausschließ lich mit dem Stein arbeitet und zu den großen österreichischen Bildhauern der Gegenwart gehört.

Demgegenüber steht das Werk des bekannten Vorarlberger Künstlers Willi Kopf (geboren 1949), der bei Wotruba studierte und dessen bildhafter Werkzyklus aus Spanplatten einer Gratwanderung zwischen Bild und Objekt gleichkommt. Bei Karl Prantls Skulpturen scheint nicht nur die Natur selbst Hand angelegt zu haben. Sie fordern auch den Betrachter zum haptischen Erlebnis, zur Berührung heraus.

Energie des Steines

Die Natur bildet einen wesentlichen Bezugspunkt seiner zwischen groß und klein variierenden, immer aber monumental angelegten Meditationssteine. Immer wieder gelingt es ihm überzeugend, in Anlehnung an die Zen-Poesie, die Weichheit eines harten Materials unter Beweis zu stellen. Bruchstellen wechseln sich ab mit glatt polierten Flächen, mit viel Gefühl folgt der Bildhauer einer andersfarbigen Ader im Stein, erarbeitet sich Vertiefungen und Rillen oder holt die Energie des Steines an die Oberfläche.

Bei allem Tun spielt der Faktor Zeit, das Verfolgen eines Steines und das Wiederaufnehmen eines Themas auch nach Jahren eine wichtige Rolle.

Wo bei Prantl die durch Naturkräfte entstandenen Strukturen den Stein bestimmen, gestaltet Will Kopf seine Objekte aus artifiziellem, industriell produziertem Material: Spanplatten, normiert, in verschiedenen Farbschattierungen, ein Schreiner im Dienst der Sinnlichkeit. Flächen werden von einem Linienraster umfangen, die Punktauflösung des Materials erinnert an mediale Eigenschaften (Pixel). Was sich bildhaft an der Wand orientiert, entwickelt beim Näherkommen Volumen, denn Kopfs Spanplattenobjekte pendeln den Bereich von Bild und minimalistischem Objekt aus.

Im Spirituellen, das sich bei beiden Künstlern unterschiedlich äußert, liegen für Willi Kopf, der ausschliesslich Arbeiten aus Privatbesitz, zum Teil auch älteren Datums, zeigt, die Gemeinsamkeiten. Durch die kluge Beschränkung auf eine geschlossene Werkgruppe von Kopf, der die Konturen des Raumes besetzt, während Karl Prantl den Raum als Volumen bespielt, geht das eigenwillige Konzept auf: Berührungspunkte bei gleichzeitiger maximaler Distanz.

Die Ausstellung in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz ist bis 16. November zu sehen, Dienstag bis Freitag 10 bis 18, Samstag 10 bis 16 Uhr.

Steine und Spanplattenobjekte von Prantl und Kopf.




Kultur 

Zum Seitenbeginn