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Kunstmuseum "Lentos" in Linz eröffnet

"Ich begrüße das ungebrochene Bekenntnis der hier Verantwortlichen für Kunst und Kultur, auch in budgetär schwierigen Zeiten nach vorne zu blicken, ohne die Tradition zu verleugnen" - dies erklärte Bundespräsident Thomas Klestil am Sonntagvormittag bei der Eröffnung des neuen Kunstmuseums "Lentos" in Linz.

Linz (APA) - Was heute zum "Kunstkanon" zähle, sei zu seiner Zeit neu, irritierend oder nur schwer verständlich gewesen, so Klestil, "Wir müssen daher heute danach trachten, der zeitgenössischen Kunst die Möglichkeit zu bieten, sich optimal zu entfalten". Freilich gehe es nicht darum, das Neue als solches schon für prinzipiell besser und förderungswürdiger zu halten als arrivierte Kunst oder Künstler. Und weiters sagte der Bundespräsident: "Althergebrachtes und Tradition nicht zu verleugnen und Neues zuzulassen und zu fördern, das ist der Weg, den es zu gehen gilt. Und Linz ist ein gutes Beispiel dafür".

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (V) bezeichnete die Eröffnung des Lentos als großen Tag für die Kunst in Linz, in Oberösterreich und angesichts der bevorstehenden EU-Erweiterung für die gesamte Kulturregion Mitteleuropas. Im Hinblick auf die Diskussionen um ein neues Musiktheater in Linz trat Pühringer dafür ein, diese Frage aus dem Wahlkampf für die Landtags- und Gemeinderatswahlen am 28. September heraus zu halten, "damit dieses wichtige Projekt nicht noch einmal populistischer Politik geopfert" werde.
Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (S) nannte das Lentos für Linz einen weiteren "Schritt nach vorne zu einer modernen, offenen und liebenswerten Stadt". Das Lentos sei ein weiterer Beweis dafür, dass sich Linz von der reinen Industriestadt hin auch zu einer Kulturstadt entwickelt habe.

Das neue Linzer Kunstmuseum "Lentos" - der Name leitet sich aus dem Keltischen her und bedeutet so viel wie "biegsam" oder "gekrümmt" und wird auch im Sinn von "an der Biegung des Flusses" verstanden - löst die bisherige "Neue Galerie" der Stadt Linz ab. Die Pläne für das "Lentos" stammen vom Schweizer Architekturbüro Weber + Hofer AG, das aus einem Wettbewerb unter 219 Architekten als Sieger hervorgegangen ist. Eine architektonische Besonderheit, die das "Lentos" durchaus zu einem weiteren Wahrzeichen der oberösterreichischen Landeshauptstadt werden lassen könnte, ist die gläserne "Umhüllung" des 130 Meter langen Bauwerks. Diese "Glas-Hülle" ist bei Nacht beleuchtet.

Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt rund 33 Mio. Euro, mehr als 80 Prozent davon trug die Stadt, den Rest das Land Oberösterreich.
Schon vor der Eröffnung wurde eine groß angelegte und schwierige "Übersiedlungsaktion" ohne Zwischenfälle durchgeführt: Mussten doch nicht weniger als 1.500 Gemälde, Skulpturen und Objekte sowie 10.000 Arbeiten auf Papier und 30.000 Bücher und Kataloge von der "Neuen Galerie" in Linz-Urfahr ins neue Kunstmuseum "überstellt" werden.

Das "Lentos" umfasst eine Gesamt-Nutzfläche von 8.000 Quadratmetern, im Vergleich dazu standen in der alten "Neuen Galerie" nur rund 3.600 Quadratmeter zur Verfügung. Das von Glas dominierte Gebäude besteht aus drei Geschossen. Das gesamte Obergeschoss mit einer Fläche von 2.300 Quadratmetern wird Ausstellungen vorbehalten sein, im Untergeschoss kommen nochmals 350 Quadratmeter für die Grafikausstellungen dazu. "Unter der Erde" wird die Bibliothek untergebracht, weiters Lagerräumlichkeiten, Werkstätten und eine Tiefgarage. Dieser Bereich ist auf Grund seiner Nähe zur Donau speziell hochwassergesichert.
2003-05-18 13:37:40