Von der Lust an der Farbe

Der lustvollen Akte des Künstlers Francis Picabias, die persiflageartigen Gemälde des jungen Amerikaner Kurt Kauper und die leicht hingeworfenen malerischen Porträtskizzen einer Elizabeth Peyton sind Thema eines kleinen Ausstellungs-
rundgangs.


Francis Picabia, Künstlerdandy, der in Paris, New York und Barcelona zu Hause war durchlief so ziemlich alle avantgardistischen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts. Er war der Geisteswelt eines Marcel Duchamp nahe und gestaltete in den 20er Jahren für die Surrealisten Titelblätter der Zeitschrift "Littérature". Er war in zahlreichen Genres zu Hause, auch in der abstrakten Malerei, verweigerte sich aber jedem Dogmatismus. In den 30er Jahren, als die Weltwirtschaftskrise, die Postulate der Moderne erschütterten, kombinierte er antike Gipsbüsten mit neoklassistischen Akten. Solch Malerei geschah jedoch nicht ohne selbstironisches Augenzwinkern.

Rückkehr zur Figur

Francis Picabia / ©Bild: Flick Collection
Francis Picabia / ©Bild: Flick Collection

Ab dieser Zeit wendete er sich vermehrt dem Figuralen zu. Er kehrt immer wieder zum Antlitz zurück, wie seine Porträts von Spanierinnen zeigen. Die Obsession des Amourösen ist für den Künstler mit dem Ruf eines Don Juan unübersehbar. Seine während des Zweiten Weltkriegs entstanden Akte stoßen auf Ablehnung. Wegen ihrer erotischen Aufladung, der vulgären Farbpalette, der dicken schwarzen Umrisse und des Verwerfens der Konvention von "guter Malerei" wurden sie lange unterschätzt. Sie wurden als ästhetische Francis Picabia, verstanden.

Kurt Kauper

Der amerikanische Künstler, 1966 in Indianapolis geboren, ist fasziniert von der Welt der Operndiven und Filmsternchen. Überlebensgroß, selbstsicher und kapriziös treten sie in Erscheinung. Es ist eine Mischung aus glamouröser Fotografie und Staatsporträt aus dem 18. Jahrhundert, das er da auf die Leinwand bringt.

Cary Grant nackt

Kurt Kauper,
Kurt Kauper, "Cary Grant #2" / ©Bild: ACME, Los Angeles

In seinen jüngeren Arbeiten gilt Kaupers Interesse mehr dem realen Subjekt. Cary Grant, Ikone des Hollywood Films und Ideal der Männlichkeit, wird schutzlos nackt dem Betrachter preisgegeben. Seine Nacktheit ist weit entfernt von klassischen antiken Ideal des entblößten Körpers. Vielmehr ist ein zerbrechliches Objekt des Begehrens, das Kauper darstellt. Es ist ein humorvolles Zerstören des Klischeebildes des von Hollywood produzierten Männlichkeitswahnes.

Elizabeth Peyton

Elizabeth Peyton / ©Bild: Kunstmuseum Wolfsburg
Elizabeth Peyton / ©Bild: Kunstmuseum Wolfsburg

Die 1967 geborene Amerikanerin Elizabeth Peyton ist mittlerweile zum Superstar realistischer Malerei avanciert. Mit ihren Malblock tingelte sie durch die New Yorker Film- und Galerienszene auf der Suche nach Porminenten und Freunden, die sie in lockeren Malduktus aufs Papier zaubert. Celebrities werden aber auch von Hochglanzmagazinen, MTV und anderen Quellen der Populärkultur abgemalt. Auf kleinformatiger Leinwand verwandelt sie Rockstars, historische Gestalten und Königsfamilien in Personen von Nebenan.

Freund Tony

In letzter Zeit ist neben dem Maler David Hockney auch ihre Lebenspartner Tony Just Modell ihrer Malerei. Dank ihres Pinselstrichs wird Tony zu einer zeitlosen Ikone des Schönen. Auffallend ist die Ähnlichkeit ihrer Modelle mit historischen Gestalten. So erinnert Tony im Porträt an Napoleon.

Radio &sterreich 1