Man kann es direkt spüren, wie es sich angefühlt hätte, diese Backen zu küssen: die pudrige Weichheit, die Wärme. Doch hoppala – ist das nicht doch gar zu despektierlich? Schließlich handelt es sich bei diesem Porträt um eines von Maria Theresia, Kaiserin von Österreich und Patronin der schönen Künste in der Monarchie.
Diesen „Best of“-Beitrag, den die Gemäldegalerie der Wiener „Bildenden“ im Lentos zeigt, hat Martin van Meytens gemalt, 1695 in Stockholm geborener, 1770 in Wien gestorbener Hofmaler. Meytens wurde 1759 Rektor der Wiener Kunstakademie und schuf dieses Bildnis für den dortigen Festsaal. Der zeitlebens unverheiratete und kinderlose Künstler war auch ein hoch geschätzter Miniaturist, der unter anderem vierzig Emailbildnisse für den russischen Zaren Peter den Großen anfertigte. Ein großer Werkstattbetrieb, den sein Neffe leitete, ermöglichte Meytens eine wahre Massenproduktion an repräsentativen Einzel- und Gruppenporträts der Kaiserin, ihrer Familie und ihres Hofstaates.
Meytens selbst war dabei für die Hauptpartien zuständig, während spezialisierte Mitarbeiter Draperien und Hintergründe malten. Nachteil dieser Arbeitsteilung: Eine präzise Bestimmung seines Anteils ist nur schwer möglich. Außerdem signierte er seine Werke nur selten und nur auf ausdrücklichen Wunsch. (gunn)
Best of Austria: bis 10. 5. 2009. Tägl. 10–18, Do 10–21 Uhr; Kontakt: 0732/7070-3600, www.lentos.at>